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Hausaufgaben gemacht

18.01.2013

Die Jahre der mühsamen Aufbauphase haben sich ausgezahlt. Der Wirtschaftskrise zum Trotz blickt die Hochtief Construction Austria positiv ins Jahr 2013. 

Die Auftragsbücher von Erwin Fahrnberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Hochtief  Con­struction Austria, sind gefüllt.

Seit 2007 ist Hochtief auch in Österreich aktiv. Erwin Fahrnberger war von Beginn an dabei und hat nun mit 1. Oktober 2012 den Vorsitz der Geschäfts­führung übernommen. 

Österreichische Bauzeitung: In Zeiten  wie diesen ist man als Vorsitzender der Geschäftsführung eines Bauunternehmens sehr unter Druck. Ist diese Position momentan überhaupt reizvoll?

Fahrnberger: Es ist für mich eine interessante und spannende Aufgabe, vor allem da sich Hochtief Construction Austria im vergangenen Jahr sehr gut entwickelt hat. Das freut mich natürlich, da ich als technischer Leiter auch bereits zuvor für den österreichischen Markt verantwortlich war. Der Hauptbahnhof in Salzburg ist ein tolles Projekt, das bis 2014 fertiggestellt wird. Außerdem haben wir 2012 Zuschläge für zwei große Projekte – das Baulos 4.2 und das Baulos 2.2 der S10 – erhalten, und an der Umfahrung in Straßwalchen arbeiten wir circa noch ein Jahr. International konnten wir ebenso einige Erfolge verbuchen. So haben wir im vorigen Jahr den Zuschlag für den Ausbau der Bundes­autobahn A8, ein PPP-Projekt in Deutschland, bekommen. 
Gerade aktuell dazugekommen ist außerdem der Flughafen Riga, wo die Infrastruktur ausgebaut werden soll. Man sieht, dass wir uns im vergangenen Jahr in Österreich gefestigt haben und nun Chancen im internationalen Erd- und Straßenbau-Markt forcieren.

Österreichische Bauzeitung: Woher kommt dieser plötzliche Erfolg? Hat Hochtief die Strategie geändert?

Fahrnberger: Hochtief Construction Austria ist seit 2007 am österreichischen Markt aktiv. Unser erstes Projekt war das PPP-Projekt A5 in einer Arge mit der Alpine. Da es sich bei diesem Bauvorhaben um ein sehr großes Erd- und Straßenbau-Projekt handelte, war die logische Konsequenz, dass wir hier in Österreich das internationale Kompetenzzentrum für Erd- und Straßenbau der Hochtief Solutions AG gegründet haben. Nach diesem Großprojekt hatten wir auch zwischendurch rezessionsbedingte Umsatzeinbußen. 2010 war z. B. ein schlechtes Jahr für uns, da fix eingeplante Aufträge wie z. B. das PPP-Projekt D1 in der Slowakei aus politischen Gründen nicht beauftragt wurden. Unser Ziel ist es nicht, ein marktübliches Angebot abzugeben, sondern wir bieten den Auftraggebern innovative, technische Alternativen. Unsere Mitarbeiter besitzen sehr viel Know-how, und wir bereiten uns auf jedes Projekt präzis vor und machen unsere Hausaufgaben. Die Kombination erlaubt uns, auch andere Wege zu gehen. Und der Erfolg gibt uns recht: 2012 sind wir durch unsere Strategie erfolgreich. Dies zeigen Umsatz und Mitarbeiterzahlen.

Österreichische Bauzeitung: Können Sie an aktuellen Projekten Beispiele nennen, wie diese Sonderlösungen aussehen?

Fahrnberger: Jedes Unternehmen versucht Spezial-Know-how zu entwickeln, was natürlich nicht gern preisgegeben wird. Es lässt sich aber kurz zusammenfassen: Das Wichtigste bei einem Projekt ist die Logistik. Das bedeutet verkürzte Wege, vereinfachte Arbeitsschritte, ressourcenschonendes Arbeiten und ein effektiver Personaleinsatz. Der zweite wichtige Punkt ist, spezielle Gerätekonzepte wie z. B. GPS-Geräte im Erdbau oder andere technischen Hilfsmittel einzusetzen.

Österreichische Bauzeitung: Nachhaltigkeit wird auch immer mehr zum Entscheidungskriterium.

Fahrnberger: Das spüren wir auch bei vielen Ausschreibungen, und wir versuchen natürlich auch in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Zumal es auch zu unserer Kernkompetenz gehört, denn gerade bei PPP-Projekten spielt Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle. PPP bedeutet nicht nur, dass man die Projekte errichtet und finanziert, sondern in der Regel auch mitbetreibt. Wenn man gut und nachhaltig baut, hat man in der Betriebsphase auch geringere Lifecycle-Kosten. So gesehen ist es unser ureigenstes Interesse, in Sachen Nachhaltigkeit erfolgreich zu sein. 

Österreichische Bauzeitung: Hochtief setzt verstärkt auf PPP-Projekte. In den Medien werden diese regelmäßig diskutiert, umgesetzt werden in Österreich jedoch nur wenige. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? 

Fahrnberger: Ein wesentlicher Grund ist sicher der, dass die Erfahrungen fehlen. Außerdem spielt die Projektgröße eine wichtige Rolle. Es ist nicht sinnvoll, Kleinprojekte als PPP-Projekt auszuschreiben, da man diese auch über eine gewisse Konzessionsdauer betreiben muss. Die A5 war mit einem Abschnitt von 52 Kilometern dafür prädestiniert. In Deutschland ist man in dem Bereich schon etwas weiter als in Österreich. Gerade werden dort einige PPP-Projekte umgesetzt, an denen wir auch beteiligt sind. Das aktuellste Beispiel ist die A8 zwischen Ulm und Augsburg. Ein weiteres Projekt ist bereits in Planung. Um Vorbehalte gegen diese Finanzierungsform in der Öffentlichkeit zu verringern, versuchen wir in Foren und Podiumsdiskussionen unsere positiven Erfahrungen mit PPP-Projekten weiterzugeben.

Österreichische Bauzeitung: Neben Österreich fällt auch Südosteuropa in den Verantwortungsbereich von Hochtief Construction Austria. Sehen Sie hier großes Potenzial? 

Fahrnberger: Wir haben das Glück, dass sich Hochtief Construction Austria nicht nur auf Südosteuropa konzentriert, sondern dass wir unseren Fokus auf Nordosteuropa ausweiten werden, wo es zurzeit eine Fülle von großen und spannenden Projekten gibt.

Österreichische Bauzeitung: Hochtief Construction Austria befindet sich im Aufwärtstrend, dennoch ist die Stimmung in der Branche nicht besonders gut. Welche Erwartungen haben Sie diesbezüglich an die Politik?

Fahrnberger: Man muss schon sagen, dass die Situation zurzeit sehr angespannt ist, da nur wenig budgetäre Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Projekte überhaupt zu realisieren. Gerade wenn eine Branche in Schwierigkeiten ist, sollte es der politische Zugang sein, diese Branche zu unterstützen. Zumal die Baubranche mit all den Nebengewerben eine der wichtigsten Branchen überhaupt ist. Es ist notwendig, dass die öffentlichen Auftraggeber diesbezüglich ihren Beitrag leisten und die Mittel zur Verfügung stellen, um schon lange geplante Projekte in die Realität umzusetzen. 
Die Politik ist jetzt gefragt, damit die großen Infrastruktur- und Wegebauprojekte in den nächsten Jahren auch einen positiven volkswirtschaftlichen Effekt haben.


„Unser Erfolgsgeheimnis sind technische Innovationen und eine gründliche Vorbereitung.“

Autor/in:
Sonja Meßner
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