Direkt zum Inhalt
Foto: DokaFoto: DokaFoto: HarscoFoto: MevaFoto: MevaFoto: Peri GmbHFoto: RSBFoto: RSBFoto: DokaFoto: DokaFoto: HarscoFoto: MevaFoto: MevaFoto: Peri GmbHFoto: RSBFoto: RSB

Haute Couture der Schaltechnik

26.06.2014

Unterschiedliche Ansätze, aber immer beeindruckende Ergebnisse – es müssen nicht immer Schalungen von der Stange sein.

Gerade Wände und rechtwinkelige Ecken haben zwar in der modernen Architektur durchaus noch ihren Reiz, aber ausgefallene Geometrien bestimmen zunehmend das Erscheinungsbild der Gebäudelandschaft. Architekten wollen sich nicht mehr in ihrer Kreativität einschränken lassen – und das müssen sie auch nicht. Längst verfügen Schalungshersteller über das technische Know-how, um auch die ungewöhnlichsten Formwünsche in die Realität umzusetzen.

Bei Schalungsexperten Meva machen Sonderschalung rund 20 Prozent aller Projekte aus. „Meva unterhält ein Werk ausschließlich zu diesem Zweck. Fertigungsautarkie ist entscheidend, um den Kunden eine machbare Lösung zu wirtschaftlichen Bedingungen zu bieten“, sagt Gerhard Wagner, Geschäftsführer von Meva Österreich. Dabei kommt oft die Vollkunststoffplatte Alkus zum Einsatz: Sie ist bieg- und formbar und kann nahtlos zusammengeschweißt werden oder fast wie ein Teppich auf eine Holzunterkonstruktion montiert werden. „Das hat schon viele abenteuerliche architektonische Geometrien ermöglicht, unter anderem beim allseits bekannten Library & Learning Center am Campus WU“, so Wagner.

Aber man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Oft ist es möglich, durch die Kombination von Standard- und Sonderteilen eine wirtschaftliche und technisch sinnvolle Antwort zu liefern, speziell wenn sich Querschnitte oder Geometrien ändern. „Das passiert zum Beispiel, wenn Brückenpfeiler nicht identisch, sondern mit dem gebogenen Brückenverlauf ‚mitwandern‘“, erklärt Wagner. Auch Standardlösungen, die zweckentfremdet werden, können zum Ziel führen. So wurde schon einmal der Meva-Stützbock STB 300, der normalerweise für einhäuptige Betonagen eingesetzt wird, einfach horizontal zur Abstützung von auskragenden Decken oder Plattformen herangezogen. Erlaubt ist alles, was funktioniert. 

Fräsen, was das Zeug hält
Gänzlich andere Herausforderungen beschäftigen momentan die Schalungstechniker von Peri in Polen. Auf dem Campus der Medizinischen Universität Warschau entsteht bis 2015 ein neues Sport- und Rehabilitationszentrum. Der Architekt Aristo Irzenski favorisiert organische aus der Natur stammende Formen – das Resultat ist eine vielfach durchbrochene, tragende Struktur der Wandkonstruktion, die den Komplex zu den Grünflächen hin öffnen soll. Für die unterschiedlich geformten Aussparungen frästen die Schalungsexperten von Peri mithilfe einer CNC-Maschine die Formknaggen maßgenau auf Basis der CAD-Daten. Anschließend wurden die Formen zusammengesetzt. Mittlerweile stehen in der Weißenhorner Schalungsmontage bereits zwei CNC-Holzbearbeitungsanlagen. Durch die automatisierte Reinigung und das integrierte Beschickungsportal der neuen Anlage kann das Team hohe Stückzahlen millimetergenau in kürzester Zeit produzieren. 

Auf der Baustelle in Warschau befestigte das Team die Aussparungskörper auf einer klassischen Trio-Rahmenschalung, sodass diese Bereiche nicht mit Beton gefüllt wurden und später die durchbrochene Struktur abbilden. Obwohl jede Öffnung unterschiedlich ausgeprägt war, ließen sich viele Aussparungskästen mehrmals einsetzen, denn alle Aussparungen haben gleiche Abschrägungsradien. Dieser Fakt sowie die Vormontage der Sonderformen und die Verwendung flexibler Keile für die unterschiedlichen Öffnungsgrößen ermöglichen auch bei derart aufwändiger Architektur noch ein gewisses Maß an Wirtschaftlichkeit. 

In good shape
Gefräste Formhölzer und gebogene Schalhaut sollen bei Doka der Vergangenheit angehören. Auf der bauma 2013 stellten die Amstettner die Lösung DokaShape vor. „Mit dieser dreidimensionale Formschalung definieren wir die Grenzen des ‚Schalbaren‘ neu“, erklärte damals Österreich-Geschäftsführer Walter Schneeweiss stolz. Auch doppelt gekrümmte Oberflächen sollen damit problemlos realisiert werden können. In der Praxis funktioniert die neue Lösung wie folgt: Komplizierte Geometrien werden aus Kunststoff modelliert und vorgefertigt. Eine spezielle Trägerschalung umrahmt die Kunststoffform und hält diese während des Betoniervorgangs in Position. Detaillierte Kantenverläufe der Schalungselemente und akkurat ausgeführte Ankerstellen sorgen für gleichmäßig ausgebildete Stöße.

Eine spezielle Beschichtung der Schalung soll eine einheitliche Be­tonoberfläche gewährleisten. In Finnland kommt das neue System aktuell bei der Renovierung eines Schulgebäudes zum Einsatz, aber auch das österreichische Unternehmen Leyrer + Graf setzte beim Bau eines Labor- und Bürogebäudes für das Forschungszentrum IST Austria in Klosterneuburg auf DokaShape. Die Fertigungspläne für die Schalung der drei großen kegelförmigen Lichtkuppeln wurden mittels moderner 3-D-Planung erstellt, die Systemteile im Werk vormontiert und just in time auf die Baustelle geliefert. 

Vorarlberger-türkische Kooperation
„Vormontage, Just-in-time-Lieferung und vor allem langjähriges Know-how – so können auch Sonderschalungen wirtschaftlich sein“, bestätigt auch Stefan Durig, Geschäftsführer von RSB Formwork Technology. Das Vorarlberger Unternehmen hat sich seit Jahren auf Sonderschalungen, vorwiegend im Infrastrukturbereich, spezialisiert. „Wirtschaftlich ist, was exakt den Erfordernissen entspricht“, so Durig weiter. Erfordert werden besonders häufig kurze Lieferzeiten und Teams vor Ort auf der Baustelle. Um diese Leistung weltweit zu gewährleisten, haben sich die Fußacher Spezialisten nun mit ihrem türkischen Pendant CeKa zusammengetan. Das Unternehmen mit Sitz in Ankara fertigt seit 40 Jahren Spezialschalungen für den Tunnelbau. 

„Mit der Kooperation der beiden Unternehmen ergeben sich zahlreiche Vorteile für uns und unsere Kunden. Durch die Kapazitätssteigerung können die Lieferzeiten verkürzt werden. Außerdem ergibt sich für RSB eine zusätzlich, komplett ausgerüstete Produktionsstätte in Ankara mit diversen Spezialmaschinen zur Produktion von Schalungen und Komponenten“, freut sich Stefan Durig über die brandneue Kooperation. 

Nicht von der Stange
Maßgeschneiderte Lösungen nicht nur bei der Schalung selbst, sondern beim gesamten Konzept sind bei Großprojekten das A und O, ist Gerald Schönthaler, Geschäftsführer bei Harsco Infrastructure Austria überzeugt. Harsco übernahm beim Wiener Projekt „Citygate“ die komplette Planung und Materiallieferung für den Bereich Schalung. In der Spitze werden bei diesem Mammutprojekt bis zu 8.000 m² Topmax-Deckentische im Einsatz sein. Gerald Schönthaler ist überzeugt: „Es ist wichtig, den Kunden während der kompletten Bauphase zu beraten. Da werden auch kreative Vorschläge erwartet, die über einen Standardeinsatz hinausgehen. So haben wir beispielsweise für die Citygate-Baustelle einen Windscreen als Sonderkonstruktion entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse vor Ort abgestimmt ist. Er ermöglicht es, auch in größeren Höhen wind- und wettergeschützt zu arbeiten“, berichtet Schönthaler. Das sieht auch das bauausführende Unternehmen so: „Gerade die Summe aus wirtschaftlichen Standardlösungen und durchdachten Detaillösungen macht einen gelungenen Schalungseinsatz aus“, lobt Wolfgang Metzenbauer vom bauausführenden Unternehmen Voitl & Co die Technik.

 

Autor/in:
Sonja Meßner
Werbung
Werbung