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Ein Zentrum der Baustelle Hauptbahnhof Wien: Das kleine Bürohaus für die Argen Rohbau und Innenausbau besteht aus 72 Containern, daneben die Kantine mit Küche und die baustelleneneigene Betonmischanlage. Foto: RiedlerBau für den Bau: Links die Zufahrt zur Kraftwerksbaustelle Reißeck II, auf der mit 15 engen Kehren und mit einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent auch Schwersttransporte durchgeführt wurden. Rechts die Übersicht über das Baulager im Mühldorfer Graben. Foto: RiedlerZweckmäßig nüchtern: die Lagerhalle und Werkstatt eines Haustechnikunternehmens auf der Baustelle Hauptbahnhof Wien. Foto: RiedlerEigens ausgebautes Mobilfunknetz: Selbst tief unter der Erde in der Kaverne des Pumpspeicherkraftwerks gibt es besten Empfang fürs Handy. Foto: VerbundBau für den Bau: Links die Zufahrt zur Kraftwerksbaustelle Reißeck II, auf der mit 15 engen Kehren und mit einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent auch Schwersttransporte durchgeführt wurden. Rechts die Übersicht über das Baulager im Mühldorfer Graben. Foto: RiedlerEin Zentrum der Baustelle Hauptbahnhof Wien: Das kleine Bürohaus für die Argen Rohbau und Innenausbau besteht aus 72 Containern, daneben die Kantine mit Küche und die baustelleneneigene Betonmischanlage. Foto: RiedlerBau für den Bau: Links die Zufahrt zur Kraftwerksbaustelle Reißeck II, auf der mit 15 engen Kehren und mit einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent auch Schwersttransporte durchgeführt wurden. Rechts die Übersicht über das Baulager im Mühldorfer Graben. Foto: RiedlerZweckmäßig nüchtern: die Lagerhalle und Werkstatt eines Haustechnikunternehmens auf der Baustelle Hauptbahnhof Wien. Foto: RiedlerEigens ausgebautes Mobilfunknetz: Selbst tief unter der Erde in der Kaverne des Pumpspeicherkraftwerks gibt es besten Empfang fürs Handy. Foto: VerbundBau für den Bau: Links die Zufahrt zur Kraftwerksbaustelle Reißeck II, auf der mit 15 engen Kehren und mit einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent auch Schwersttransporte durchgeführt wurden. Rechts die Übersicht über das Baulager im Mühldorfer Graben. Foto: Riedler

Heliport inklusive

04.11.2013

Außergewöhnliche Baustellen stellen außergewöhnliche Ansprüche an die Infrastruktur.Neben Kantinen sowie eigenen Strom- und Mobilfunknetzen sind manche Baustellen sogar mit Hubschrauberlandeplätzen ausgestattet.

Abenteuer im Hochgebirge: Einen kleinen Hauch davon bietet bereits die Zufahrt zur Kraftwerksbaustelle Reißeck II. Mehr als 15 enge Kehren und mit einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent windet sich die einspurige Straße von der Mölltalbundesstraße hinauf in das Baulager auf 1.500 Meter Seehöhe. An den klaren Herbsttagen der vergangenen Woche bot sich von hier ein herrlicher Blick auf die Kärntner Bergwelt. Fast ebenso beeindruckend wie dieses Alpenpanorama präsentiert sich allerdings die Hochgebirgsbaustelle selbst. 

Im zentralen Baulager wurden beispielweise Unterkünfte für bis zu 300 Personen geschaffen. Die durchaus ansprechenden Zweibettzimmer befinden sich nicht in baustellenüblichen Containern: „Wir haben Häuser in Holzriegelbauweise auf Betonfundamenten mit Dämmung und elektrischer Beheizung aufgestellt, das ist die beste Lösung für diese Höhen­lage und die hier herrschenden Witterungsverhältnisse“, erläutert Andreas Hager von der Arge Reißeck. Die Büros der Arge sowie der Verbund Hydro Power sind in klassischen zweistöckigen Baustellencontainern untergebracht. Darüber hinaus gibt es noch eine Kantine mit Großküche, die bei Bedarf bis zu 700 Personen täglich verköstigen kann.

Eigene Netze

Außergewöhnlich ist an dieser Baustelle auf dem Berg aber noch einiges. So existiert ein eigenes Stromnetz, das über eine Leitung aus der Hauptstufe des Malta-Kraftwerks versorgt wird. Für die Wasserversorgung wurde ebenfalls ein eigenes Leitungsnetz errichtet. Das Nass zum Trinken, Duschen und für die Sanitärräume stammt aus einer rund 500 Meter entfernten Quelle. Für die Abwässer des Camps wurde eine biologische Kläranlage gebaut. 

Kleine Überraschung: Telefonieren mit dem Handy funktioniert trotz der exponierten Lage im Gebirge nicht nur im gesamten Baustellenbereich perfekt. Selbst in der Kaverne tief im Felsen gibt es sehr guten Empfang. Markus Larcher von Verbund Hydro Power erklärt den Grund: „Wir haben von A1 auf unsere Kosten ein Baustellennetz mit zusätzlichen Sende­anlagen aufbauen lassen. Das Netz ist Teil der Rettungskette.“ Sollte die Mobilfunktechnik aus welchen Gründen auch immer ausfallen, stehen leistungsfähige Funkgeräte zur Verfügung. Der dritte Verbindungsweg sind Telefonkabel, die von mehreren Baustellenbereichen zu der ständig besetzten Warte in der Malta-Hauptstufe gelegt wurden. Vom Hauptbaulager führt außerdem eine Lichtwellenleiter ins Tal, über den der gesamte Datenverkehr läuft.

Werkstätte auf dem Berg

Die Errichtung der Infrastruktur für die Baustelle dauerte rund sechs Monate. Dabei wurden auch viele auf den ersten Blick nicht ins Auge fallende Einrichtungen geschaffen wie etwa kilometerweite Steinschlagschutznetze und Lawinenverbauten, mehrere Hubschrauberlandeplätze oder ein besonders gesichertes Sprengmittellager. Unübersehbar sind Einrichtungen wie die Werkstätte. Sie befindet sich in einer großen, beheizten Stahlhalle. Hier reparieren und warten rund zwanzig Mitarbieter Bohrwägen, Radlader, Muldenkipper oder Schwerachs-Lkws. Stolz ist man auch auf die Baustellenmischanlage. 180.000 Kubikmeter Beton werden hier bis zur Beendigung der Bauarbeiten im kommenden Jahr produziert. 

Keine hohen Berge, kein raues Klima und auch kein eigenes Mobilfunknetz gibt es auf der Großbaustelle des neuen Hauptbahnhofs am Wiener Gürtel. Aber Hubschrauberlandeplatz und Betonmischanlage finden sich hier ebenfalls. Und auch sonst zeichnet sich die Anlage durch etliche Besonderheiten aus. Manches resultiert allein aus der Größe des Projekts: „Der gesamte Baustellenbereich von der Gudrunstraße bis zum Matzleinsdorfer Platz ist mit mehreren Kilometern Gitterzäunen abgeschrankt“, erzählt Stefan Riedler von Tecton Consult. Gemeinsam mit den Ingenieurbüros Metz und Partner sowie FCP ist Tecton Consult mit der örtlichen Bauaufsicht bei beauftragt, daher kennt Riedler die städtische Großbaustelle in allen Details.

Fast 400 Container

Beeindruckend ist beispielsweise die Zahl der Container, erzählt er. Zwischen 350 und 400 Stück finden sich auf dem Baugelände und das in allen Variationen – als Baubüros, Mannschafts- oder Lagercontainer. In der größten Anlage sind die Baubüros der Argen Rohbau und Innenausbau untergebracht: Neun mal vier Doppelcontainer in zweigeschoßiger Ausführung mit einem Gang in der Mitte, also insgesamt 72 Container, wurden zu einem kleinen Bürohaus zusammengebaut. Daneben befindet sich die Kantine mit Küche, eine Stahlhalle mit Blechverkleidung, in der 200 Personen Platz haben. 

Nicht weit entfernt von Baubüro und Kantine steht die Mischanlage. Sie beliefert alle Baufirmen, die im Auftrag der ÖBB hier tätig sind: „Die eigene Mischanlage bietet mehr Flexibilität“, erläutert Stefan Riedler. Mit einer Stundenleistung von 80 Kubikmetern Beton reicht ihre Kapazität nicht für alle Projekte aus, sagt er: „Bei sehr großen Bauteilen, etwa zwei Meter dicken Bodenplatten, wo 2.000 Kubikmeter Beton verbaut werden, wird zusätzlich von externen Werken zugeliefert.“ Während der gesamten Bauzeit wird die Anlage rund 225.000 Kubikmeter Beton produzieren – deutlich mehr als jene in Reißeck II. 

Aufgrund der Größe der Baustelle und den vielen Möglichkeiten, den Baubereich zu betreten, hat man beim Hauptbahnhof auf eine direkte Zugangskontrolle verzichtet. Allerdings sind Auftragnehmer vertraglich verpflichtet, jeden Beschäftigten mit einem Baustellenausweis auszustatten. „Die Ausweise werden bei Bedarf durch Mitarbeiter der ÖBB oder der örtlichen Bauaufsicht kontrolliert“, berichtet Stefan Riedler. Während der Nachtstunden befindet sich ein Wachdienst auf der Baustelle.

Erdung für Krane

Da während der Bauarbeiten ein Teil des Bahnhofs in Betrieb bleibt und Züge verkehren, wurden zusätzliche spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Bei allen in der Nähe der Gleisanlagen eingesetzten Kranen etwa hat man elektronische Laufkatzenbeschränkungen eingesetzt, um den Schwenkbereich so einzuengen, dass ein Kontakt mit den Hochspannungsleitungen zuverlässig verhindert wird. Außerdem wurden Krane, aber auch Betonpumpen mit einem Kupferkabel zu den Schienen hin geerdet, erläutert Riedler: „Dazu hat man mehrere fixe Erdungsanschlüsse im Bahnhofsbereich errichtet.“ 

Zwei Reifenwaschanlagen, um die Verschmutzung der angrenzenden Straßen zu vermeiden, sowie eine eigene Müllinsel, die von der Arge Innenausbau betrieben wird und über die Abfälle nach Stoffen sortiert und entsorgt werden, sind weitere Besonderheiten der Großbaustelle Hauptbahnhof. Um effizient arbeiten zu können, nützt man sogar bereits fertiggestellte Bauten: Der große Ladehof des Hauptbahnhofs, über den künftig die Restaurants und Geschäfte des Verkehrsbauwerks versorgt werden, dient heute zur Materialanlieferung für die Baustelle. Ein eigener Ladehofkoordinator stimmt die Zufahrtstermine der einzelnen Gewerke ab und sorgt dafür, dass es zu keinem Verkehrstau kommt.

Autobahnbaustelle

Das Vermeiden von Verkehrsstau ist bei einer anderen Baustelle ein noch wesentlicheres Thema: bei der Sanierung des 17 Kilometer langen Abschnitt der A2 Süd-Autobahn zwischen Leobersdorf und Wiener Neustadt. Die Terrag-Asdag wurde mit diesem Projekt beauftragt, das aufgrund des aufgesplitterten Baubereichs wiederum ganz andere Anforderungen an die Baustellenausstattung stellte als Reißeck II und Hauptbahnhof. Das zentrale Baubüro befindet sich in der Nähe von Bad Fischau.

Dort wurden zehn Doppelcontainer zweistöckig aufgebaut. In ihnen befinden sich Büros, Besprechungszimmer, Küche, Duschanlagen, Mannschafts-, Sanitär- und Ruheräume. Wasser und Strom werden über Anschlüsse in einem kleinen, auf dem Areal befindlichen Gebäude bezogen. Nicht ganz so einfach lassen sich die Brückenbaustellen mit Strom und Wasser versorgen. „Je nach lokaler Situation und Bauzeit verwenden wir entweder einen fixen Stromanschluss oder ein Notstromaggregat“, berichtet Thomas Sprinzl, Projektleiter der Terrag-Asdag für diesen Bauabschnitt. Der fixe Stromanschluss wurde bei sieben Brücken realisiert. Bei 15 Brücken mussten Notstromaggregate eingesetzt werden. Ähnlich ging die Terrag-Asdag bei der Wasserversorgung vor. Für sechs Brücken wurden Wasseranschlüsse gebaut, wobei die weiteste Entfernung zum Hydranten rund 400 Meter betrug. Bei den Arbeiten an der Autobahn selbst werden Notstromaggregate und Tankwagen eingesetzt.

LED-Scheinwerfer

Für die Beleuchtung der verschiedenen Baustellen nutzt man LED-Scheinwerfer, da sie wesentlich weniger Energie verbrauchen als die klassischen Halogenleuchten und überdies sehr robust sind: „Fällt ein Halogenscheinwerfer um, ist meist das Leuchtmittel kaputt, und es dauert eine Viertel- oder eine halbe Stunde, bis der Scheinwerfer repariert ist und weitergearbeitet werden kann. Fällt ein LED-Scheinwerfer um, passiert nichts“, erzählt Thomas Sprinzl. Mit LED-Leuchten werden auch die Mittelstreifenüberfahrten auf der Autobahn ausgeleuchtet. Sieben große Beleuchtungsmasten hat die Terrag-Asdag dazu angeschafft. Einen eigenen Landeplatz für Rettungshubschrauber gibt es bei dieser Baustelle nicht – für eventuelle Heli-Einsätze stehen hier schließlich 17 Kilometer Autobahn zur Verfügung. 


Reißeck II

Das 385-Millionen-Euro-Projekt von Verbund, Kelag und Energie AG Ober­österreich geht in die Endphase. Baustart war 2010, im kommenden Jahr soll das Pumpspeicherkraftwerk in Betrieb gehen. Neben der großen Kraftwerkskaverne mit einer Höhe von 39 Metern wurde innerhalb von zwei Jahren ein weitläufiges Stol-lensystem mit einer Gesamtlänge von knapp neun Kilometern in den Berg gesprengt.


Hauptbahnhof Wien

Auf einer Fläche von rund 50 Hektar wird eine komplett neue Bahninfrastruktur errichtet. Das Milliardenprojekt umfasst neben dem Bahnhof selbst rund 100 Kilometer Gleisan­lagen sowie acht Kilometer Lärmschutzwände. Baubeginn war 2010, im Dezember 2015 soll der Hauptbahnhof eröffnet werden, im Dezember 2015 geht das gesamte Gleisverkehrsprojekt in Vollbetrieb.  


A2 Süd-Autobahn 

22 Millionen Euro investiert die Asfinag in die Erneuerung des 17 Kilometer langen Abschnittes der A2 Süd-Autobahn zwischen Leobersdorf und Wiener Neustadt. Bis 2015 werden dort rund 220.000 Quadratmeter Betondecke abgefräst, schadhafte Felder erneuert oder saniert. Auf der gesamten Fläche wird dann vier Zentimeter SMA (Splittmastix­asphalt) aufgetragen. Darüber hinaus werden 22 Brücken dieses Streckenabschnittes generalerneuert bzw. teilweise instand gesetzt.  

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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