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Hybrid ist der Weg in die Zukunft

10.05.2013

Erich Kribs ist Volvos Product Manager für Radlader und in dieser Funktion auch in die langfristige ­Maschinenentwicklung des skandinavischen Konzerns involviert. Auf der Bauma 2013 sprach Kribs mit ­Wolfgang Pozsogar über die völlig neue Radladertechnologie, die sein Unternehmen für Bauma 2016 plant.

Erich Kribs, Volvos Product Manager für Rad­lader: „Unser Hybridradlader wird eine diesel­elektrische Maschine sein.“

Österreichische Bauzeitung: Volvo hat bereits 2008 in Las Vegas den Prototyp eines Hybridradladers vorgestellt. Aber dabei blieb es. Ist die Hybrid-Idee für Volvo gestorben?

Erich Kribs: Ganz im Gegenteil. Hybrid ist der Weg, den wir und den auch alle anderen in der Baumaschinenindustrie gehen werden. Wir arbeiten bereits sehr intensiv auf diesem Gebiet, und wir werden auf der nächsten Bauma einen fertigen Hybridradlader präsentieren, der spätestens im darauffolgenden Jahr, also 2017, auf den Markt kommen wird. 

Diesmal wird es nicht bei der Ankündigung bleiben?

Wir haben in unserem Konzern Hybridlösungen sowohl bei Bussen als auch bei Lkws verwirklicht. Diese Fahrzeuge sind am Markt, damit haben wir bereits bewiesen, dass wir diese Technik beherrschen. Das ist ein Riesenvorteil für uns, den der Wettbewerb nicht hat. Aber im Baumaschinenbereich sind für eine wirklich effiziente Hybridlösung noch eine Reihe von Fragen zu klären. Dabei widmen wir uns intensiven Forschungen, richtig leistungsstarke Energiespeichermodule zu entwickeln. Eine von mehreren wichtigen offenen Fragen ist beispielsweise, mit welcher Stromspannung wir fahren werden.

Wir reden derzeit von weit mehr als 1.000 Volt, denn in diesem Bereich wären Speichermodule am effizientesten. Aber dann ergäben sich wieder neue Herausforderungen für das Service im Bereich Sicherheit, die es bei einer Spannung von unter 1.000 Volt nicht gibt. Es müssen also noch einige Aufgaben gelöst werden – aber das Konzept steht. 

Und wie wird dieses Konzept im Detail aussehen?
Unser Hybridradlader wird eine dieselelektrische Maschine sein. Wir werden einen wesentlich kleineren Dieselmotor haben, der ausschließlich dazu dient, einen Generator anzutreiben. Dieser liefert ergänzend zum Stromspeicher elektrische Energie für vier Radnabenmotoren und für eine elektrische Pumpe für die Hydraulik. Die Kapazität des Stromspeichers selbst wird für vier Stunden reichen. Er wird während der Mittagspause und der Nachtstunden vom Stromnetz geladen und zusätzlich durch Energierückgewinnung beim Bremsen. Kommt die Energie aus dem Stromspeicher, steht der Dieselmotor still. Der neue Hybridradlader wird also nur mehr minimale Emissionen ausstoßen und wesentlich weniger Diesel verbrauchen als heutige Radlader.

Warum dieses Konzept, das ja so neu nicht ist?
Richtig, die Grundidee ist nicht neu. Schon Ferdinand Porsche hat im Jahr 1900 ein Auto mit Radnabenmotor vorgestellt. Etliche Baumaschinen arbeiten bereits seit Jahrzehnten nach dem dieselelektrischen Prinzip. Und dieses Konzept ist der Weg in die Zukunft. Denn mit der heutigen Technik verlieren wir trotz aller Optimierung sehr viel Energie. 60 Prozent der eingesetzten Energie gehen beim Benzin- oder Dieselmotor in Form von Wärme verloren. Das ist eine physikalische Tatsache. Nach dem Motor kommt der gesamte Antriebsstrang, der Wandler, das Getriebe, bis zu den Achsen, überall geht Energie verloren. Selbst wenn ich eine sehr gute Maschine baue, wie wir das tun, werden letztlich nur 40 Prozent der vom Motor abgegeben Energie effektiv genützt.

Beim dieselelektrischen Betrieb ist das anders. Die elektrische Energie wird ohne Verluste dort hingebracht und dort eingesetzt, wo wir sie benötigen – an den Rädern. Und zwar entsprechend den dort herrschenden Zugmomenten bzw. Belastungsmomenten, die sich relativ einfach messen lassen. Wenn etwa ein Rad im Matsch steht, wird es nicht durchdrehen. Die Elektronik registriert das Durchdrehen sofort und verteilt die elektrische Energie entsprechend der jeweils benötigten Kraft optimal auf die vier Radnabenmotoren. Ähnlich funktioniert das mit der Hydraulik. Fährt der Radlader, wird die komplette Energie für den Antrieb der Räder eingesetzt. Wird das Hubgerüst gehoben, die Schaufel gekippt, wird elektronisch gesteuert die Hydraulikpumpe mit notwendiger Leistung betrieben. Das alles lässt sich elektronisch sehr einfach und präzis regeln und steuern. Deshalb ist dieses Prinzip jetzt aktueller denn je.

Wir sind gespannt auf 2016.

Danke für das Gespräch.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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