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Im Untergrund aktiv

20.09.2013

Unter den meisten ­europäischen Städten erstrecken sich zum Teil ­jahrhundertealte Kanalnetze, und dennoch leisten sie gute Dienste. Doch wenn es nicht mehr flutscht, kann es teuer werden. 

Nach der Fertigstellung: der Neuzustand sanierter Mischwassersammler.
Blick in den alten Betonkanal auf einen bereits durch die Firma Aarsleff sanierten Abschnitt.

Die Sanierungsbedürftigkeit von Altkanälen stellt für jede Gemeinde und die zuständigen Abwasserbetriebe eine große Herausforderung dar. Viele der Kanäle wurden noch gemauert oder bestehen oft aus Steinzeug, Beton oder Stahlbeton. Doch auch der beste Kanal zeigt im Laufe seiner Nutzung Materialermüdungen und beginnt, durchlässig zu werden. Hohe Instandhaltungskosten sind die Folge. Außerdem stellen Undichtheiten von Abwasserkanälen eine Gefahr für die Umwelt dar, denn austretende Stoffe können Erdreich und Grundwasser verunreinigen. Wenn nicht rechtzeitig saniert wird, steigen die Betriebskosten der Kläranlagen durch die zusätzliche Belastung von eindringendem Fremdwasser in die Kanalisation, zudem gefährden Bodenausspülungen und -senkungen umliegende Gebäude.

Im brandenburgischen Cottbus sorgt die Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG (LWG) für die sichere Entsorgung des Abwassers von 130.000 Anwohnern. Das Kanalnetz umfasst circa 900 Kilometer Leitungen, die das Abwasser zu acht Kläranlagen transportieren. Eine der wichtigsten Aufgaben der LWG ist die Instandhaltung dieses Netzwerks. 2013 musste man aufgrund von erheblichen bautechnischen Schäden durch Risse und Korrosion die Sanierung eines Betonmischwasserkanals aus dem 19. Jahrhundert in der Bautzener Straße vornehmen. Der Kanal dient der Hauptentwässerung für den südlichen Teil von Cottbus und führt durch ein dichtbesiedeltes und belebtes Gebiet.  Die Planung des Projekts mit einem Budget von circa 1,2 Millionen Euro übernahm das Ing.-Büro Lug GmbH, Cottbus. Mit der Sanierung wurde die Firma Aarsleff Rohrsanierung GmbH, Niederlassung Dresden (ehemals Insituform), beauftragt.

Betonsanierung ausgeschlossen

Nachdem die Sanierung mit bewehrtem Beton wegen der schlechten Substanz des Altkanals verworfen wurde, fiel die Wahl auf GFK-Rohre (glasfaserverstärkter Kunststoff) von Hobas, die man bereits seit den 1990er-Jahren mit sehr guten Erfahrungen in Cottbus einsetzt. Die LWG legte bei der Entscheidung besonderen Wert auf die Langlebigkeit von GFK u. a. wegen der hohen Korrosionsbeständigkeit. Auch die guten hydraulischen Eigenschaften von GFK spielten bei der Auswahl eine große Rolle, weil die Rohrleitung dadurch sehr wartungsarm ist und somit Kosten spart. 

Ein Ausbau des alten Kanals wäre wegen der mit starken Verkehrsbeeinträchtigungen verbundenen aufwändigeren Umsetzung sowie den daraus resultierenden höheren Kosten nicht infrage gekommen. Im Zuge der Beratungen zur bestmöglichen Umsetzung der Sanierung unterstützte Hobas das Projekt durch technische Betreuung. So entwarf man nach der Kalibrierung des Altkanals speziell für diese Baumaßnahme passgenaue Eiprofile, die dann später mittels Einzelrohrlining in den bestehenden Altkanal eingeschoben wurden. Bevor die Profile, die gemäß den Qualitätskriterien der süddeutschen Kommunen gefertigt wurden, zur Auslieferung kamen, wurden sie im Hobas-Werk geprüft und durch den Auftraggeber und das ausführende Unternehmen abgenommen.

Beengte Verhältnisse

Die Baubedingungen waren vergleichsweise schwierig, da es sich um eine schmale und vielbefahrene Straße handelt. Für die Profis von Aarsleff Rohrsanierung GmbH war dies kein Problem. Trotz beengter Verhältnisse musste die Straße während der gesamten Arbeiten nur einseitig gesperrt werden. Bei einer Neuverlegung im offenen Graben wäre eine Vollsperrung notwendig gewesen. Durch die eingeschränkten Lagermöglichkeiten vor Ort war man auf die gut koordinierte Just-in-time-Anlieferung durch Hobas angewiesen. 

Dadurch benötigte man weniger Lagerplatz und konnte die Beeinträchtigung von Verkehr, Umwelt und Anrainern verringern. Nach der Kalibrierung des Kanals wurden Rohrverlegepläne mit der genauen Reihenfolge der Installation der GFK-Profile erstellt. Diese unterstützten die Arbeiten vor Ort maßgeblich. Damit die neuen Profile im alten Kanal zunächst in die eine und dann in die andere Richtung eingezogen werden konnten, wurden zwei verhältnismäßig kleine Baugruben mit einer Größe von zwei mal 3,50 Meter errichtet. Diese nutze man als Zugang, um die neuen Profile herabzulassen und mithilfe eines Fahrwagens in den Kanal einzuschieben. Das relativ geringe Gewicht der GFK-Produkte erlaubte eine schnelle und leichte Verlegung. Insgesamt wurden 140 Meter des Altkanals mit GFK-Profilen der Maße 930 mm auf 1.510 mm und 660 Meter mit den Maßen 800 mm auf 1.330 mm erweitert und saniert. 

Dauerhaft dicht und wartungsarm

Trotz des strengen Winters stellten die schwierigen Witterungsbedingungen für die Experten von Aarsleff keine große Hürde für die Sanierung dar. Hobas-GFK-Profile können auch bei niedrigen Temperaturen problemlos verlegt werden. Anfallende Laminierarbeiten und die abschließende Ringraumverfüllung verliefen ebenfalls optimal. Im Zuge der Arbeiten wurden zudem in acht Schächten neue GFK-Bauwerke eingepasst, ohne dabei die alten Schächte entfernen zu müssen. Aufgrund der leichten Bearbeitbarkeit der Hobas-Produkte und durch die langjährige Erfahrung von Aarsleff bei der Realisierung solcher Projekte konnten notwendige Anpassungsmaßnahmen vor Ort schnell und professionell durchgeführt werden. 

Nach der Sanierung wird die statische Belastung des Altkanals nun komplett von den neueingebauten GFK-Bauteilen übernommen: eine Sanierung zum Neuzustand. Im Ergebnis ist der Kanal jetzt dauerhaft dicht, korrosionsbeständig, wartungsarm und langlebig. Die Abwässer der neusanierten Leitung fließen am Ende der Bautzener Straße in den bereits 2008 mit Hobas-GFK-Rohren sanierten Kanal in der Straße der Jugend. Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten die Bauarbeiten termingerecht und im vorgegebenen Kostenrahmen im April 2013 abgeschlossen werden.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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