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Mängel-Rüge für Bauprojekte

19.05.2016

Eine aktuelle Untersuchung deckt auf, dass rund 70 Prozent aller Bauprojekte zumindest einen Mangel aufweisen.

Pfusch am Bau ist nicht die Ausnahme, sondern mittlerweile die Regel. So dras­tisch kommentiert das Marktforschungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner (KFP) die Ergebnisse seiner jüngsten Branchenradar-Studie. Der subjektive Eindruck, dass im Bauhandwerk wenig exakt gearbeitet wird, sei laut KFP nun (wieder) empirisch bestätigt worden. Für die aktuelle Untersuchung wurden insgesamt 476 Bauvorhaben des Jahres 2015 (196 Neubau- und 280 Renovierungsprojekte) einem Qualitätscheck unterzogen. 
Das Ergebnis ist für die Baubranche kein Ruhmesblatt. In praktisch allen Neubauprojekten (99 Prozent!) musste vor und/oder nach Bauabnahme in zumindest einem Gewerk ein Mangel behoben werden. Bei Renovierungsprojekten musste bei mehr als zwei Drittel aller Bauvorhaben nachgebessert werden. Insgesamt wurde bei 70 Prozent aller untersuchten Bauprojekte zumindest ein Baumangel gefunden. „Von handwerklicher Ehre ist da nicht mehr viel übrig“, so ­Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von KFP. Das Schlimmste sei, dass der Anteil der Bauvorhaben mit Baumängeln noch weiter wachse. In einer Vergleichserhebung aus dem Jahr 2008 – in der Bauprojekte aus 2007 bewertet wurden – lag der Anteil der Projekte mit zumindest einem Baumangel noch bei 65 Prozent, war also um fünf Prozentpunkte geringer.

Under Pressure

Die Gründe für die mangelnde Bauqualität sind vielfältig: Zum einen sinken die Vorgabezeiten aufgrund des steigenden Preis- und Kostendrucks, ohne dass im Gegenzug der Maschineneinsatz oder die Vorfertigung im gleichen Ausmaß wachsen. Daher muss die Arbeit auf der Baustelle immer schneller erledigt werden. Zum anderen fehlt es immer öfter an qualifiziertem Personal. Besonders schlimm ist die Situation in Ostösterreich, allen voran in Wien. Während in der Bundeshauptstadt bei 83 Prozent (plus acht Prozentpunkte gegenüber 2008) aller Bauvorhaben Baumängel diagnostiziert wurden, waren es in Tirol und Vorarlberg „nur“ 62 Prozent (plus zwei Prozentpunkte gegenüber 2008). In Wien wurden 40 Prozent aller Baumängel als schwer klassifiziert, im Wes­ten waren es 26 Prozent. Die meisten Mängel wurden im Innenausbau (Trockenbau, Anstreicher, Fliesenleger u. ä.) identifiziert (47 %). Dahinter liegen bereits die Installateure (38 %) vor den Baumeistern (34 %). „Man stelle sich nur mal vor, man holt einen Neuwagen vom Händler ab und kann mit fast 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass zumindest drei Mängel reklamiert werden müssen“, zieht der Branchenexperte den Vergleich zum Konsumsektor. Immerhin: Der Metallbau scheint in dieser Statistik nicht als „Übeltäter“ auf.

Bei privaten Bauvorhaben erweist sich die Mängelanzeige oft als schwieriges Unterfangen, insbesondere bei leichten Baumängeln. Sehr rasch wird hier vom Professionisten das Argument vom unwesentlichen Mangel ins Treffen geführt. Da eine gerichtliche Auseinandersetzung in der Regel nicht ohne langwierige Sachverständigen-Gutachten vonstattengeht, scheuen viele Bauherren vor rechtlichen Schritten zurück. ­Dies werde vom Auftragnehmer manchmal auch bewusst einkalkuliert, so Kreutzer.

Die Bauwirtschaft argumentiert die hohe Quote an Baumängeln mit dem hohen Anteil handwerklicher Arbeit. Doch dieses Argument ist nicht schlüssig, denn Handarbeit steht gewöhnlich als Synonym für höchste Qualität. Nur am Bau versucht man damit, Unzulänglichkeiten zu erklären. „Wenn der vergleichsweise hohe Anteil an handwerklicher Arbeit die hohe Mängelquote erklärt, so ist dies ein Argument mehr, den Wohnbau so rasch wie möglich auf industrielle Fertigung umzustellen“, kritisiert Andreas Kreutzer. [red]

Autor/in:
Redaktion Metall
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