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Foto: ThinkstockModerner Schulungsraum mit Anschauungsmaterial: das C3-Atelier powered bei Holcim.  Foto: HolcimEnergiesparendes Bauen in OÖ: Die Brüder Thomas, Johannes und F. Josef Eder gestalten umfassende Seminarreihen (v. l.). Foto: Eder

Man lernt nie aus

15.03.2013

Stetig wachsende Anforderungen im Baustoffbereich stellen nicht nur Hersteller, sondern auch Planer und Verarbeiter vor neue Herausforderungen. Kontinuierliche Weiterbildung heißt deshalb die Devise.

Wer kennt sie nicht: die große Erleichterung am letzten Schultag, nach der Lehrabschlussprüfung oder bei der Zeugnisübergabe. Nicht wenigen geht dabei Falcos „Nie mehr Schule“ durch den Kopf. Doch diese Zeiten sind vorbei. Längst kann man sich nicht mehr auf dem vor Jahren erworbenen Wissensstand ausruhen. Denn die fälschlicherweise immer noch als konservativ verschriene Baubranche legt beim Thema Forschung und Entwicklung schon seit Jahren ein neues Tempo vor.

Gesetzliche Rahmenbedingungen, EU-weite Klimaziele, aber auch immer spektakulärere architektonische Entwürfe zwingen Hersteller und Verarbeiter, umzudenken und an neuen Baustoffen und Anwendungsverfahren zu arbeiten. Für Mitarbeiter von Bauunternehmen bedeutet das in den meisten Fällen: zurück auf die Schulbank oder zumindest ins Weiterbildungsseminar. 

Das Schulungs- und Weiterbildungsangebot in Österreich ist groß, das Interesse der potenziellen Teilnehmer allerdings noch nicht – zumindest wenn man einer aktuellen Umfrage des Imas-Instituts im Auftrag der Online-Jobplattform monster.at glauben darf. In Österreich habe jeder zweite unselbstständig Erwerbstätige in den vergangenen zwei Jahren an keiner beruflichen Weiterbildung am Arbeitsplatz oder außerhalb des Unternehmens teilgenommen. Zwei Fünftel der Befragten hat kein Interesse an Weiterbildung.

Hohes Know-how dank Schulungen

Neben dem umfrangreichen Aus- und Weiterbildungsangebot der BauAkademien sprießen in den vergangenen Jahren immer mehr Schulungsanbieter aus dem Boden. Der Bedarf in der Baubranche ist offensichtlich gegeben. Der Weiterbildungswille sei auf alle Fälle vorhanden, so Marco Haberhauer, Leiter des C3-Ateliers powered bei Holcim: „Das Interesse an Weiterbildung ist hoch, dennoch wird das Thema noch immer unterschätzt.“ Seit Beginn 2011 bietet das C3-Atelier ein umfangreiches Seminarprogramm im Bereich Zement und Beton an. Neben grund­legenden Weiterbildungen wie Betontechnologie und Fahrerschulungen werden auch Themenbereiche wie  nachhaltiges Bauen und Sichtbeton aufgegriffen.

Initiiert von Holcim, wirken mittlerweile zahlreiche Partnerunternehmen an diesem Projekt aktiv mit. So zählen neben Holcim-Experten auch Thomas Schönbichler (Cooperative Leichtbeton), Harald Gerdenitsch (Cemex) und Gernot Tritthart (Lafarge) zu den Vortragenden. Auch Lafarge selbst bietet an den Standorten Mannersdorf und Retznei ein umfangreiches Schulungsprogramm in Sachen Betontechnologie. 

„Das Know-how in der Betonindustrie ist gut, jedoch sind Schulungen immer notwendig. Sei es eine neue Betonsorte oder neue Systeme und Einbaukriterien – Weiterbildung sichert den aktuellen Wissensstand. Auch Bauherren sollten interessiert an der regelmäßigen Schulung ihrer Verarbeiter sein“, betont Marco Haberhauer.

Aber nicht nur die Hersteller, auch die zahlreichen Verbände der Beton- und Zementindustrie setzen schwerpunktmäßig auf Weiterbildung. „Die Branche entwickelt sich ständig weiter. Uns ist auch wichtig, dass neue Konzepte möglichst rasch von der breiten Masse der Fachleute angewandt werden können, und dafür braucht es höchste Anstrengungen zu einer hochwertigen Weiterbildung aller Mitarbeiter am Bau“, erklärt Peter Neuhofer, Geschäftsführer Lieferbeton GmbH. „Aus diesem Grund hat der Güteverband Transportbeton 2005 gemeinsam mit der Österreichischen Bautechnik Vereinigung die Betonakademie gegründet, wo inzwischen mehr als 30 verschiedene Seminartypen österreichweit angeboten werden. 

Neue Weiterbildungsformen

Klassische Weiterbildungsformen wie Seminare und Schulungen sind jedoch nicht nur kosten-, sondern auch zeitintensiv. Gerade Klein- und mittelständische Unternehmen müssen aufgrund dieser Faktoren nicht zu selten auf Weiterbildungsangebote für ihre Mitarbeiter verzichten. Mit dieser Problematik hat sich der Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke auseinandergesetzt. „Gerade auch die kleinen Unternehmen im breiten Kreis der Verwender unserer Produkte sollen über uns ihren Schulungs- und Weiterbildungsbedarf decken können“, sagt Bernd Wolschner, Präsident des VÖB.

„Deshalb setzen wir seit Jahren auf E-Learning und haben dafür auch ein eigenes Tool entwickelt.“ Da bei den Online-Schulungen des VÖB auf www.betonwissen.at Abschlusszertifikate erworben werden können, profitieren auch Arbeitnehmer von der Möglichkeit, sich laufend zusätzlich zu qualifizieren. 

Zukunftsthema Bauteilaktivierung

„Nachhaltiges Bauen mit Beton“ steht bei den meisten Weiterbildungsprogrammen der Branche an erster Stelle. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Thema „Heizen und Kühlen mit Beton“ gelegt. Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie hat sich zur Aufgabe gemacht, den Wissensstand hinsichtlich Bauteilaktivierung bei Lehrlingen und Verarbeitern zu erhöhen. Eigens dafür erstellte Lehr- und Lernunterlagen sollen die Ausbilder der BauAkademien in dieser Hinsicht unterstützen. Auch Weiterbildungsseminare für Erwachsene sind ge­plant. „Wir sind im Kontakt mit den BauAkademien, haben aber mit unseren Unterlagen aber noch keinen Platz im Lehrplan fixiert“, so Frank Huber, Geschäftsführer Zement + Beton. Das Thema Bauteilaktivierung sei jedoch künftig nicht mehr wegzudenken, deshalb müssten Verarbeiter und Nachwuchs dringend in diesem Bereich geschult werden.

Modernes Bauen mit Ziegeln

Über mangelndes Interesse an Weiterbildung können sich auch die Ziegelhersteller nicht beklagen. Das oberösterreichische Unternehmen Eder sprang im vergangenen Jahr auf den Weiterbildungszug auf und nutzte die Winterflaute, um eine umfangreiche Seminarreihe auf die Beine zu stellen. Das Thema der zweiten Veranstaltungsserie – wie könnte es anders sein –: „Energiesparendes modernes Bauen“. Anerkannte Baukapazunder wie der Energieexperte Johannes Stockinger, der Obmann des ÖAP Christian Lautner oder der Leiter vom Bezirksbauamt Wels Wolfgang Hüthmair informierten neben den Geschäftsführern über relevante Themen wie den Energieausweis, Gebäudeoptimierung, Bauschadensvermeidung und das oberösterreichische Baurecht.

Insgesamt 200 Baumeister und Planer, um 40 Prozent mehr als bei der erstmaligen Durchführung 2012, nahmen an der Seminarreihe teil. „Aufgrund des klar erkennbaren Trends zum monolithischen Mauerwerk planen wir auch nächste Saison wieder ein Expertenforum zu aktuellen Themen rund ums Bauen zu gestalten. Es ist uns ein besonderes Anliegen, unseren Kunden durch speziell auf den Eigenheimbau zugeschnittene Seminarschwerpunkte einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen“, begründet Thomas Eder das Engagement der Firma Eder.

Wissensvorsprung

Der bereits erwähnte Energieexperte Peter Stockreiter, Geschäftsführer der Initiative Sonnenhaus Österreich, ist aber auch mit einem eigenen Seminarprogramm in Österreich unterwegs. Mithilfe von Kompetenzpartnern bietet Stockreiter am Wifi und an einigen BauAkademien Schulungen für Baufachleute wie Installateure, Baumeister, Planer und Architekten zum Thema Sonnenhaus an. „Wer in 20 Jahren noch Häuser bauen will, muss für neue ökologische Konzepte offen sein“, erklärt Stockreiter. 
Auch der Verband österreichischer Ziegelwerke veranstaltet in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit der TU Wien das Bauphysik-Seminar. Dabei werden neben aktuellen OIB-Richtlinien und dem Thema Energieausweis auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bauformen – angefangen vom Niedrigenergiehaus und Passivhaus über das Sonnenhaus bis zum Plusener­giehaus etc. – behandelt und diskutiert. Am 5. und 6. März nahmen wieder 26 Teilnehmer die Möglichkeit wahr, sich auf diesen Gebieten einen Wissensvorsprung anzueignen. 

Ziegelprofis

In die Tiefe der Verarbeitung geht es bei den Ziegelprofi-Seminaren des Herstellers Wienerberger. „Uns ist es wichtig, dass die Verarbeiter mit unseren Produkten optimal umgehen können, deshalb bieten wir Schulungen“, erklärte Christian Weinhapl im Rahmen der Messe Bauen & Energie. Eines dieser Seminar fand Ende Jänner in der BauAkademie Steiermark statt. Teilnehmer Manuel Berger äußert sich dazu positiv: „Es gibt sehr viele Änderungen und Neuerungen, und Wienerberger ist ein trendiges Unternehmen, das viele Informationen liefert.“ Neben Ratschlägen zur Verarbeitung erhielten die Teilnehmer im Anschluss auch ein Zertifikat über den fachgerechten Umgang mit dem Wienerberger-Dryfix-System.
Um in der Baubranche up to date zu bleiben, empfiehlt es sich also, das umfangreiche Weiterbildungsangebot wahrzunehmen und damit seine Chancen gegenüber dem Mitbewerb signifikant zu erhöhen. 


Smarte Denkwerkstatt

Mit der Gründung der Smart Minerals GmbH, als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, ist der Baufakultät der TU Wien und der Österreichischen Zementindustrie mit der Entwicklung von Lösungsansätzen für Problemstellungen wie etwa Klimaschutz und Wohnbau ein Meilenstein für künftige Innovationen im Bauwesen gelungen. Dabei stehen anwendungsorientierte Forschung, Produktentwicklung, Prüfung und Beratung im Bereich mineralischer Baustoffe, Bauteile und Bauweisen sowie die Ausbildung auf der Agenda. 

„Grundlagenforschung soll auch der Praxis nutzen und nicht nur für die Theorie erfolgen“, erklärt Rudolf Zrost, Vorsitzender der Österreichischen Zementindustrie. Mit Smart Minerals werden wir notwendige Entwicklungen rascher vorantreiben können, zeigt sich Zrost sicher. 

Die Kooperation von Hochschule und Privatwirtschaft soll Studierenden künftig auch den Einstieg ins Arbeits­leben erleichtern. Zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt wird auch das Knüpfen von Kontakten forciert. Praktische Erfahrung, gekoppelt mit wissenschaftlicher Ausbildung, ist immer öfter eine wichtige Voraussetzung für die Einstellung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Qualifikation der Studierenden orientiert sich so stärker am Arbeitsmarkt. Für Unternehmen hingegen ist die Kooperation mit der TU Wien eine gute Möglichkeit, junge Talente früh zu binden. „Wenn Studierende mit einem breiten Wissensprofil in die Firmen kommen, ist das ein großes Plus“, sagt Rudolf Zrost. 

Als Geschäftsführung und Leiter der Smart Minerals GmbH mit 21 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fungieren Susanne Gmainer und Stefan Krispel. In zwei Jahren ist die Übersiedlung in das bis dahin fertiggestellte Science Center der TU Wien geplant. Die Smart Minerals GmbH wurde bereits kürzlich als staatlich anerkannte Prüfanstalt akkreditiert.

Autor/in:
Sonja Meßner
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