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Nachweislich ökologisch

03.03.2014

Vom Produktzertifikat zum Gebäudezertifikat. Wie Umweltprodukt­deklarationen das Produktmarketing unterstützen sollen.

Die Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) Nr. 305/ 2011) schreibt die „nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ vor und verlangt dafür einen entsprechenden Nachweis. Es kommt zu einer verstärkten Planer­verantwortung bezüglich der Einhaltung dieser Vorschriften und ihres Nachweises. Daher sind Gebäudezertifikate zunehmend ein Thema am Immobiliensektor. Die Gesamtbewertung in Form von Green-Building-Labels erfasst den gesamten Lebenszyklus des bilanzierten Gebäudes. Bauprodukte sind hierbei ein wichtiger Teil­aspekt, denn ihre Produktdaten sind Basis für die Beurteilung der ökologischen Qualität eines Gebäudes. Zur Gebäudezertifizierung wird eine Fülle von Informationen über die verwendeten Bauprodukte benötigt.

Eine Möglichkeit, die Umweltwirkungen eines Bauprodukts nachzuweisen, stellt die Umweltdeklaration, kurz EPD (Environmental Product Declaration), dar. EPDs beschränken sich darauf, Umwelteigenschaften offenzulegen, sie nehmen keine Bewertung der Ergebnisse oder gar Auszeichnung der Produkte vor. 

Lifecycle-Ökologie
Als wesentliches Element beinhaltet die Umweltdeklaration eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA). Gemäß EN 15804 müssen solche Ökobilanzen insgesamt 24 Indikatoren ausweisen, zum Beispiel das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) oder der Verbrauch von Süßwasserressourcen. Alle maß­geblichen Umweltaspekte in der deklarierten Lebensphase des Bauprodukts müssen berücksichtigt werden. Die Bilanzierung eines Bauprodukts wird nach den Lebenszyklusphasen eines Gebäudes aufgeschlüsselt.

A1–A3    Herstellungsphase des Bauprodukts
A4–A5    Errichtungsphase des Gebäudes
B1–B7    Nutzungsphase inkl. Instandhaltung des Gebäudes
C1–C4    Abbruch- und Entsorgungsphase des Gebäudes

In einer EPD ist die Herstellungsphase (A1–A3) verbindlich und vollständig zu deklarieren. Zusätzliche umweltrelevante Angaben können laut ÖNorm EN ISO 14025 quantitativ oder qualitativ sein. Außerdem sind Angaben zu den technisch-funktionalen Eigenschaften des Bauprodukts erforderlich. 
Basis für EPDs sind die sogenannten Produktkategorieregeln (PKR). In einer PKR wird die Produktkategorie definiert und deren typische Umweltauswirkungen festgelegt. Sie enthalten produktspezifische Bilanzierungsregeln, Anforderungen und Prüfverfahren für die jeweilige Produktgruppe.

Freiwillig, aber sinnvoll
EPDs dienen in erster Linie dem Informationsaustausch innerhalb der anbietenden Wirtschaft. Sie sind grundsätzlich freiwillig, Hersteller sind allerdings gut beraten, ihre Bauprodukte bewerten zu lassen. Ein wesentlicher Vorteil von EPDs und von Gebäudezertifikaten sind der unabhängige Nachweis für ein Bauprodukt bzw. ein gesamtes Gebäude. Bauprodukte, für die eine EPD vorliegt, scheinen in Datenbanken auf und werden für zertifizierte Gebäude verwendet. Zertifizierte Gebäude haben nachweislich einen höheren Wiederverkaufswert und werden immer stärker nachgefragt. So entwickeln sich Gebäudezertifikate zu einem wichtigen Marketinginstrument am internationalen Immobilienmarkt.

In Österreich können Bauprodukte bei der Bau EPD GmbH Österreich als Programmträger zur Deklaration gebracht werden. Die Geschäftsführerin Sarah Richter ist jederzeit für Fragen offen: www.bau-epd.at. Die Bau EPD GmbH arbeitet eng mit dem deutschen Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU) zusammen, das in Deutschland Träger der Umweltdeklaration ist.


 Zur Autorin: Petra Johanna Sölkner ist Mitglied im PKR-Gremium Österreich und Vorsitzende im ­Produktgruppenforum Ziegel zur Erstellung einer Ziegel-PKR. Sie leitet innerhalb der Austrian Cooperative Research ACR das Schwerpunktfeld Nachhaltiges Bauen und ist Geschäftsführerin der OFI BTI GmbH.

Autor/in:
Petra Sölkner
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