Direkt zum Inhalt

Nicht im eigenen Saft braten

24.05.2013

Flexibel, kostensicher und schnell – Betonfertigteile werden immer beliebter und die Anwendungsgebiete vielfältiger. Bernhard Rabenreither, Geschäftsführer der Maba Fertigteilindustrie, berichtet im Interview mit der Österreichischen Bauzeitung, wohin die Reise der Betonfertigteile geht. 

Neue Marktnische: Die City Blocs von Maba können dank individueller Folierung als Werbefläche ­verwendet werden.

Mit der Übernahme der H. Katzenberger Beton- und Fertigteilwerke ist die Kirchdorfer Fertigteilholding nun der österreichische Anbieter von Systemkomplettlösungen – von Halb- bis zu Vollfertigteilen in Beton oder Ziegelit – für den mehrgeschoßigen Wohnbau.

Österreichische Bauzeitung: Die Kirchdorfer Fertigteilholding punket als Systemkomplettanbieter. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes für Beton­fertigteile? 

Bernhard Rabenreither: Jeder Hersteller versucht momentan eine Nische zu finden, um Deckungsbeiträge erwirtschaften zu können. Und es wird immer schwieriger. Hat man sich einen Vorsprung erarbeitet, hält dieser maximal noch ein halbes Jahr. Es gibt mittlerweile so viele Nachahmer und Marktbegleiter, da helfen auch keine Patente mehr.

Vor allem ist die Anzahl der Beton­fertigteilproduzenten für den kleinen österreichischen Markt sehr hoch, obwohl sich die Hersteller in den letzten 20 Jahren sicherlich um 50 Prozent reduziert haben. Im Verband der österreichischen Beton- und Fertigteilwerke gab es Anfang der 1990er-Jahre vielleicht 100 Mitglieder – jetzt sind es rund 50. 

Bauzeitung: Wie hat man als Hersteller die besten Überlebenschancen ?

Rabenreither: Einige Hersteller versuchen über Spezialisierungen wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Andere verfolgen eher die Bauchladentaktik und bieten quasi alles an. Einen Trend in eine Richtung kann ich dabei nicht herauslesen. Firmen, die nur ein Marktsegement bedienen, sind auf jeden Fall deutlich gefährdeter.

Hersteller mit Spezial-Know-how können meiner Meinung nach nur im Zusammenschluss einer Gruppe agieren, ansonsten wird es schwierig am Markt. In der Kirchdorfer Fertigteilholding praktizieren wir diese Diversifikation erfolgreich. Wir haben unterschiedliche Unternehmen mit Spezialisierungen, von denen jedes in seinem Marktsegement stark ist.

Bauzeitung: In welchen Nischen sehen Sie zurzeit die größten Erfolgschancen?

Rabenreither: Gute Marktchancen sehe ich vor allem im Hochbaubereich, dort ist die H. Katzenberger Beton- und Fertigteilwerke GmbH, ein Schwesterunternehmen der Maba Fertigteilindustrie, sehr stark. Besonders die Bauteilaktivierung ist hier ein Zukunftsthema. In den vergangenen Jahren hat sich in diesem Bereich viel in der Forschung getan – die Produkte und die Verarbeitung haben sich deutlich verbessert.

Katzenberger konnte bereits einige Projekte mit Bauteilaktivierung erfolgreich realisieren. Mit der Kirchdorfer Fertigteilholding sind wir außerdem an einem VÖB-Forschungsprojekt beteiligt. Dieses Thema ist ein weiterer Schritt, um sich beim Hochbau mit Betonfertigteilen zu positionieren. 

Bauzeitung: Momentan propagieren Hersteller und Verbände die Bauteilaktivierung sehr intensiv. Wird dieses System auch von Bauherren aktiv nachgefragt? 

Rabenreither: Noch ist es eindeutig eine Initiative der Wissenschaft. Die Baubranche hat aber klar den Auftrag, sich in Sachen Energiekennzahlen zu verbessern – diese Verantwortung nehmen wir auch gern wahr und arbeiten an neuen Technologien. Bis die breite Masse der Bauherren dafür bereit ist, wird es aber wahrscheinlich noch ein bisschen dauern.

Bauzeitung: Forschung und Entwicklung ist demnach ein wichtiges Thema für Maba. Inwieweit profitieren Sie in diesem Bereich von der Zugehörigkeit zu einem großem Konzern?

Rabenreither: Die Kirchdorfer Fertigteilholding serviciert und bedient im Bereich F&E alle Töchterunternehmen. Rund zwei Prozent unseres Jahresumsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert. Das Ergebnis ließ sich beim österreichischen Innovationspreis sehen, bei dem die Kirchdorfer Fertigteilholding mit Delta Bloc International unter den sechs Nominierten war. Zum Teil wird in der F&E-Abteilung auch Grundlagenforschung betrieben, einen Großteil aber macht die Produktentwicklung aus. Hier spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit eine ausschlaggebende Rolle.

Nur so können wir in Bereiche vorstoßen, in die wir herkömmlichen Bauingenieure sonst nicht kommen. Das kann der Kontakt zu einem Limnologen sein, durch den der hochinteressante Fischaufstieg entstanden ist, oder zu einem Unfallforscher, der uns beim Thema Beton­leitwände unterstützt. Die Möglichkeiten sind schier endlos. Aber nur durch den interdisziplinären Austausch funktioniert meiner Ansicht nach Innovation, ansonsten brät man schnell im eigenen Saft. 

Bauzeitung: Das heißt, die Betonfertigteile selbst sind nur noch in Maßen optimierbar?

Rabenreither: So könnte man es bezeichnen.

Bauzeitung: Außerhalb der Box hat Maba unter anderem auch bei der Entwicklung neuer Einsatzgebiete für den City Bloc gedacht. Wie kam es dazu?
Rabenreither: Wir haben den City Bloc in zwei Richtungen weiterentwickelt. Bei den herkömmlichen Formen möchten wir mittels Folierung einen Mehrwert schaffen und den City Bloc als Marketinginstrument positionieren. Damit wird der City Bloc auch für Gemeinden, Event- oder Werbeagenturen interessant.

Diese Idee entstand durch den Kontakt zu einem ober­österreichischen Folienhersteller. Wir beginnen gerade mit der Vermarktung und sind gespannt, wie unsere Idee draußen ankommt. Wir hoffen, dass wir in kleinen Schritten einen neuen Markt erschließen können. Die zweite Generation der City Blocs ist wiederum eine technische Weiterentwicklung, die speziell auf Baustellenab­sicherung abzielt. Die neuen City Blocs sind stabiler und können unter anderem auch als flexible Verkehrschilder eingesetzt werden. 

Bauzeitung: Wie viele der Ideen aus der F&E-Abteilung werden durchschnittlich umgesetzt?

Rabenreither: Aus zehn Ideen entsteht ein Produkt, das die Forschungskosten wieder einspielt. Das klingt nicht nach viel, aber die Investitionen sind notwendig, um am Markt zu überleben. Alle, die in ihrer Technologie stehenbleiben, sind irgendwann weg vom Fenster. Man muss immer wieder neue Mischungen, Anwendungen und Systeme auf den Markt bringen, ansonsten gerät man in eine Abwärtsspirale des Preiskampfs, die niemand lange überlebt. 

Bauzeitung: Abschließend – wo setzen Sie in diesem Jahr die Schwerpunkte?

Rabenreither: Die Hauptaufgabe für 2013 wird sein, gegen die Konjunktur zu schwimmen, da wir nicht glauben, dass dieses Jahr den ersehnten Aufschwung bringen wird. Die Zeichen stehen zwar nicht so schlecht, die Auftragsstände sind teilweise besser als im vergangenen Jahr, dennoch wird dieses Jahr eine Herausforderung. Gekürzte Budgets bei Bahn, Asfinag und Kommunen spüren wir in einzelnen Tochterunternehmen deutlich, das kann auch der Hochbau nicht auffangen. Zumal die wirklich großen Hochbauprojekte im Wiener Raum rarer geworden sind. Aber das ist das Schöne an unserer Gruppe – es gilt: alle für einen, einer für alle. 


Maba Fertigteilindustrie
Maba Fertigteilindustrie ist mit ihren sechs Kernbereichen (Treppen, Wohnbausystemlösungen, Schleuderbetonprodukte, Verkehrswege/Straßenbauprojekte, Tiefbau/Groß- und Standardprojekte sowie einer Umweltdivision) das größte österreichische Fertigteilunternehmen in diesem Marktsegment. Gemeinsam mit Kunden werden neue Produkt­linien entwickelt und in das Produk­tionsportfolio übernommen.
www.maba.at

Autor/in:
Sonja Meßner
Werbung

Weiterführende Themen

LightGlass Geschäftsführer Paul Brettschuh
Werkstoff & Technik
16.11.2017

Der Name der LightGlass Technology GmbH ist Programm. Das innovative Wiener Unternehmen verbindet Licht, Glas und Technologie. LightGlass Geschäftsführer Paul Brettschuh sprach mit uns über den ...

Alessandra Janda.
Schwerpunkt
31.10.2017

Die Firma Janda-wohntraumdesign aus dem 3. Wiener Gemeindebezirk ist seit sieben Jahren Mitglied bei BNI – Business Network International. Prokuristin Alessandra Janda hat bei einem persönlichen ...

Service
10.10.2017

Wo sind heikle Unternehmensdaten am besten aufgehoben? Was kann Branchensoftware und wo unterstützt sie am effektivsten? Welche Apps machen für Handwerksbetriebe Sinn? Softwareexperte Alfred ...

Business Network International baut auf Vertrauen.
Schwerpunkt
29.08.2017

Das neutrale und unabhängige Unternehmensnetzwerk BNI verfolgt das übliche Ziel: mehr Umsatz. Aber wie die BNI-Mitglieder das erreichen, ist eher ungewöhnlich. Nationaldirektor Michael Mayer im ...

Franz Schreibmaier, Geschäftsführer von Bohle Österreich
Werkstoff & Technik
23.08.2017

Filigran, funktional, leider oft auch möglichst billig – das sind die aktuellen Trends am Beschlägesektor, die Franz Schreibmaier, Geschäftsführer von Bohle Österreich, erkennt. Im Inter view ...

Werbung