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Nur noch mit Freude bauen

28.03.2014

Geprägt von seinem Schulweg und überzeugt davon, nie im elterlichen Betrieb arbeiten zu wollen, tat er genau das. Heute geht Martin Freund seinen eigenen Weg.

Dem Schaffen von Martin Freund liegt ein einfaches Prinzip zugrunde. Alles muss logisch und reparierbar sein, die Qualität der Planung, der Materialien und der Ausführung müssen stimmen. Dadurch werde garantiert, dass sich Bauherren noch lange nach der Fertigstellung an ihren Häusern erfreuen können und auch folgende Generationen nicht vor einem Wegwerfprodukt stehen. Ein Punkt, aus dem Freund auch viel Kraft zieht. „Wenn sie nach 30 Jahren wieder zu einem Kunden kommen und dieser immer noch zufrieden ist, dann ist das die größte Wertschätzung, die man in einem Beruf erfahren kann“, beschreibt er den Antrieb seines Schaffens, das geprägt ist von zwei Vorstellungen eines Hauses. Diese sind gewachsen, so wie Freunds Liebe zum Gebauten.

Geprägt von seiner Umwelt
Freund wohnt seit guten 50 Jahren umgeben von alter Wiener Bau­tradition und fand schon früh Gefallen an ihr. „Ich war bei den Piaristen in der Schule, in einem alten Barockbau. Das war ein schönes Ambiente und prägt einen natürlich“, schwelgt er in Erinnerungen. Ein weiterer Faktor sei sein Schulweg in die folgende HTL für Hochbau gewesen. „In der Früh war ich immer zu spät dran und bin, weil es schneller ging, durch die Stadt gelaufen.“ Auch das Basketballspielen im Rittersaal eines Wiener Palais ließ seine Begeisterung nur wachsen. „Eigentlich wollte ich nie in den elterlichen Betrieb“, sagt der Baumeister, aber nach einer kurzen Zeit an der Technischen Universität Wien – Freund brach sein Architekturstudium nach einem Streit mit einem Professor ab, da er nicht die Ansicht teilte, dass Ziegel der einzige Baustoff sei – ließ er sich von der Firma dennoch vereinnahmen. Nachträglich betrachtet, war das vielleicht ein Fehler, aber dennoch eine gute Schule. „Ich wurde in jeder Richtung trainiert: zu bauen, auf der rechtlichen Seite, im Falle von Reklamationen und wie man mit Menschen umgeht“, reüssiert Freund die Zeit. „Ich habe sehr, sehr viel gebaut. Ich glaube, es waren zwischen 2.000 und 2.500 Einfamilienhäuser, dazu noch  diverse Hallen, Gewerbe- und Industriebauten und zusätzlich immer wieder Umbauten.“ Darunter war auch sein erstes Passivhaus.

Wie vor 100 Jahren
„Wir haben 1978 als Folge der Ölkrise das erste Energiesparhaus Österreichs gebaut“, erklärt der Wiener. „Es war ein Vorläufer des heutigen Passivhauses und hatte schon damals so gute Energiekennzahlen wie heute in der Bauordnung gefordert.“ Es sollten noch viele folgen. 2003 erkämpfte sich Freund seine Unabhängigkeit, verkaufte alle Firmen und gründete sein eigenes Unternehmen. Dieses ist spezialisiert auf die Entwicklung, Planung, Produktion und Errichtung von Passiv- und Alt-Wien-Häusern. „Für mich ist Alt-Wien eine Lebenseinstellung, es geht um das kleinteilige, quirlige, bunte Leben. Betrachtet man das Haus heißt das: Flügeltüren, Fischgrätparkettböden, eine gegliederte Fassade, 3,25 Meter hohe Räume, Kastenfenster, im Wesentlichen ein Baustil, der vor hundert Jahren gebaut wurde.“ Dabei benutzt Freund auch die alten Baustoffe, sucht in den Baucontainern Wiens nach wiederverwendbaren Teilen und arbeitet mit alten Maßketten. So entstehen Häuser und Sanierungen aus einer vergangenen Zeit, liebevoll bis ins kleinste Detail, ohne dabei kitschig zu sein, aber trotzdem am Stand der Technik. 

Nie wieder Masse
Durch diese Spezialisierung hat sich Martin Freund eine eigne, auf ihn zugeschnittene Arbeitswelt geschaffen. Er wollte nie wieder so viel bauen wie in seiner Anfangszeit und nur noch das, was ihm Freude bereitet. Mit den beiden Haustypen vereint er zwei sehr unterschiedliche Stilepochen, denen dennoch die gleiche Liebe zum planerischen Detail und zu guten Werkstoffen zugrunde liegt. „Es gibt eine ganze Menge Baumeister, die nach Quadratmeter, Laufmeter, Kubikmeter arbeiten“, stellt Freund fest. „Zu denen gehöre ich nicht. Ich will selbst gestalten, selbst am Drücker sein. Ich bin nicht der Knecht der Architekten.“ Wohin ihn dieser Weg führt, kann Freund nicht abschätzen, aber eine Möglichkeit wäre es, die zwei Welten, Passivhaus und Alt-Wien-Haus, zusammenzuführen. „Ein Alt-Wien Haus in Passivhausqualität zu bauen? Das geht ohne weiteres. Zwar haben wir noch keines gebaut, aber dass es funktioniert, wissen wir.“  


Das Unternehmen
Ing. Martin Freund Baumeister und 
Bauträger GmbH 
2003 gründete Martin Freund sein eigenes Unter­nehmen, die Ing. Martin Freund Baumeister und Bauträger GmbH. Diese ist auf die Entwicklung, Planung, Produktion und Errichtung von Passiv- und Alt-Wien-Häusern spezialisiert. Bei einem Alt-Wien-Haus geht es um Bauen wie vor 100 Jahren. Flügeltüren, Fischgrätparkett-Böden, eine gegliederte Fassade, 3,25 Meter hohe Räume und Kasten­fenster prägen das Bild dieser neugebauten bzw. sanierten Häuser.


VITA
Martin Freund 
1957: Geboren in Wien
1964: Piaristen Volksschule & Gymnasium, 
1080 Wien
1972: HTL Hochbau Wien 1
1978: TU Wien – Architektur und Einstieg in die elterlichen Betriebe
1984: Baumeisterprüfung
2002: Masterstudien
2003: Gründung des eigenen Unternehmens

 

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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