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Pionierarbeit für Dämmstoffe

07.06.2013

60 Jahre, elf Länder, 18 Produktionsstandorte und mehr als 800 Mitarbeiter – Austrotherm-Geschäftsführer Peter Schmid über die Zukunft des Dämmstoffs und wo er sich in zehn Jahren sieht. 

Schaufensterpuppen, Büsten, Dekorationsartikel und Verpackungsmaterial – das alles findet sich in der 60-jährigen Firmengeschichte des österreichischen Dämmstoffherstellers ­Austrotherm wieder. Der große Durchbruch kam jedoch in den 1990er-Jahren mit dem rosaroten Klassiker, der XPS-Dämmplatte. Seitdem ist Austrotherm im In- und Ausland nicht mehr zu stoppen.

Österreichische Bauzeitung: Parallel zum 60. Geburtstag von Austrotherm feiern Sie Ihr 20-Jahr-Firmenjubiläum:

Wie nehmen Sie die Zeit rückblickend wahr?

Peter Schmid: Ich war damals in der glücklichen Lage, mir aussuchen zu können, in welches Unternehmen der Schmid Holding ich einsteige. Der Dämmstoff hat mir immer schon gut gefallen, da man mit ihm viel zu Umweltschutz und Energieeinsparung beitragen kann. Sowohl im Baustoff als auch im Unternehmen habe ich großes Potenzial gesehen, deshalb fiel meine Entscheidung auf Austrotherm. Mein Ziel war es, den Dämmstoff salonfähig machen.
Rückblickend haben wir uns sehr schnell entwickelt. Bis zur Krise haben wir beinahe jedes Jahr ein Land erobert, wobei es immer Green-Field-Projekte waren. Das war zwar eine Herausforderung, aber auch im Nachhinein die richtige Entscheidung. 

Bauzeitung: Im Laufe der Jahre hat Austro­therm immer wieder Meilensteine für die gesamte Dämmstoffbranche gesetzt. Wie hoch ist der Druck, immer der Erste sein zu müssen?

Schmid: Druck ist positiv, solange er sich auf die Entwicklung auswirkt. In der gesamten Schmid Holding liegt der Fokus ebenfalls darauf, die Produkt­führerschaft zu erlangen und zu behalten. Diese Stoßrichtung ist auch wichtig für unsere Mitarbeiter. Bei Austro­therm investieren wir ungefähr drei Prozent des Umsatzes (Anm. d. Red.: 226 Millionen Euro im Jahr 2011) in den Bereich Forschung und Entwicklung. Die neueste Entwicklung ist z. B. die Resolution-Platte. 

Bauzeitung: Wo sehen Sie die Zukunft der Dämmstoffe?

Schmid: Die Anforderungen an uns Hersteller sind klar: höhere Lambda-Werte bei geringerer Dicke. Das heißt, wir müssen technisch immer bessere Dämmstoffe entwickeln. Unsere neue Resolution-Platte, die wir Anfang des Jahres präsentiert haben, folgt diesem Trend. Bei einem Lambda-Wert 0,022 W/(mK) ist die Platte mit elf Zentimetern nur halb so dick wie herkömmliches Styropor. Dadurch sinken die Wandstärken wieder auf ein erträgliches Ausmaß – wobei erträglich natürlich immer ein subjektives Empfinden ist. Gerade im städtischen Bereich spielen geringe Dämmstoffdicken bei gleicher Leistung eine wesentliche Rolle für die Erreichung der Klimaziele. Mein größtes Anliegen war und ist noch immer zu vermitteln, dass Dämmen eine Win-win-win-Situation ist. Erstens für die Geldbörse, zweitens in Hinblick auf die CO2-Reduktion und drittens durch die Fördergelder, wovon sowohl die Wirtschaft als auch der Staat profi­tieren. 

Bauzeitung: Das heißt, Sie sind mit der Fördersituation in Österreich hinsichtlich der thermischen Sanierung zufrieden?

Schmid: Es ist kompliziert. Die Förderung an sich ist eine gute Sache. Das Problem liegt im Detail. Es ist einfach viel zu kompliziert – noch immer. Meiner Meinung nach muss eine Förderung mindestens 30 Prozent des Bauvolumens ausmachen, ansonsten ist für viele Bauherren der Pfusch deutlich lukrativer. Es gibt im Ausland einige interessante Modelle. In Italien darf man zum Beispiel einen wesentlichen Teilbereich der thermischen Sanierung steuerlich abschreiben – unter der Voraussetzung, dass Unternehmen offiziell beauftragt werden und das auch nachgewiesen werden muss. Hier würde ich ansetzen, denn sowohl für Bauunternehmen als auch für uns Hersteller ist die Schwarzarbeit ein großes Problem.

Bauzeitung: Neben der Produktführerschaft macht vor allem das Auslandsgeschäft einen Großteil des Erfolgs von Austrotherm aus. Wie kam es zu der Fokussierung auf Osteuropa?

Schmid: Es war immer schon die Philosophie unseres Unternehmens, Pionierarbeit zu leisten. Diesen Vorsatz konnten wir bis heute immer wieder realisieren, vor allem im Rahmen der Internationalisierung. Anfang der 90er-Jahre waren Dämmstoffe in Osteuropa mit einer Stärke von zwei bis drei Zentimetern beinahe nur kosmetischer Natur. Das lag vor allem an den damals niedrigen Energiekosten. Mittlerweile ist es schon besser, aber bei weitem nicht auf westlichem Niveau. Dass wir mit unseren Produkten im Osten so schnell Fuß fassen konnten, liegt zum Teil aber auch am Gastarbeiter-Phänomen. Die Bauarbeiter aus dem Ausland bauen in ihrer Heimat und verwenden dort auch die Produkte, die sie aus Österreich kennen. 

Bauzeitung: In diesem Jahr eröffnet Austrotherm ein weiteres Produktionswerk in Deutschland. Werden Sie dieses Expansionstempo in den kommenden Jahren ­halten?

Schmid: Mein primäres Ziel ist zurzeit die Länder, in denen wir tätig sind, zu stärken. Der Standort Deutschland ist vor allem für die Weiterentwicklung des Unternehmens wichtig, da wir von dort aus auch andere nordeuropäische Märk­te beliefern. Der Norden Europas ist wirtschaftlich sehr hoch entwickelt, dort sind keine wesentlichen Einbrüche zu befürchten. In Osteuropa wird über kurz oder lang eine starke Vorwärtsbewegung kommen. Das geht nicht immer explosionsartig. Es ist gar nicht so schlecht, dass eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist. Auch im Dämmstoffbereich hat sich in den vergangenen Jahren ein großer Mitbewerb entwickelt. In Osteuropa wurde sehr viel schwarz verkauft – das war zwar eine Herausforderung für uns, aber langfristig gesehen hatten wir den längeren Atem. In letzter Zeit gab es eine unglaubliche Bereinigung des Mit­bewerbs. 

Bauzeitung: Welche Ziele haben Sie sich mit Austrotherm für die nächsten 20 Jahre gesetzt?

Schmid: Das klassische Ziel, dass ich für das Unternehmen und für meine Mitarbeiter gesetzt habe, ist die technologische Führerschaft. Konkret geht es dabei höchst belastbares XPS, das unter Hochhäusern und Bahnstrecken oder etwa auch unter Flugplätzen angewendet wird. Aber nicht nur die technische Weiterentwicklung des Dämmstoffes steht im Fokus, sondern auch weiterhin die Verbesserung der Lamdawerte, da ich überzeugt bin, dass Dämmstoffe auch in Zukunft wesentlich zur Energieeinsparung beitragen können. 

Bauzeitung: Vielen Dank für das Gespräch. 

Autor/in:
Sonja Meßner
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