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Raunzen allein ist zu wenig

09.05.2001

Lieber Taten sprechen lassen, als über diese zu reden – das könnte das Motto von Felix ­Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, sein. Dasselbe wünscht er sich auch von den Mitgliedsunternehmen.  

Selbst im Mittelpunkt zu stehen ist nichts für Felix Friembichler. Viel lieber ist es ihm, mit Aktivitäten zu überzeugen. „Ich sehe mich als reiner Dienstleister für die Unternehmen in der Zementbranche“, so sagt er. Allerdings gehört dazu auch, den Unternehmen und der Baubranche nicht immer nur nach dem Mund zu reden. Auch Themen anzusprechen, die vielleicht lästig sind, gehört zu seinem Job. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei der Nachwuchs. „Es wird für die Baubranche immer schwieriger, entsprechenden Nachwuchs zu finden. Der Wettbewerb um gut ausgebildete, junge Mitarbeiter ist längst entbrannt, auch wenn er  noch immer ein bisschen unter den Teppich gekehrt wird“, erklärt Friembichler. Allerdings seien viele Unternehmen selber schuld. Es scheitere nicht an der Bezahlung, sondern an Imageproblemen, geregelten Arbeitszeiten und vor allem an zu viel Druck. „Diese Punkte werden von vielen Unternehmen nicht gern wahrgenommen, denn man muss sich das Image mühsam erarbeiten“, betont der gebürtige Salzburger. Zu viel Druck laste auf dem Nachwuchs, und es werde sich zu wenig Zeit in den Unternehmen genommen, diesen vernünftig zu schulen und auf seine Aufgaben vorzubereiten. „Als ich vor 37 Jahren als Baustellentechniker bei der Porr angefangen habe, gab es noch Führungspersonal, von dem man Schritt für Schritt alles lernen konnte. Dieses Privileg haben heute nur noch die wenigsten. Dann dürfen sich die Unternehmen allerdings auch nicht wundern, wenn sie Probleme haben, gute Leute zu finden.“

Faszination verbreiten
Dass man sich mit Aussagen wie diesen nicht nur Freunde macht, ist ihm bewusst. „Ich bin nicht dazu da, beliebt zu sein. Man darf nicht immer nur jammern, sondern muss auch Aktivitäten setzen“, betont Friembichler. Aktivitäten wie die Concrete Student Trophy, die vor rund acht Jahren ins Leben gerufen wurde. Zwei Jahre Vorarbeit benötigte es, bis man die teilnehmenden Universitäten überzeugt hatte, die Trophy auch in den Lehrplan zu integrieren. „Der Nachwuchs ist unsere Zukunft, und er soll auch etwas davon haben. Wenn wir durch einen Wettbewerb die jungen Bauingenieure für den Werkstoff Beton und die Technik begeistern können, ist das viel wert.“

Mit diesen Projekten hat der VÖZ aufs richtige Pferd gesetzt, das beweist auch die Realisierung der letzten Aufgabenstellung. Die Grillplätze auf der Donauinsel, die im vergangenen Jahr im Rahmen der „Barbecue Edition“ ausgeschrieben wurden, werden heuer realisiert. „Es macht natürlich Freude, wenn Aufwendungen getrieben werden, die von den Mitgliedern und der Öffentlichkeit geschätzt werden“, ist Friembichler stolz. „Außerdem können wir damit zeigen, dass es für Beton noch vielfältige Einsatzmöglichkeiten gibt.“

Beton ist keine Religion
Andere Einsatzmöglichkeiten wären zum Beispiel Betonmöbel oder Betonkunst, davon ist im Büro des VÖZ allerdings nichts zu sehen. „Ich bin da nicht religiös. Sie werden mich nie bei der Aussage erwischen, dass nur Beton infrage kommt. Der Kunde muss entscheiden, welches Material zum Einsatz kommt. Und die Lieferanten – unsere Mitgliedsunternehmen – müssen wissen, ob sie die Erwartungen der Kunden erfüllen können“, so der „oberste Betonmischer“, wie er in einem Zeitungsbericht einmal bezeichnet wurde. Das ausgeprägte Faible vieler Architekten für den Werkstoff kommt der Betonbranche natürlich entgegen. „Das ist eine schöne Entwicklung, die aber auf Überzeugung basiert und nicht auf Dingen, die vorgebetet wurden.“

Aus Erfahrung gelernt
Manche Erkenntnis bringt aber auch erst die Erfahrung mit sich. Erst während seiner Funktion im VÖZ sei ihm klar geworden, wie wichtig die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung und Entwicklung ist. „Die Distanz war damals schon groß und ist es auch heute noch. Man grüßt sich zwar höflich, aber richtig interagiert wird nicht. Dabei wäre es so hilfreich.“ 

Zu tun gäbe es demnach noch einiges, und auch wenn Felix Friembichler sich nach zwölf Jahren langsam in den Ruhestand verabschieden wird, ganz zurückziehen aus der Zementbranche wird er sich noch nicht. „Auch wenn man viel erreicht hat, ist es gut, wenn junge Leute mit neuen Ideen die Führung übernehmen. Man muss auch Platz machen können.“


Das Unternehmen
Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie
Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) wurde 1894 als „Verein der Österreichischen Zementfabrikanten“ gegründet. Vereinszweck war die Förderung aller Interessen der Zementindustrie. Mitglied konnte jedes in Österreich gelegene Unternehmen werden, das fabriksmäßig Roman- oder Portlandzement erzeugte. Der Verein entwickelte schon bald nach seiner Gründung eine rege Tätigkeit. So wurde 1912 ein Vereinslabor, der Vorläufer des heutigen Forschungs­instituts, eingerichtet. Laufende Zementprüfungen und die Normenüberwachung sichern seither die Qualität.


VITA
Felix Friembichler
23. 05.1949    in Salzburg
1969 –1976     Studium an der Universität Innsbruck, Fakultät für Bau­ingenieurwesen und Architektur
1976:    A. Porr AG, Baustellentechniker
1988:    Leiter der Filiale Wien
1992:    Direktor Porr AG
1994:    Vorsitzender des Vorstandes der Porr Hochbau
1996:    Vorstandsmitglied der Porr Praha, Polska, Budapest
2000:    Konzernleistungsmitglied der Porr AG
Seit 2002:     Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zement­industrie

Autor/in:
Sonja Meßner
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