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Rechtsformwahl – Qual oder Chance?

07.06.2013

Tag für Tag steht man vor neuen Entscheidungen. 

Mag. Rudolf Siart,  Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Wien, Siart + Team Treuhand GmbH Enenkelstraße 26, A-1160 Wien T+43(0)1/4931399 F +43(0)1/4931399-40, siart@siart.at  www.siart.at

 Ob es sich nun um die kleinen Dinge des Lebens handelt – Kaffee oder Tee? – oder um die etwas größeren – Haus mieten oder kaufen? Es sind immer Folgen damit verbunden. Vor solch einer Entscheidung steht auch ein Unternehmer, der sich für eine passende Rechtsform entscheiden muss. Trifft er nämlich unüberlegt eine Entscheidung, so kann dies ein unangenehmes und unter Umständen kostspieliges Nachspiel haben.

Die Wahl der am besten passenden Rechtsform ist eine Mischung aus betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Entscheidungen. Zivilrechtliche Aspekte (z. B. Haftung) sind genauso zu beachten wie Aspekte des Gesellschaftsrechts, des Familienrechts, des Gewerberechts, des Sozialversicherungsrechts und selbstverständlich des Steuerrechts. Die Kunst besteht somit darin, all diese Bereiche „unter einen Hut“ zu bekommen. Dabei muss beachtet werden, dass die Ausgestaltung des einen Bereichs eventuell zulasten eines anderen fällt. 

Hierzu ein Beispiel für die fatale Kollision von steuerrechtlichen und familiären Aspekten: Der Gründer einer GmbH beschließt aus steuerlichen Überlegungen, selbst nur einen Anteil von 25 Prozent zu halten und lässt seine Ehefrau als Gesellschafterin mit 75 Prozent Anteil ins Firmenbuch eintragen. Das Eheleben wird jedoch nach einiger Zeit wegen des durchtrainierten Gärtners abrupt abgekühlt. Die Folgen für den Unternehmensgründer innerhalb der GmbH sind mannigfaltig und vielfach absehbar.

Er müsste seiner Frau ihren 75-Prozent-Anteil abkaufen, um „seiner“ Firma zur Gänze habhaft zu werden und das Unternehmen zu kontrollieren. Blöderweise hat er nämlich auch vergessen, sich durch ein Abtretungsangebot abzusichern.
Vor der Entscheidung für eine bestimmte Rechtsform sollte sich der Unternehmer daher vor allem mit folgenden Fragen auseinandersetzten: 

  • Möchte ich das Unternehmen allein oder mit einem Partner ­führen?
  • Wenn ein Partner dabei ist: Wer darf das Unternehmen nach außen vertreten?
  • Welches Mitspracherecht räume ich dem Partner ein?
  • Wie kontrolliere ich die Aktivitäten des Partners?
  • Wie sichere ich mich ab?
  • Wie hafte ich bei welcher Rechtsform?
  • Welche steuerlichen Auswirkungen hat die Wahl der Rechtsform?
  • Wie hoch sind meine Kosten bei der Errichtung?
  • Was sind die laufenden Kosten der Rechtsform (Buchhaltung, Jahresabschluss, Prüfung)?
  • Welche Finanzierungsmöglichkeiten bieten die einzelnen Rechtsformen?
  • Was geschieht im Fall einer Trennung von einem Partner?

Unabhängig davon, ob man sich für eine Personen- oder Kapitalgesellschaft entscheidet, das entscheidende Mittel zur Weichenstellung für die Zukunft ist der Gesellschaftsvertrag. Bereits bei der Errichtung des Gesellschaftsvertrags sollten drohende zukünftige Streitthemen schriftlich aus dem Weg geräumt werden. Es sollten insbesondere Fragen geklärt werden wie:

  • Wer bringt wie viel Kapital und Know-how ein? Wer erhält welche Gewinnanteile?
  • Wer verpflichtet sich, seine Arbeitskraft einzubringen?

Nicht zu vergessen: Was passiert im Falle eines Scheiterns, Verkaufs oder einer Liquidation? Werden solche Fragen schon im Vorhinein geklärt, erspart man sich im Nachhinein mühsame Diskussionen. Außerdem erkennen die Partner bereits zu Beginn ihrer Zusammenarbeit, ob sie auf einen grünen Zweig kommen.

Betriebswirtschaftliche Entscheidung

Letztlich stellt die Wahl der Rechtsform immer eine betriebswirtschaftliche Entscheidung dar, wobei die steuerliche Komponente dabei ebenso einfließt wie beispielsweise die Gestaltung der Buchhaltung (doppelte Buchführung oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung). Angst vor dem Thema Rechnungswesen, die vielleicht noch aus der Schulzeit kommt, sollte dabei die Entscheidung für oder gegen die Gründung z. B. einer GmbH nicht beeinflussen. Vielmehr sollte der Kostenaspekt mit dem Informationsgehalt des jeweiligen Rechenwerks abgewogen werden.

Sehr grundlegend kann auch die Frage der Kapitalaufbringung bei den einzelnen Rechtsformen sein. Einzelunternehmer können – sieht man von stillen Gesellschaftern einmal ab – Kapital nur über ihr Privatvermögen oder über Fremdkapital aufbringen. Im Gegensatz dazu können Personen- und Kapitalgesellschaften auch durch Aufnahme weiterer Gesellschafter zusätzliches Eigenkapital generieren. 

Vielleicht kommt somit dem Unternehmensgründer aus unserem Eingangsbeispiel die Liaison seiner Gattin sogar ganz gelegen, und er duldet die Absichten des Gärtners gegen eine entsprechende Stammeinlage, um die Eigenkaptialausstattung des Unternehmens zu verbessern. 

Andererseits hat der Einzelunternehmer die Möglichkeit, das Kapital steuerneutral zu entnehmen, ein Umstand der bei einer GmbH aufgrund der Trennung zwischen der Gesellschafts- und Gesellschaftersphäre nicht möglich ist. „Entnahmen“ eines GmbH-Gesellschafters müssen fremdüblich verzinst werden und stellen aus Sicht der GmbH eine Forderung gegen den Gesellschafter dar.

Erfolgt keine Verzinsung oder ist diese nicht fremdüblich, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor, die mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer besteuert wird. Vom Aspekt der Entnahmemöglichkeit bietet somit das Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft, soweit es der Unternehmer damit nicht übertreibt, durchaus Vorteile gegenüber Kapitalgesellschaften.

Vorteil: Finanzierungsaspekt

Der wesentliche Vorteil einer GmbH liegt im Finanzierungsaspekt. Die Gewinne der GmbH werden mit einem fixen 25-Prozent-(Körperschaft-)Steuersatz besteuert. Werden in weiterer Folge keine Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet, verbleiben 75 Prozent der Gewinne im Unternehmen. Damit können neue Investitionen getätigt beziehungsweise damit zusammenhängende Kredite schneller getilgt werden als bei natürlichen Personen. Die Steuerbelastung von Einzelunternehmern, OGs und KGs beträgt nämlich bis zu 50 Prozent.

Ein weiteres zentrales Motiv für die richtige Rechtsformwahl ist die Haftung. Risikoscheue Unternehmerpersönlichkeiten und solche, die sich in Risikobranchen bewegen, werden eher nach Formen suchen, in welchen die persönliche Haftung beschränkt ausgestaltet werden kann.

Dies wäre beispielsweise als Kommanditist einer KG oder als Gesellschafter einer GmbH möglich. Achtung: Beschränkte Haftung im Falle einer KG kann unter Umständen auch beschränkte Rechte bedeuten. Und: Der Geschäftsführer einer GmbH haftet auch wieder gesondert, was bei Ein-Mann-GmbHs zu bedenken ist! Beispielsweise wenn die Insolvenz nicht rechtzeitig angemeldet wird. Anhand dieser Beispiele lässt sich sehr gut erkennen, dass es unerlässlich ist, alle Aspekte zu bedenken und seine persönlichen Präferenzen abzuwägen. Letztendlich kommt es auf das ausgewogene Optimum in einem beweglichen System an!

Rechtsformwechsel möglich

Die Wahl der richtigen Rechtsform ist zwar nie eine endgültige – ein Rechtsformwechsel ist jederzeit und sogar steuerlich neutral möglich – jedoch ist es immer ratsam, sich im Vorhinein ausreichend Zeit zu nehmen, um alle „Rechtskleider“ zu verstehen und sich den Risiken, Rechten und Pflichten bewusst zu werden.

Auf der Siart-Homepage (www.siart.at) finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Rechtsformen und im Bereich Steuerinfo ein Onlineberechnungstool, das Einzelunternehmen und GmbH vergleicht – auch in Hinblick auf Ihren privaten Geldbedarf!

 

Autor/in:
Prof. Mag. Rudolf Siart
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