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Schlechte Zeiten für Diebe

11.04.2014

Die Baubranche hat aufgerüstet, um sich vor Diebstahl zu schützen. Den schwarzen Peter bekommen jene, die auf entsprechende Maßnahmen verzichten.

 

Um Baumaschinendiebstähle ist es relativ ruhig geworden. Spektakuläre Fälle wie etwa jener bei Zeppelin in Graz, wo freche Diebe im April 2008 auf einen Schlag sechs nagelneue Cats im Wert von rund 350.000 Euro vom Firmengelände entwendet hatten, sind heute erfreulicherweise Geschichte. Das hängt nicht nur mit der flauen Baukonjunktur zusammen. Den Dieben machen heute ausgeklügelte Sicherungstechnologien das Leben schwer. 

Zeppelin hat beispielsweise alle seine Niederlassungen mit Alarmanlagen und Videoüberwachung gesichert. Sofort nach unerlaubtem Betreten des Firmengeländes ist auf den Bildschirmen der Sicherheitszentrale von FirstProtect zu sehen, was sich im überwachten Gelände abspielt. In Sekunden können Abwehrmaßnahmen ergriffen werden, die vom direkten Ansprechen des Eindringlings via Lautsprecher bis zum Verständigen der Polizei reichen. Die Baumaschinen selbst lassen ebenfalls sich nicht mehr so einfach klauen. Bei unerlaubter Inbetriebnahme schlägt heute die eingebaute Elektronik Alarm und blockiert das Gerät. Bei illegalem Transport sendet ein integrierter GPS-Sender regelmäßig die Position des gestohlenen Gutes und macht dessen Verfolgung und Aufspürung leicht.

Kabel statt Bagger
Geklaut wird auf den Baustellen aber noch immer mehr als genug. Kaum ein Bauunternehmen, das nicht Opfer eines Diebes wurde. Manchmal ist’s bloß ärgerlich, wenn eine nagelneue Hilti verschwindet. Manchmal kann ein Gangster allerdings einen Schaden verursachen, der den Wert des gestohlenen Materials weit übersteigt. Wenn Kupfersammler beispielsweise die Kabel für zentrale Stromversorgung und für die Kräne klauen, beläuft sich der Wiederbeschaffungswert auf einige Tausend Euro. Der Schaden durch den Stillstand auf der Baustelle kann ein Mehrfaches betragen. 

Aber selbst solchen Banden geht es heute an den Kragen – zumindest wenn die Baustelle richtig gesichert ist. Die ideale Lösung stellt auch für diesen Zweck die Kombination von Alarmanlage mit Videoüberwachung und Sicherheitszentrale dar. Kurt Stadler, dessen Firma Seceye diese Technologie in Österreich anbietet und zu dessen Kunden eine Reihe großer Baufirmen zählt, weiß dazu etliche Erfolgsgeschichten zu erzählen. 

Cobra im Einsatz
Zum Beispiel von einer Baustelle im Wiener Bezirk Donaustadt, auf der an einem arbeitsfreien Tag plötzlich drei Pritschenwagen mit acht Arbeitern auftauchten und prompt Alarm auslösten. Der Sicherheitsdienst sah die vermeintlichen Werktätigen auf seinem Bildschirm, hielt kurz Rücksprache bei der Bauleitung, ob legale Arbeiter am Werk seien. Als das verneint wurde, gab er Alarm, erzählt Stadler: „Polizei, Cobra und Wachdienst sperrten sämtliche Zufahrtsstraßen, dann wurde zugegriffen und die gesamte Bande, die schon einige Tonnen Kabel auf ihre Autos verladen hatte, festgenommen.“ Der Großeinsatz schockte offensichtlich die Branche der Diebe: Für mehr als vier Monate gab es keine größeren Metalldiebstähle. Eine weitere Erfolgsgeschichte für diese Technologie weiß Stadler von der HL-Bahnstrecke zwischen Wien und St. Pölten, deren Tunnels zwischen Fertigstellung und Inbetriebnahme ein begehrtes Ziel von Kabeldieben darstellten. „Nach der Installation unseres Systems bei den Tunnelportalen konnte in wenigen Monaten sieben Diebesgruppen auf frischer Tat festgenommen werden, es gab keinen einzigen Schadensfall mehr“, berichtet Stadler nicht ohne Stolz von der sinnvollen Investition.

Dem Baufortschritt angepasst
Solche Systeme funktioniert im Prinzip wie Funkalarmanlagen. Sie bestehen aus einer versteckt montierten und vor Sabotage weitgehend geschützten Alarmzentrale, an die per Funk Kameras angeschlossen werden. Zahl und Aufstellungsorte der Kameras lassen sich problemlos verändern, so sind die Anlagen flexibel und lassen sich dem Baufortschritt anpassen. Die Alarmzentrale kommuniziert über das GPRS-Datennetz, das schwieriger zu stören ist als das GSM-Netz, mit der Sicherheitszentrale eines Wachdienstes. 

Auch dort sieht man die ereignisgestützte Videoüberwachung als ein probates Mittel, um Diebstähle auf Baustellen zu verhindern. „Nicht nur das“, sagt Alexander Laskaridis, Sales Manager bei Securitas, „bei Vandalenakten ist die Videoverifikation ebenfalls sehr hilfreich.“ Seine Firma bietet wie andere Sicherheitsdienstleister für Bauunternehmen eine breite Palette an Sicherheitsdienstleistungen – von Revierstreifen über Videoüberwachung bis zur permanenten Anwesenheit von Sicherheitsmitarbeitern, Zutrittskontrollen und anderes mehr. Die gesamte Palette wurde von Securitas unlängst etwa beim Bau des DC Tower 1 eingesetzt.

Basissicherung ab 100 Euro monatlich
Welche Möglichkeiten im Einzelfall zum Einsatz kommen, hängt von den zu sichernden Werten und auch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. „Die Kosten dafür sind völlig unterschiedlich, es hängt davon ab, wie lange Mitarbeiter vor Ort sind, welche Mittel eingesetzt werden, ob die Technik gekauft oder gemietet wird“, sagt Alexander Laskaridis. Ab einem monatlichen Beitrag von 100 Euro gebe es aber zumindest eine Basissicherung, fügt er hinzu.

Ähnlich äußert sich Michael Berger, Key-Account-Manager beim Wettbewerber Group 4 S: „Eine kleine Alarmanlage für einen Container lässt sich beispielsweise schon um 100 Euro im Monat realisieren.“ Genau Preisdetails wollen die Sicherheitsunternehmen nur im Rahmen individueller Angebote nennen: „Die Beratung ist sehr wichtig, weil wir aus Technik und Dienstleistungen ein Gesamtpaket schnüren“, sagt Berger. Er weist darauf hin, dass trotz aller möglichen Maßnahmen ein stabiler Bauzaun, gute Schlösser und Türen wichtig bleiben: „Der Dieb soll möglichst lange aufgehalten werden, damit er die Geduld verliert und von einer Revierstreife oder der alarmierten Polizei gefasst wird.“

Der schwarze Peter bleibt aufgrund der Aufrüstung der Baubranche allerdings bei jenen, die nichts tun. Das meinen zumindest die Sicherheitsexperten. Kriminelle kundschaften heute vor ihrer Tat die Situation genau aus. Entsprechende Schutzmaßnahmen lassen sie dann dort einrichten, wo diese ihrer Meinung nach ungestört ihren kriminellen Aktivitäten nachgehen können.

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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