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Walter Bornett, Renate Scheichelbauer-Schuster und Paul Eiselsberg.

Stagnierende Konjunktur

09.04.2015

Nach Berechnungen der KMU Forschung Austria könnte das Gewerbe und Handwerk aus dem Entlastungsvolumen der kommenden Steuerreform ab 2016 bis zu einer Milliarde Euro mehr Umsatz erzielen.

Dieses Umsatzwachstum ist aber auch dringend notwendig, wie der Blick auf die soeben publizierten Konjunkturdaten zeigt: Das Jahr 2014 ist so zu Ende gegangen wie es die Quartalsergebnisse erwarten ließen: Die nominelle Umsatzentwicklung 2014 ging um 0,1 Prozent zurück. Bereinigt um die durchschnittliche Preissteigerung von 0,8 Prozent (bei einer Inflation von 1,7 Prozent) ergibt sich ein Umsatzrückgang um real minus 0,9 Prozent.

Auch das erste Quartal 2015 liegt unter den Ergebnissen von 2014: Betriebe mit guter Geschäftslage (16 Prozent) sind deutlich weniger als Betriebe mit schlechter Geschäftslage (25 Prozent). „Immerhin sind die Umsatzentwicklungen erstmals gegenüber dem Vorjahresquartal leicht positiv“, fasst Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria zusammen. „Auch die Personalplanungen zeigen eine leichte Erholung, was auf eine optimistischere Zukunftssicht schließen lässt.“

Im Detail ergaben sich 2014 schwächere Entwicklungen vor allem in den Bereichen Bau, Kfz-Techniker, Kunststoffverarbeiter und Installateure. Besonderen Preisdruck verspürten zudem die Tischler. Besser entwickelten sich der Bereich Nahrungs- und Genussmittel und technologische Frontrunner wie die Mechatroniker.

Leichte Erholung bei Investitionen

„Immerhin ist derzeit schon mit plus zehn Prozent eine leichte Erholung der Investitionen zu erkennen“, weist Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich in die Zukunft. Nun komme es darauf an, die positiven Signale der Steuerreform und die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen und Personaleinstellung durch mutige und nachhaltige Schritte der Bundesregierung zu ergänzen.

„Ganz richtig hat die Regierung in ihrer Klausur in Krems die entsprechenden Akzente gesetzt: Wir brauchen die angekündigten Impulse im Wohnbau dringend, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen. Dabei ist auch der Beitrag der Länder und Gemeinden bei der Beschaffung der Flächen und der Sicherstellung der Widmung wichtig“, erinnert Scheichelbauer-Schuster an die Notwendigkeit gemeinsamer nachhaltiger Anstrengungen.

Im Bereich der Unternehmensfinanzierung braucht es tatsächlich dringend erleichterte alternative Finanzierungen, weil bei anspringender Konjunktur nicht damit zu rechnen ist, dass die Banken angesichts der eigenen Eigenkapitalanforderungen ausreichend Kredite zur Verfügung stellen können. Daher wird erleichtertes Crowd-Funding in Zukunft eine viel größere Rolle spielen als bisher, um neue Geschäftsideen zu verwirklichen. Diesen neuen Ideen soll auch eine erhöhte Forschungsprämie vermehrt auf die Sprünge helfen.

ÖstereicherInnen attestieren Meisterbetrieben hohe Qualität

„Aus diesen Entwicklungen ergibt sich eindeutig eine weiter steigende Bedeutung von Qualität und Qualifikation für die Zukunftsfähigkeit des österreichischen Gewerbes und Handwerks“, gibt sich Scheichelbauer-Schuster überzeugt. Schließlich attestieren 95 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher laut einer aktuellen IMAS-Studie den Meisterbetrieben eine hohe Qualität, 93 Prozent fühlen sich sicher, wenn sie einen Handwerker mit Meisterprüfung mit einer Reparatur beauftragen. 68 Prozent der Österreicher lehnen es ab, die Meisterprüfung abzuschaffen, und 3/4 aller Österreicher sind überzeugt, dass diese Qualifikation ein wichtiger Schutz für die Konsumenten ist. Dazu kommt, dass 77 Prozent der Bevölkerung eine gute Ausbildung mit Abschlussprüfung für notwendig halten, und 2/3 die mit diesem System verbundene klassische Lehre als guten Start ins Arbeitsleben ansehen.

Autor/in:
Redaktion Color
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