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Die lange Leine: Diese kleinen Geräte sorgen für die Einbindung der Maschine ins Baustellennetz. Die Box von Trimble ist an der Seite der Kabine montiert.Bei der neuen Planierraupe die Topcon-Box bei der neuen D61PXi ist die Verbindung fix auf dem Dach angebracht.3-D-Visualisierungen der Baustelle in EchtzeitDie lange Leine: Diese kleinen Geräte sorgen für die Einbindung der Maschine ins Baustellennetz. Die Box von Trimble ist an der Seite der Kabine montiert.Bei der neuen Planierraupe die Topcon-Box bei der neuen D61PXi ist die Verbindung fix auf dem Dach angebracht.3-D-Visualisierungen der Baustelle in Echtzeit

Vernetzte Baustellen

28.03.2014

Geht es nach der Papierform, sollte die vernetzte Straßenbaustelle bei größeren Projekten bald ­Standard sein.

 

Als an jenem Samstag Mitte März der Wind mit mehr als hundert Stundenkilometern über die Kiesgrube Zöchling bei Herzogenburg blies und dunkle Wolken am Himmel starke Regenfälle ankündigten, entschloss sich Johann Bosch, Geschäftsführer von Sitech Austria, die Vorführung der neuen Baumaschinensteuerung und der dazupassenden Bausoftware um zwei Stunden früher als geplant zu beenden. Das konnte er guten Gewissens tun, denn der Andrang an den insgesamt zwei Tagen übertraf seine Erwartungen bei weitem: „Fast alle wichtigen österreichischen Kunden waren hier, aber auch aus Ungarn, Tschechien oder dem ehemaligen Jugoslawien kamen Besucher“, so die zufriedene Bilanz von Bosch zum Abschluss der Veranstaltung. 

Waren bei Trimble und Sitech in Herzogenburg Baumaschinen von Caterpillar, Liebherr, Volvo und Bomag sowie eine Bohranlage von Atlas Copco zu sehen, geht’s demnächst beim Wettbewerber Topcon exklusiver zu – zumindest markenmäßig: Das Unternehmen präsentiert vom 10. bis zum 12. April gemeinsam mit Komatsu im oberösterreichischen Molln die Topcon-Maschinensteuerungen sowie die passende Software von Sitelink. Letztere umfasst die komplette Baustellenkommunikation, Datensteuerung, Maschinenverfolgung und ein Berichtssystem. Außerdem gibt es in Molln die erste Planierraupe mit integrierter Maschinensteuerung zu sehen, die D61PXi-23 von Komatsu. Auch für diese Veranstaltung wird reger Besuch der Baubranche erwartet.

Zukunftstechnik 
Der simple Grund für das Interesse an den Präsentationen: Trimble und Topcon zeigen die Zukunft des Baus, vor allem des Straßenbaus. Zwar sind in Österreich noch viele Bauunternehmen gegenüber den neuen Technologien skeptisch, dennoch dürfte die Maschinensteuerung langfristig bei größeren Straßenbau-Baulosen nicht aufzuhalten sein. Das System bietet in Echtzeit schließlich den totalen Überblick über das Geschehen auf der Baustelle. 

Völlig neu sind einige der dabei verwendeten Elemente nicht. GPS-gesteuert arbeiten Grader oder Walzen schon seit einigen Jahren. Die Arbeitsleistung wird ebenfalls schon auf vielen Baustellen erfasst. Wirklich neu bei den Lösungen von Trimble und Topcon ist der Umstand, dass alle Maschinen in das System eingebunden werden und somit das gesamte Baustellen­geschehen vernetzt wird. Gerhard Kronlachner, bei Kuhn in Salzburg für das Thema verantwortlich, schwärmt von den Möglichkeiten der Technik: „Wer Topcon in Kombination mit der Software von Sitelink nützt, erhält eine dreidimensionale Übersicht über die gesamte Baustelle inklusive des 3-D-End­profils von Straßenverlauf und Hangprofilen, er sieht mit farblichen Anzeigen, ob die Verdichtung ausreichend ist oder ob Höhenprofile eingehalten werden.“ Und das ist längst nicht alles, was die Maschinensteuerungen in Verbindung mit der entsprechenden Software können. Die Technik informiert beispielsweise, wo auf der Straßenbaustelle zu viel, wo zu wenig Material anfällt. Dadurch kann optimal disponiert und das baustelleneigene Material verbaut werden, was Zu- und Abtransporte erspart. 

Qualitätssicherung
Die Baustellenvernetzung trägt auch wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Sie sorgt etwa dafür, dass alle Beteiligten nach dem letzten Stand der Planung vorgehen. Die Maschinensteuerung auf Basis der Plandaten bringt wesentlich höhere Präzision, Abweichungen vom Soll reduzieren sich von Zentimeter auf Millimeter. Vor allem wird der Ablauf des Straßenbaus vom Planieren übers Verdichten bis zum Asphaltieren lückenlos und in Echtzeit überwacht und protokolliert. Der Baustellverantwortliche kann Fehler sofort erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Teure nachträgliche Korrekturen sollten nicht mehr notwendig sein. Letztlich fallen Vermessungsarbeiten während des Baus ebenso weg wie das Auspflocken.

All das zusammen verspricht nicht nur mehr Qualität, sondern auch Kosteneinsparungen, die die beträchtlichen Investitionen in das System – rund 40.000 bis 50.000 Euro pro Baumaschine – in einem überschaubaren Zeitraum aufwiegen sollen. Johann Bosch von Sitech berichtet, dass Kunden beim Einsatz von Gradern im Straßenbau mit einer 3-D-Maschinensteuerung eine Leistungssteigerung von 50 Prozent registrierten. „Die Amortisationszeit hängt von den Einsätzen ab, sie wird in manchen Fällen zwei Jahre betragen, in anderen drei Jahre, aber in allerspätestens vier Jahren macht sich das bezahlt“, behauptet Bosch. 

Kompatibilität 
Da die Basisstationen nach einem einheitlichen Protokoll kommunizieren, lassen sich unter dem Dach der jeweiligen Softwarelösung auch Maschinensteuerungen der jeweils anderen Marke einsetzen. Viele Baumaschinenproduzenten legen sich aufgrund dieser Kompatibilität nicht auf ein System fest: „Wir sind der Meinung, dass unsere Kunden eigene Lösungen bevorzugen“, sagt etwa Roman Baschera, Geschäftsführer der neuen CNH-Niederlassung in Wöllersdorf. Die entsprechenden Schnittstellen zum Anbau der Maschinensteuerungssysteme sind bei den Maschinen vorhanden, auch und ganz besonders bei den Gradern von CNH, „wo wir auf eine große Tradition aufbauen“, meint Baschera in Anspielung auf die einstmals legendären O&K-Grader, die heute in weiterentwickelter Form von CNH gefertigt werden.

Caterpillar hat sich in puncto Maschinensteuerung eindeutig deklariert. Der Konzern arbeitet weltweit mit Trimble zusammen und betreibt auch gemeinsame Entwicklungsprojekte. Für Cat-Repräsentant Zeppelin fungiert deshalb die deutsche respektive österreichische Trimble-Vertriebsorganisation Sitech als Technologiepartner für Vertrieb und Service von Maschinensteuerungssystemen. „Wir haben einen absoluten Profi als Partner, der unsere Kunden im Bereich Maschinensteuerung optimal betreut“, sagt Zeppelin-Österreich-Geschäftsführer Friedrich Mozelt.

Integrierte Technik
Wettbewerber Komatsu setzt auf Topcon. Komatsu hat vor kurzem die erste Planierraupe herausgebracht, bei der unter dem Titel „Intelligent Machine Control“ die Maschinensteuerung auf Basis von Komtrax und das Baustellenverwaltungssystem von Topcon integriert sind, und das in Verbindung mit einer vollautomatisierten Schildsteuerung. Diese Schildsteuerung überwacht beim Grobplanum die am Schild anliegende Last und passt die Schildhöhe selbständig an. „Die Maschine arbeitet damit viel vorausschauender als ein Mensch, was die Effizienz beträchtlich steigert “, so Gerhard Kronlachner. Beim Abtragen höherer Schichtstärken sollen durch die Vollautomatisierung der Raupe anstelle von sieben bis acht Arbeitsdurchgängen nur noch drei bis vier erforderlich sein. 

Asphaltmischanlage eingebunden
In die vernetzte Straßenbaustelle wird bald auch die Asphaltmischanlage eingebunden sein. In der Vorwoche waren Repräsentanten österreichischer Asphaltwerke bei Ammann in der Schweiz, um die diesbezüglichen Möglichkeiten auszuloten. Herbert Pirklbauer, Head of Market Area Central Europe bei Ammann Austria, ist optimistisch, dass die Eingliederung der Asphaltproduktion bald realisiert sein wird. Die gesamte Disposition soll künftig elektronisch erfolgen. Auf der Baustelle wird der Verantwortliche auf einen Blick sehen, ob und welche Lkw mit Mischgut unterwegs zu ihm sind oder wie viel Asphalt im Verladesilo bereitliegt. Umgekehrt wird der Mischmeister im Asphaltwerk über den laufenden Einbau des Asphalts informiert sein. „Bleibt ein Fertiger auf der Baustelle stehen, kann die Produktion im Asphaltwerk sofort dem Geschehen angepasst werden“, sagt Pirklbauer. 
Aufgrund der zumindest auf Papierform nachgewiesenen Vorteile dürfte der Einstieg in diese Technologie kaum einem im Straßenbau tätigen Unternehmen erspart bleiben. Gerhard Kronlachner von Kuhn: „Für die Großen sind Maschinensteuerungssyteme bereits ein sehr aktuelles Thema. Und damit wird es auch für die kleinen interessant, denn wenn ein großer Betreiber die gesamte Baustelle über ein solches System steuert, wird er von seinen Subunternehmern ebenfalls diese Technologie fordern.“ Maschinenführer dürften jedoch nur bedingt Freude mit der Technologie haben. Ihre gesamte Arbeit wird schließlich in Echtzeit überwacht. Kleines Trostpflaster: Läuft beim Einsatz etwas schief, bleibt immer noch die Ausrede auf einen Softwarefehler im Baustellennetzwerk.


Info
Sanieren und Verdichten
Vor einigen Jahren haben Johannes Fürpass, Alois Kohler und Martin Müller eine in ihrer Art einzigartige Technologie zur Straßensanierung entwickelt. Beim System Terra-Mix wird auf den brüchigen Asphalt ein spezielles Bindemittel aufgebracht. 
Im selben Arbeitsgang bricht die eingesetzte Maschine die Fahrbahndecke auf und mischt das Bindemittel 35 Zentimeter tief ein. Mittlerweile hat sich das patentierte Straßensanierungssystem bei etlichen Praxiseinsätzen bewährt. Nun will das Team Vertriebsbüros in mehreren europäischen Ländern einrichten. Mittlerweile ließen sich die drei Tüftler eine weitere Novität einfallen: Mit einem 65-Tonnen-Bagger, an dessen Arm ein neun Tonnen schwerer Impulsverdichter befestigt ist, wollen sie Boden mit Schlagimpulsen bis zu einer Tiefe von acht Metern verdichten. 

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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