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Kompakter und leichter, neuer Bosch-Akku-Winkelschleifer: Das Gerät wiegt nur 2,3 Kilogramm, was sich besonders bei Arbeiten über Kopf bemerkbar macht.  Foto: BoschBedienungsfreundlicher Makita-Winkelschleifer: Schlanker Griff, rutschfeste Oberfläche und der Schalter noch dazu genau dort, wo der Daumen liegt. Foto: MakitaGriff-Innovation: Mit dem Sensitiv-Griff lassen sich Werkzeuge von Fein auch auf der Höhe der Achse des Bohrers oder Schraubers halten. Die Kraft wird so geradlinig auf jenen Punkt gebracht, an dem gebohrt und geschraubt wird. Foto: FeinDetailverbesserungen: Beim Hobel von Makita kann die Arbeitstiefe stufenlos und präzis eingestellt werden. Je nach Arbeitssituation werden die Späne links oder rechts ausgeworfen.  Foto: MakitaKapp- und Gehrungssäge von Milwaukee mit Posaunenauszug für einfacheres und sichereres Transportieren des Werkzeugs auf der Baustelle. Foto: MilwaukeeSo macht der Transport der Tischkreissäge Freude: Das neue Modell von Metabo ist rollbar, in Sekunden auf- und abgebaut und um bis zu 50 Prozent leichter als andere mobilen Tischkreissägen.  Foto: Metabo

Werkzeug aus dem Drucker

01.02.2013

Ergonomie ist bei Elektrowerkzeugen heute ein wichtiges Kaufkriterium. Damit die Geräte tatsächlich gut in der Hand liegen und die Arbeit erleichtern, betreiben die Hersteller beträchtlichen Entwicklungsaufwand. 

Bei Fein, dem deutschen Premium-Hersteller von Profi-Elektrowerkzeugen, halten Experten immer öfter Bohrmaschinen oder Winkelschleifer in der Hand, die frisch aus dem Drucker kommen. Das dreidimensionale Drucken ist allerdings (noch) nicht ein neues Herstellungsverfahren für Werkzeuge. Mit der Technologie werden, so erzählt Heinz Dolzer, Leiter des Produktmanagements bei Fein in Schwäbisch Gmünd-Bargau, die von Designern entworfenen Neuheiten direkt in realistische Modelle um-gesetzt: „Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, Anwendungstechnik und Schulung können damit schon in einer frühen Phase die ergonomischen Qualitäten neuer Werkzeuge testen.“

Zwei oder drei Runden mit jeweils optimierten Modellen werden bei Fein durchgeführt. In der letzten Runde bindet man oft auch Endkunden ein. Den Aufwand nimmt das Unternehmen auf sich, obwohl Fein seit fast 120 Jahren Werkzeuge herstellt und über einen entsprechend großen Erfahrungsschatz verfügt, wie Heinz Dolzer betont. Das Ziel ist die Entwicklung von Elektrowerkzeugen, die noch besser in der Hand liegen und mit denen es sich ermüdungsfreier arbeiten lässt. Genau das verlangen die Kunden: „Ergonomie stellt für die Nutzer von Elektrowerkzeugen ein immer wichtiger werdendes Kaufkriterium dar“, erläutert der Produktmanager von Fein.

Handgriffe, Schalter und Stellräder überprüfen

Wie Fein arbeiten alle führenden Markenanbieter heute intensiv an der ergonomischen Optimierung der Elektrowerkzeuge, kooperieren mit Industriedesignern und nutzen Rapid Prototyping, um Prototypen für reale Tests bei Experten und Anwendern herzustellen. Frauke Kielblock, Leiterin Innovationen und Design beim deutschen Profi-Werkzeug-Hersteller Metabo, erläutert Inhalte dieser Prototypentests so: „Dabei geht es beispielsweise darum, den Handgriff zu überprüfen oder Schalter und Stellräder zu checken.“ Die Einbindung der Nutzer sei deshalb wichtig, „weil es beispielsweise einen Unterschied macht, ob die Maschine vorwiegend ein- oder zweihändig bedient wird und ob mit oder ohne Handschuhe gearbeitet wird“, sagt Kielblock.

Immer wieder werden zusätzlich aufwändige Studien durchgeführt, die mitunter verblüffende Erkenntnisse bringen. Bosch lässt beispielsweise Handwerker bei der Arbeit filmen, diese Aufnahmen werten dann Experten aus. „Das intensive Beobachten durchs Filmen zum Beispiel gibt uns interessante Aufschlüsse“, erzählt Sasa Lenz-Jevtic, Vertriebsleiter für Bosch-Werkzeuge in Österreich, über das Projekt. Die Ergebnisse differieren manchmal wesentlich von einfachen Befragungen. Bei einem konkreten Arbeitseinsatz etwa schätzten befragte Handwerker, dass sie ihren Akku-Bohr-Schrauber täglich zwischen 45 Minuten und einer Stunde verwendeten. Die Auswertung der Filmaufnahmen zeigten ein völlig anderes Bild: Die tatsächliche Laufzeit der Akku-Bohr-Schraubern betrug zwölf Minuten.

Neuer Griff für Schrauber und Bohrer

Die umfangreichen Entwicklungsarbeiten führen oft zu innovativen Lösungen für seit langem in Gebrauch befindliche Werkzeuge. Bohrmaschinen und Schrauber von Fein etwa haben zusätzlich zum klassischen Pistolengriff einen sogenannten Sensitiv-Griff. Er liegt auf der Höhe der Achse des Bohrers, und auf den ersten Blick sieht das Halten der Maschine an dieser Stelle etwas ungewöhnlich aus. Bei vielen Arbeiten bietet diese Lösung jedoch ein entscheidendes Plus, behauptet Heinz Dolzer. „Die Maschine stellt damit quasi die Verlängerung der Hand dar. Die Kraft kann geradlinig auf den Punkt gebracht werden, wo gebohrt oder geschraubt wird.“

Auf extrem schlanke Griffe, die zusammen mit entsprechender rutschfester Oberfläche das Halten erleichtern, setzen viele Hersteller bei Winkelschleifern. Christian Will von Makita erläutert: „Die Winkelschleifer sind so leichter und ermüdungsärmer zu halten.“ Seine Winkelschleifer bieten – so behauptet er – noch ein kleines bisschen mehr: „Der Schalter ist bei unseren Geräten im Gegensatz zu vielen anderen Produkten genau dort, wo der Daumen liegt. Das ist sehr praktisch!“

Qualität muss man begreifen

Die Vorteile solcher ergonomischen Lösungen lassen sich in Prospekten und in der optischen Begutachtung beim Fachhändler jedoch kaum erkennen, meint Heinz Dolzer von Fein: „Ergonomische Qualität von Elektrowerkzeugen merkt man erst dann, wenn man so ein Ding in die Hand nimmt. Diese Eigenschaften muss man im wahrsten Sinn des Wortes begreifen.“ So lässt sich feststellen, ob das Werkzeug gut in der Hand liegt, also der Griff richtig gestaltet ist, die Schalter optimal zu bedienen sind und das gesamte Produkt richtig ausbalanciert ist. 

Andere ergonomische Vorzüge erschließen sich erst bei längeren Arbeitseinsätzen. Denn zum ergonomischen Arbeiten trägt nicht nur die Form bei, eine wichtige Rolle spielt auch die Wahl des Werkzeugs: „Wer täglich Löcher im Bereich von acht bis zwölf Millimeter Durchmesser bohrt, sollte ein genau auf diesen Zweck abgestimmtes Elektrowerkzeug einsetzen. Denn dieses wird sicher leichter und damit besser und angenehmer zu handeln sein als ein für das Bohren von 20-Millimeter-Löchern bestimmtes Gerät“, heißt es beispielsweise bei Milwaukee in Deutschland. 

Leichtgewicht im Trend

Leichtere Geräte sind denn auch ein wesentlicher Trend, um die Arbeit mit Elektrowerkzeugen ergonomischer und damit weniger belastend zu machen. Bosch bringt beispielsweise in diesen Tagen einen Akku-Winkelschleifer für Profis auf den Markt, der mit einer 125-Millimeter-Scheibe arbeitet und eine Schnitttiefe von bis zu 35 Millimetern erreicht. Das ganze Gerät wiegt nur 2,3 Kilogramm, was sich besonders bei Arbeiten über Kopf bemerkbar macht, aber auch sonst die Ermüdung verringert. Die kompakten Maße dieses Winkelschleifers erleichtern überdies das Arbeiten in Bereichen mit wenig Bewegungsspielraum wie auf Leitern und Baugerüsten. 

Auf das Leichtgewicht seiner Geräte weist auch Heinz Dolzer hin. Der neue Akku-Trockenbauschrauber von Fein wiegt nur 1,7 Kilogramm und ist damit der leichteste seiner Klasse. Überdies hat er ein sehr kleines Griffmaß: „Das alles ermöglicht ein nahezu ermüdungsarmes Arbeiten, auch über Kopf oder mit einer Hand“, behauptet Dolzer. Neue Schlagschrauber, die leichter, kürzer und ergonomischer sind, bringt in diesen Tagen auch Metabo auf den Markt. „Durch die kürzere Bauform und das reduzierte Gewicht liegt die Maschine dabei noch besser in der Hand“, so Frauke Kielblock von Metabo. Das „Abspecken“ der Schlagschrauber bewegt sich dabei in Bereichen, die durchaus merkbar sind: Ein leistungsstarkes Modell mit 210 Newtonmetern wurde im Vergleich zur Vorgängergeneration um immerhin 200 Gramm auf 1.600 Gramm leichter gemacht. 

Kleine Akkus für neue Kompaktgeräte

Dass Elektrowerkzeuge kompakter werden und weniger Gewicht auf die Waage bringen, ist meist Resultat moderner Werkstofftechnologien. Aber auch Li-Ionen-Akkus tragen dazu bei. Ein Akku mit dieser Technologie bringt ungefähr die gleiche Leistung wie ein früher doppelt so großer Stromspeicher. Das ermöglichte auch neue Werkzeugtypen. AEG Milwaukee bietet beispielsweise eine besonders kompakte und leichte Akku-Säbelsäge, die für viele Arbeiten auf der Baustelle wie zum Trennen von Leichtbaustoffen oder zum Schneiden von Kunststoffrohren mehr als genug Kraft mitbringt.

Kleine, aber feine Details tragen ebenfalls zur besseren Handhabung der Geräte bei. Makita hat beispielsweise das Design seinen Hobel verbessert. Über ein griffiges Einstellrad kann jetzt stufenlos und sehr präzis die Arbeitstiefe eingestellt werden. „Außerdem haben die neuen Hobel statt einer jetzt auf beiden Seiten Öffnungen für den Auswurf der Späne“, sagt Christian Wille. Damit lassen sich die Späne je nach Arbeitssituation nach links oder rechts auswerfen. Scheinbar eine Kleinigkeit, die aber im täglichen Einsatz das Arbeiten angenehmer macht.

Gesundheitsschädliche Vibrationen

Ein weiteres wesentliches Ergonomie-Thema heißt Vibration. Hier gibt es seit Juli 2005 europaweit einheitliche Regelungen, wie lange mit einem Gerät in Abhängigkeit von den Vibrationen gearbeitet werden darf. Der Grund: Sogenannte Ganzkörper- oder Hand-Arm-Schwingungsbelastungen können nach langjährigem Arbeiten zum sogenannten vibrationsbedingten vasospastischen Syndrom oder auf gut Deutsch zur Weißfingerkrankheit führen, einer sehr unangenehmen Durchblutungsstörung der Finger. Auch hier wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. 

Bei Winkelschleifern ist eine wesentliche Maßnahme zur Reduktion der Vibrationen die optimale Auswuchtung aller rotierenden Teile. Zusätzlich setzen viele Hersteller auf spezielle Handgriffe, die durch Dämpfungen quasi vom vibrierenden Gerät entkoppelt sind. Darüber hinaus gibt es noch spezifische Lösungen. Bei Metabo ist man beispielsweise auf den sogenannten Autobalancer stolz, der die Vibrationsbelastung entscheidend reduziert. Dahinter steckt eine Art Kugellager, das auf der Antriebswelle des Winkelschleifers sitzt und dort den Stützflansch ersetzt. Die Stahlkugeln sind frei beweglich und erzeugen eine Gegenkraft zu den Unwuchten der Trenn- oder Schruppscheiben.

Mehr Mobilität

Um die Arbeit des Handwerkers zu erleichtern, haben sich die Hersteller auch über den Transport der Werkzeuge Gedanken gemacht. Metabo bringt in diesem Monat eine neue Tischkreissäge mit einem „einzigartigen Mobilitätskonzept“, so Kielblock, auf den Markt. Die Säge verfügt über ein integriertes Untergestell und ein Fahrwerk, sie ist sekundenschnell auf- und abgebaut und im Vergleich zu anderen mobilen Tischkreissägen um bis zu 50 Prozent leichter. Ebenfalls mit dem einfacheren Transport von Sägen hat sich Milwaukee auseinandergesetzt. Eine Kapp- und Gehrungssäge des Herstellers besitzt einen Posaunenauszug. Wird die Maschine an einem der beiden Tragegriffe vom Boden hochgehoben, bleibt der Auszug automatisch arretiert. Das Umsetzen und der Transport der Säge auf der Baustelle werden deutlich einfacher und sicherer.

Auf andere Weise unterstützt Bosch die Mobilität der Handwerker – mit der L-Boxx, einem Transport- und Aufbewahrungssystem für Elektrowerkzeuge und Zubehör. Die Besonderheit ist, dass sich durch einfaches Verklicken und Trennen verschiedene L-Boxxen zu einer Einheit zusammenbauen lassen. Die Einheit kann passt außerdem ohne Adapter zu dem Fahrzeugeinrichtungssystem von Sortimo. Wer einmal Handwerker mit mehreren Werkzeugkoffern mühsam über die Baustelle balancieren sah, weiß, welche Erleichterung diese Lösung bietet.

Spezialisten leisten mehr

Der Haken all dieser vielversprechenden Neuerungen: Damit der Anwender das für ihn richtige Gerät findet, muss der Fachhandel optimale Beratung bieten. Und der Käufer selbst muss sich intensiver als früher mit der Wahl des Gerätes auseinandersetzen. Aber der Aufwand lohnt sich, denn Spezialisten für den jeweiligen Einsatzzweck sind vom ergonomischen Standpunkt die bessere Wahl. Das bestätigt Florian Nimmervoll, Lehrbeauftragter am Institut Scionic Industrial Design der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz: „Es gibt keine eierlegenden Wollmilchsau. Ein Werkzeug, das für einen Bereich optimal handzuhaben ist, wird bei einem anderen Einsatz Nachteile bringen.“ 

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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