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Zeitloses erschaffen

17.02.2014

Alle Fäden müssen bei ihm zusammenlaufen – und das bis zum Ende eines Projekts. Schließlich zählt nur das Gebaute. 

Marcus Ender ist quasi im Planungsbüro seines Vaters aufgewachsen. Dennoch bezeichnet er rückblickend diese Phase zwar als prägend, seine Entscheidung, selbst im Bauwesen aktiv zu sein, habe sie aber nicht beeinflusst. Für ihn war es das eigene Schaffen, das im Mittelpunkt seines Interesses lag und liegt, und obwohl er kurz mit Grafik- und Werbedesign liebäugelte, entschied er sich dennoch für die Architektur. „Ich wollte einfach Dinge nachhaltig gestalten, Projekte erarbeiten, die Bestand haben“, erklärt Ender seine Entscheidung. „Mich interessierte schon damals die Gestaltung des Umfelds, das Wirken auf den öffentlichen Raum und die Zeitlosigkeit guter Architektur.“ Werte und Vorstellungen, die auch seine heutige Arbeit prägen.

Von Orten, Wünschen und Bedürfnissen
Es ist die Auseinandersetzung mit dem Ort, an dem ein Projekt realisiert werden soll, die der 40-jährige Diplomingenieur und Baumeister noch immer spannend findet. Dabei sei es egal, ob man sich an einem steilen Ort im Walsertal oder in der engen Häuserschlucht einer Altstadt befindet, das Projekt ist eng mit dem Ort verbunden, und der Ort stellt Ansprüche und Vorgaben. Hinzu kommen noch Budgetvorgaben und Wünsche der Bauherren, vor allem die Wünsche gilt es jedoch zu hinterfragen.

„Ich habe eine Art Leitsatz“, beschreibt der Vorarlberger seine Herangehensweise. „Unsere Bauherren bekommen von uns nicht immer nur das, was sie sich wünschen. Sie bekommen darüber hinaus auch das, was sie brauchen. Und manchmal ist das nicht unbedingt dasselbe.“ Dies sei ein positiver, aber nicht immer einfacher Prozess. Dennoch sei es ihm sehr wichtig, die Wünsche des Bauherrn zu hinterfragen und zu filtern, damit am Ende klare Bedürfnisse herauskommen, die dann das Bauwerk auch erfüllt. Ebenso versuche er sich von Trends und modischen Einflüssen fernzuhalten. Ender will Gebäude schaffen, die völlig zeitlos und konstruktiv nachhaltig sind. Eine Einstellung, die sich auch auf sein Privatleben auswirkt. So restauriert er gerade seine 50 Jahre alte Vespa GS 160, und seinen Morgenkaffee trinkt er aus Lilien-Porzellan-Tassen, die er mühsam auf Flohmärkten ergattert hat.

Alle Fäden in familiärer Hand
Am Ende zählt immer nur das Gebaute. Damit sich Ender keine Sorgen machen muss, die Projekte auch nach der Fertigstellung wiederzuerkennen, versucht er bis zum Ende alle Fäden bei sich zusammenlaufen zu lassen. „Es ist wichtig, dass man die Kompetenz hat, von Anfang an vor dem Hintergrund von Kostenwahrheit und Termintreue zu planen“, erläutert er seine Auffassung des Berufs. „Ich muss selbst in der Lage sein, mit den ganzen Professionisten, die in der Umsetzungsphase beteiligt sind, die Details auszuarbeiten und passende Lösungen zu finden.“

Diese Auffassung teilt auch seine Schwester Ursula Ender, ihres Zeichens ebenfalls Architektin und Baumeisterin. 2009 gründeten die beiden Geschwister die Atelier Ender | Architektur OG, eine Idee, die schon bald im Raum gestanden sei, als festgestanden war, dass auch die jüngere Schwester ihre Liebe zur Architektur zum Beruf machen möchte. Mit seiner Schwester zusammenzuarbeiten sie eigentlich kein großes Thema, sagt Ender lachend. „Natürlich ist man oftmals nachsichtiger, aber gleichermaßen ist natürlich auch bei Meinungsverschiedenheiten die Hemmschwelle niedriger. Geschwister bleiben Geschwister, das ist halt einfach so.“

Faszinationen einer Berufung
Bei der Frage, ob er sich vorstellen könne, sein Reißbrett samt Entwurfsstift an den Nagel zu hängen, überlegt der Vorarlberger kurz, winkt dann aber ab. Er glaube nicht daran, dass es ihn dereinst nicht mehr interessieren werde zu bauen. Vielleicht komme irgendwann der Moment, an dem er loslassen könne, an dem er ein Projekt nicht mehr bis zum Ende betreuen zu muss. Mehr aber auch nicht. Dafür gibt es auch noch zu viele Ideen, die ihn reizen würden. „Ein sakraler Bau wäre interessant. Dort ist die Atmosphäre, die man erzeugt, wichtiger als die reine Funktion. Das Spiel mit dem Raum, der Lichtführung und die Reduktion auf das Wesentliche sind sehr faszinierend.“ Man merkt, dass das Miterleben, wie eine Idee wächst, gebaut, begehbar und fertiggestellt wird, für Ender nichts an Faszination verloren hat, und man glaubt ihm, dass er sich im Moment keinen anderen Beruf vorstellen kann.


Das Unternehmen
Atelier Ender | Architektur OG
Seit 2009 ist Marcus Ender gemeinsam mit seiner Schwester Ursula Ender Geschäftsführer des eigenen Ateliers. Das Vorarlberger Familienunternehmen mit Sitz in Nüziders verwirklichte schon eine breite Palette an Projekten – von Wohnbau und Raumgestaltung über öffentliche und gewerbliche Gebäude bis hin zu Sanierungen. Nebenbei beschäftigt man sich immer wieder mit Sonderprojekten, so zum Beispiel mit dem Bau eines Baumhauses unter der Bauherrschaft von Kindern, der Konstruktion von Bühnenbildern oder der Abhaltung von Workshops im Sinne der Architekturvermittlung für Kinder in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Architekturinstitut.


VITA
Marcus Ender
1973: Geboren in Bludenz
1983 : Bundesrealgymnasium Bludenz
1987: HTL Rankweil
1992: Architekturstudium in Innsbruck
1996: Studienbegleitender Einstieg in die Berufswelt, Umsetzung der ersten Gebäude in Feldkirch und Bludenz
2009: Gründung des Ateliers Ender gemeinsam mit Schwester Ursula Ender
2012: Baumeisterprüfung

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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