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Abenteuer Rumänien

12.11.2010

Mit einem Prestigeprojekt, der Sanierung von 41 Bahnbrücken, etabliert sich Bilfinger Berger am rumänischen Markt. Trotz erkennbaren Wachstumspotenzials bremst die Krise die Osteuropa-Euphorie spürbar.

Als Nischenplayer, unter dem Motto „small is beautiful“, ist Bilfinger Berger seit 2007 auch auf dem doch recht abenteuerlichen Markt Rumänien zu Hause. Ganz klein sind die Aufträge dann aber doch nicht, wie das gegenwärtige Prestigeprojekt in Sachen Eisenbahnbau zeigt. 41 Eisenbahnbrücken der rumänischen Staatsbahnstrecke Campina–Preadal, einst der Stolz des ehemaligen Diktators Ceausescu, galt es zu sanieren. Nach 33 Monaten Bauzeit soll die Strecke im Dezember pünktlich an die hiesige Eisenbahngesellschaft CFR übergeben werden.
Kein bisschen zu schnell, tickt hier die Uhr doch noch etwas anders: Das Land der 22 Millionen Einwohner zählt beispielsweise gerade einmal 300 Kilometer Autobahn. Umso bedeutender ist die demnächst erneuerte Bahnteilstrecke. Sie erlebt durch den EU-Beitritt eine Renaissance und ist stark frequentierter Teil des sogenannten transeuropäischen Verkehrskorridors IV, der letztendlich Berlin mit Istambul und Thessaloniki verbinden soll.

Herausforderung Osteuropa
Abseits des durch die Europäische Union kofinanzierten Teilprojekts zur Modernisierung der Staatsbahn um insgesamt 69 Millionen Euro – die Gesamtinvestition liegt bei rund 300 Millionen Euro – hat die weltweite Finanzkrise aber auch in Rumänien die Ost-Europa-Euphorie gedämpft. „Wir haben in einem überhitzten Markt angefangen. Der hat inzwischen nachgelassen, viele Projekte wurden auf Eis gelegt“, schildert Ludger Koch, Geschäftsführer der Bilfinger Berger Baugesellschaft, die Situation. Unter anderem in eine Schublade gepackt und von der Regierung nicht mehr weiterverfolgt: das Autobahnprojekt A3, nach dem Private-Public-Partnership-Modell.

Aber auch weiterhin geplante Projekte gelten als Herausforderung mit sehr langen Vorlaufzeiten und oftmals verschobenen Zeitplänen – noch zusätzlich verschärft durch die Krise. Überraschend spielt selbst das Thema Arbeitskraft hierzulande eine wesentliche Rolle. Jürgen Holzheider, Leiter der rumänischen Niederlassung: „2007 gab es kaum gutes, gewerbliches Fachpersonal. Viele Rumänen arbeiteten im Ausland, vor allem in Spanien und Italien. Jetzt erst kommen sie langsam wieder zurück.“ Und abgesehen davon zeigten sich auch bei den nun abgeschlossenen Brückenrenovierungen selbst etliche Besonderheiten: So musste Bilfinger Berger beispielsweise mehr als 13 Kilometer Baustraßen errichten. Wie in Rumänien üblich, durften durch die Verkehrseinschränkungen auf den Hauptstraßen sogar Materialtransporte nur nachts durchgeführt werden. Auch die Bewältigung der Topografie war nicht ohne: Alle der 16 Stahl- und 25 Stahlbetonbrücken liegen in einem engen Gebirgstal. Der Höhenunterschied der Baustellen beträgt rund 700 Meter.

Trotz allen Hürden sieht Koch in Rumänien einen Zukunftsmarkt: „Mit Wachstumspotenzial. In Zukunft wird es einen starken Ausbau geben.“ Vor allem in der Infrastruktur herrsche erhöhter Nachholbedarf, im Straßen-, Bahn- wie Wasserbau oder der Sanierung der gesamten Energietechnik. Nach wie vor schlummern auch die Altlasten der bewegten Geschichte Rumäniens im Verborgenen. Hier. im Bereich Umwelttechnik, entdeckte Bilfinger Berger gar ein weiteres, breites Betätigungsfeld. So ist ein Deponieprojekt in Bacau mit einem Auftragsvolumen von 14 Millionen Euro kurz vor der Fertigstellung. Gemeinsam mit einem lokalen Partner wurden für die Stadtverwaltung eine neue, in der ersten Baustufe 62.000 Quadratmeter große Deponie samt zahlreichen Sammel- und Behandlungsanlagen sowie Büro- und Laborgebäude errichtet und die Altanlage geschlossen. Von der Regionalverwaltung Bistrita-Nasaud erhielt Bilfinger Berger Anfang dieses Jahres den Auftrag, bis November 2011 beinahe 100 wilde Müllablagerungen zu räumen und vier Altdeponien zu sichern und zu schließen.

Es gehe aktuell zuerst um den guten Ruf und eine gute Performance, ist Koch mit der Entwicklung in Rumänien zufrieden. Zusammen mit der kürzlich fertiggestellten Autobahnstecke M6 in Ungarn stellen die Brückensanierungen in Rumänien wichtige Großprojekte von Bilfinger Berger Baugesellschaft in Osteuropa dar. Trotz wünschenswerter Folgeaufträge bleibt die Kernstrategie des Unternehmens aber bestehen: „Moderates Wachstum – aber nicht um jeden Preis.“

(Redaktion: Helmut Melzer, Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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