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Abhilfe gegen eine Zumutung

16.01.2004

Lange wurde schon darüber debattiert, nun wird es endlich umgesetzt: Das Entree vor dem Schloss Schönbrunn wird neu gestaltet und umgebaut.

Was hat es nicht schon für Pläne für das unschöne Vorfeld für das Schloss Schönbrunn geben. Bereits vor Jahrzehnten plante man die Untertunnelung der B1 – was jedoch aufgrund der Kosten wieder verworfen wurde. Mehr als 7 Millionen Besucher jährlich erfordern verbesserte Zugangsmöglichkeiten zum Gesamtareal. Daher hat die Stadt Wien und die Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. einen neuen Plan, wie man das Vorfeld schöner gestalten kann.
Das Schloss Schönbrunn wird seit mehr als 10 Jahren von der Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H geleitet. Eigentümer des Schlosses Schönbrunn mit seinen Gärten und dem in die Anlagen integrierten Tiergarten (Gesamtfläche circa
1,2 Quadratkilometer) ist weiterhin die Republik Österreich. Bereits das Testament Maria Theresias (1780) bildet die Basis für die Verwaltung des Schlosses, getrennt in Bau- und Betriebsverwaltung, durch den Hofärar (Staatskasse). Seit der Gründung der Republik im Jahre 1918 zeichnet das Wirtschaftsministerium, heute Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, für die Verwaltung Schönbrunns verantwortlich. Die Gesamtanlage Schönbrunn wurde bis zum Jahre 1992 von der Schlosshauptmannschaft Schönbrunn verwaltet.
1992 wurde Schloss Schönbrunn auf Initiative des damaligen Wirtschaftsministers Dr. Wolfgang Schüssel der neu gegründeten Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (kurz SKB) anvertraut. Privat erwirtschaftete Investitionen in eine schonende, originalgetreue Renovierung der Anlage konnten mehr Besucher anlocken und die Umsätze wie auch die Erträge deutlich erhöhen. Ziel der Unternehmensführung ist es weiterhin, unter größtmöglicher Schonung der historischen Substanz jene finanziellen Mittel zu erwirtschaften, die zur Renovierung und Erhaltung dieses historischen Juwels erforderlich sind.

Mit ersten Maßnahmen wurde bereits begonnen
Die SKB und die Stadt Wien arbeiten nun gemeinsam an einer schrittweisen Umsetzung dieses ehrgeizigen Vorhabens. Kürzlich präsentierten Wiens Planungsstadtrat DI Rudolf Schicker sowie die Geschäftsführer der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., Dr. Wolfgang Kippes und Dr. Franz Sattlecker, die Pläne für die Umgestaltung. So soll das Vorfeld von Schönbrunn in drei Modulen bis ca. 2007/2008 attraktiver gestaltet werden. Mit den ersten Maßnahmen wurde bereits begonnen. Insgesamt umfasst das Investions- beziehungsweise Bauvolumen rund 43 Millionen e.
„Momentan ist die Situation am Schloss-Vorfeld für Besucher eine Zumutung. Tosender Verkehr führt direkt am Schloss-Eingang vorbei, die Zugänge über stark befahrene Straßen sind nicht gesichert, andere Zugangswege sind in schlechtem Zustand“, betonte Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker. Nicht zuletzt die schlechte Parksituation verlange dringend nach einer Lösung. „Derzeit warten Reisebusse im Wohngebiet auf Abruf“, beschreibt Stadtrat Rudolf Schicker die unzumutbare Situation, wie sie seit Jahrzehnten bereits herrscht.
Um Abhilfe zu schaffen, hat die Stadt Wien 2001 zu einem städtebaulichen Wettbewerb über die Vorfeldgestaltung des Weltkulturerbes ausgerufen. Als Sieger hervorgegangen sind die Architekten Schindler & Szedenik sowie die Landschaftsplaner Auböck & Kárász.
Die Grundidee ihres Projekts ist die Verlegung der stadteinwärts führenden Bundesstraße B1 vom Schloss weg zur U-Bahn-Trasse hin. „Die dadurch frei werdenden Flächen lassen eine weitläufige, teilweise begrünte Vorplatzgestaltung zu“, so die Architekten. Ausreichend Parkplätze für Busse und PKWs werden in einer dreigeschoßigen Tiefgarage unter dem Vorfeld bereitgestellt. Die Besucher gelangen über eine unterirdische Passage direkt zum Schloss. Entlang dieser Passage sollen Informationseinrichtungen, Shops, Gastronomie und ein neues Ticketzentrum untergebracht werden.

Modul 1: Neugestaltung des Vorfeldes
Um die Bearbeitung des Konzepts zügig voranzutreiben, sind Stadt Wien und die SKB eine gut abgesprochene Kooperation eingegangen. „Gemeinsam mit der Stadt Wien wurde eine Arbeitsteilung gefunden, die es ermöglicht, Teilprojekte bereits jetzt in Angriff zu nehmen“, so Geschäftsführer Wolfgang Kippes.
Die Schlossgesellschaft hat schon mit der Neugestaltung des Vorfeldes zwischen Schlossgebäude und Schönbrunner Schlossstraße begonnen. Der Weg von der U4-Station bis zur Straße wurde attraktiver ausgestaltet, die Fassade des Schlosses wird gerade renoviert, und die Arbeiten zu einer Verlegung des jetzt nördlich der Kastanienbaumreihe liegenden Gehsteigs weg von der Straße auf die Südseite sind im Gange: Gesamtkosten 2,5 Millionen Euro aus den Einnahmen in Schönbrunn. Da nämlich die SKB auch für die Pflege aller Baulichkeiten samt ihrer Ausstattung und Einrichtung zuständig ist. Auch – wie vorgeschrieben – müssen bauliche Veränderungen, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten im Einklang mit der kulturtouristischen Nutzung sein. Alle diese Aufgaben sind gesetzlich festgeschrieben und nach strengsten denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu erfüllen.

Modul 2: Entlastung des Vorplatzes vom Verkehr
Die Stadt Wien saniert 2004/2005 die Schönbrunner Schlossbrücke als den großen Vorplatz am Haupteingang mit einem geschätzten Aufwand von 7,8 Millionen Euro. Das Tragwerk wird in technischer Hinsicht auf die geplante Straßenverlegung ausgerichtet, und die Verkehrsströme werden bereits den späteren Anforderungen entsprechend umgelegt. Die Neuorganisation des Verkehrs bringt eine Verlagerung des Verkehrsknotens auf die andere Seite des Wienflusses. „Der direkte Vorplatz wird weniger befahren und damit massiv entlastet“, ist sich Stadtrat Rudolf Schicker sicher. Denn eine freie Ampelphase wird den sicheren und angenehmen Übergang zum Schloss ermöglichen.

Modul 3: Verlagerung der B1, Tiefgarage, Besucherzentrum
Auch der dritte und aufwändigste Teil des Projektes, nämlich die Straßenverlegung sowie der Bau von Tiefgarage und Besucherzentrum, werden von der Schlossgesellschaft und der Stadtplanung intensiv bearbeitet. Die neue Straßenführung kommt über das ehemalige Sportareal. Dieses wird an den östlichen Rand des Areals unmittelbar an die Grünbergstraße verlegt. Die großen Freianlagen werden dabei zugunsten einer multifunktionalen Halle auf eine wesentlich kleinere Fläche reduziert.
Dieser Teilbereich soll aber im Rahmen eines Private-Public-Partnership-Projektes abgewickelt werden. Die Gesamtkosten für das Vorhaben werden vom Projektentwickler, der Schlossgesellschaft, auf 40 Millionen Euro geschätzt. „Die Finanzierung muss im Rahmen eines Gesamtpaketes mit Stadt, Bund und vor allem einem Investor entwickelt werden“, so Geschäftsführer Wolfgang Kippes. Gesucht wird ein Partner, der im Zuge einer Dienstleistungskonzession auf eigenes Risiko die unterirdischen Vorhaben errichtet, betreibt und bespielt. „Die SKB hat diesbezüglich bereits erste viel versprechende Markterkundungsgespräche geführt“, so Geschäftsführer Kippes weiter. Voraussetzung des Projekts ist ein neuer Flächenwidmungsplan, an dem die Stadt Wien derzeit mit Nachdruck arbeitet.
Wie vergangene Projekte bereits gezeigt haben, ist es der SKB bereits gelungen, das Schloss Schönbrunn zu beleben. Sämtliche privat erwirtschafteten Mittel der SKB fließen direkt in die Erhaltung und die historisch-authentische Gestaltung der wertvollen Kulturattraktionen. Hat die Gesellschaft das Schloss in teilweise bedenklichem baulichen Zustand übernommen, so gab es im ersten Jahrzehnt der Schlossgesellschaft die aufwändigste Bautätigkeit seit der Errichtung der Anlage im 18. Jahrhundert. Die Restaurierung der Gloriette, der Umbau der Orangerie, die Generalsanierung des Neptunbrunnens oder die Errichtung des Irrgartens und des Kinder-Mitmach-Bereich „Schloss Schönbrunn erleben“ sind nur einige Beispiele der zahlreichen Umsetzungen. Ein attraktives Vorfeld passt daher bestens zur Vollendung. Nicht umsonst wurde fast das ganze Areal Schönbrunn bereits 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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