Direkt zum Inhalt

Achtung, (fan)sichere Baustelle

06.12.2007

Baustellen sind laut Fußball-EM-Komitee ein Sicherheitsrisiko. Im Bereich der Stadien müssen strenge ­Sicherungsauflagen erfüllt werden, über die Wiener Innenstadt wird sogar ein generelles Bauverbot verhängt.

Österreich und die Schweiz sind die Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 2008. Von 7. bis 29. Juni wird die Euro 2008 Fußballfans aller Nationen vor die Mattscheiben und in die insgesamt acht Stadien – jeweils vier in Österreich und vier in der Schweiz – locken. Nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft ist die EM das weltgrößte Sportereignis. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen der heimischen Tourismuswirtschaft. Vor allem die Gastronomiebetriebe nahe der Austragungsstätten in Wien, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck rechnen mit einem gehörigen Umsatzplus. Doch des einen Freud ist des anderen Leid: Während Hotels, Restaurants, Bars und die Straßenverkäufer in den eigens eingereichteten Fanmeilen alle Hände voll zu tun haben werden, stehen auf den Baustellen im Bereich um die Stadien die Baugeräte still. Denn nach Einschätzung der Euro-Organisatoren stellen Baustellen ein extremes Sicherheitsrisiko dar und müssen während der Entscheidungsspiele zusätzlich gesichert bzw. sogar geschlossen werden.

Stillstand auf der Baustelle

Rund 5.000 zusätzliche Mitarbeiter werden im Mai und Juni im Sicherheitsdienst der Stadien stehen und für Ruhe und Ordnung unter den über 600.000 Fans sorgen, die zu den Ausscheidungsspielen in Österreich erwartet werden. Mit dem größten Ansturm an Fußballbegeisterten wird für Ende Juni im Wiener Ernst-Happel-Stadion gerechnet. Neben drei Gruppenspielen, dem Viertel- und dem Halbfinale wird sich hier im Endspiel am 29. Juni entscheiden, wer den Fußball-Europameister-Titel mit nach Hause nimmt. Vor diesem Hintergrund gelten im Bereich um das Stadion und für die innerstädtische Fanmeile erhöhte Sicherheitsauflagen. So wird es im gesamten 1. Bezirk, im Zeitraum vom 19. Mai bis zum 4. Juli, keine Bewilligung für Bauvorhaben oder die Lagerung von Baustoffen auf öffentlichem Gut geben. Dieselben Einschränkungen gelten auch für den Stadionbereich und weite Bereiche des zweiten Bezirks, wie zum Beispiel den Praterstern, die Lassallestraße, den Handelskai oder die Prater Hauptallee. Einen genauen Überblick über die betroffenen Zonen im Wiener Stadtgebiet findet man auf der Homepage der Landesinnung Bau Wien (http://www.ausdruck.at/bauinnung/pdfs/ueberblick.pdf).

Im restlichen Teil des zweiten Bezirks sowie in den Bezirken innerhalb des Wiener Gürtels werden Bauvorhaben ebenfalls nur in beschränktem Umfang möglich sein. Tiefbauarbeiten werden bis Anfang Juli ausgesetzt, Hochbauarbeiten werden nur mit zusätzlichen Auflagen bewilligt. Diese betreffen vor allem die Form und die Höhe der Baustelleneinfriedung sowie Maßnahmen, die ein Beseitigen von Gerüsten verhindern sollen.

Kooperative Zusammenarbeit

Für die Koordinierung der Baustellen und die Kontrolle hinsichtlich der Einhaltung aller ­Sicherungsmaßnahmen zeichnet die Magistratsabteilung (MA) 46 Verkehrsorganisation und techn. Verkehrsangelegenheiten verantwortlich. Bei der Umsetzung der Auflagen im Rahmen der Euro 2008 setzt Norbert Berger, Baustellenkoordinator der MA 46, auf die Kooperationsbereitschaft der Bauunternehmen: „Im vergangenen Jahr wurden lediglich 15 von insgesamt 500 Beanstandungen im Bereich der Baustellenabsicherung von uns zur Anzeige gebracht. Die Zusammenarbeit mit den Firmen läuft in der Regel reibungslos und Mängel werden sehr rasch behoben.“

Berger schätzt, dass rund 150 bis 200 kleinere und größere Baustellen im Bereich des 1. und 2. Bezirks betroffen sein werden. Auf privaten bzw. speziellen Flächen, wie zum Beispiel im Bereich der U-Bahn-Baustellen der Wiener Linien oder den Flächen der ÖBB, gilt laut Berger das Hausrecht des Immobilieninhabers – eine entsprechende Absicherung gegenüber öffentlichem Gut vorausgesetzt. So schützen die Wiener Linien beispielsweise die U-Bahn-Baustelle am Handelskai durch eine massive Holzeinplankung mit drei Meter hohen Plakatwänden und Betonleitwänden im Sockelbereich. Die Tore zur Baustelle werden versperrt und sind rund um die Uhr bewacht. Privaten Bauherren rät er, die Bautätigkeiten in die Liegenschaft zu verlegen und in deren eigenen Interesse für eine entsprechende Einzäunung und Sicherung zu sorgen. „Schon in der Bauablaufplanung muss auf mögliche Einschränkungen bzgl. der Anlieferung und Lagerung von Baumaterialien geachtet werden“, mahnt Berger. Dasselbe gilt auch für die technischen Hausanschlüsse: Grabungsarbeiten für den Anschluss von Wasser, Strom oder Gas werden im EM-Zeitraum nicht genehmigt.

Tom Cervinka

aus: bau.zeitung 48/07, S. 14

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Strauss: Auch Porr stellt auf Grund des Corona-Virus Baustellen ein.
Aktuelles
20.03.2020

Die Porr stellt in Absprache mit Auftraggebern den laufenden Betrieb von mehr als 1.000 Baustellen ein.

Die Strabag stellt auf Grund des Corona-Virus den geregelten Baubetrieb ein.
Aktuelles
18.03.2020

Die Strabag stellt auf Grund des Corona-Virus den geregelten Baubetrieb bis 22.3.2020 ein. Einzelne Baustellen bleiben aber offen.

39.122 Bauarbeiter bekamen dank der neuen Hitzeregelung in diesem Jahr hitzefrei.
Aktuelles
11.12.2019

Jede zweite Firma hat die neue Hitze­regelung 2019 genutzt.

Service.
19.03.2019

Ihre Fragen zum Thema BIM, beantwortet von den BIM-Baumeistern. Diesmal geht es darum, was BIM für den Ausführenden bedeuten kann.

Service-Extra
15.09.2015

Die Prüf- und Warnpflicht gemäß § 1168a ABGB ist oftmals Thema auf Baustelle. – Doch wo verläuft die Grenze, und was ist vertraglich zu leisten?

 

Werbung