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Altbauten auf dem Prüfstand

15.01.2010

Wie standfest sind Gebäude aus der Gründerzeit, und halten sie einem Erdbeben stand? Anhand einer ­wissenschaftlichen Versuchsreihe ergründen Experten aktuell die Robustheit alter Bauten in Österreich.

Hinter einer unscheinbaren Fassade versteckt sich in der Rinnböckstraße 39 im 11. Wiener Gemeindebezirk wissenschaftliche Forschung auf hohem Niveau. Eine Einladung in die Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien (MA 39) verspricht Spannung: Ein wissenschaftlicher Versuch soll klären, ob Österreichs alte Bausubstanz aus der Gründerzeit einem Erbeben standhält. Das weckt Erinnerungen an einen Kassenschlager im Kino: In „2012“ lässt Regisseur Roland Emmerich ein Schreckensszenario wahr werden und kurzerhand die halbe Welt einstürzen. Vor dem inneren Auge macht sich eine spektakuläre Vorstellung des angekündigten Feldversuchs breit: Erwartet die aus sicherheitstechnischen Gründen stark begrenzte Zahl an eingeladenen Journalisten etwa gar ein spektakulär simuliertes Beben samt einstürzenden Gebäuden? Dabei, so desolat wirkt die Anlage der MA 39 dann doch nicht.

Wie standsicher Österreichs Gebäude sind, dieser Frage gehen seit vielen Jahren das Institut der Sachverständigen für bautechnische Immobilienbewertung (ÖIBI) und das MA 39 nach. Die modernen Baumaterialien für den Neubau sind längst alle getestet – jetzt gehen die Experten einen Schritt zurück. Die Frage, die man sich aktuell in der Versuchsreihe in den Hallen an der Rinnböckstraße stellt: Wie sieht es denn eigentlich mit der alten Bausubstanz aus?
Vor allem bei den Wiener Gründerzeithäusern, zwischen 1850 und 1919 erbaut, fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse über damals gebräuchliche Baumaterialien und Bauweisen sowie Normen und Richtlinien für Sanierungen. Die Gründerzeithäuser machen immerhin rund ein Viertel aller Gebäude der Bundeshauptstadt aus. „Wir wollen uns Klarheit verschaffen, um den Bestand sicher zu machen und zu erhalten“, erklärt Walter Brusatti, Vizepräsident des ÖIBI, die Gründe für die im Dezember gestarteten Versuche. Die Erforschung der Bauweisen der Gründerzeit im Rahmen des Projektes „Wiener Baukultur“ soll es ermöglichen, präzise Angaben zu den tatsächlich notwendigen Verstärkungsmaßnahmen im Einzelfall zu treffen.
Nach derzeitigen Schätzungen, so lassen die Experten vor Ort wissen, ist alleine dadurch ein Einsparungspotenzial von bis zu 100.000 Euro pro zu revitalisierenden Gebäude möglich.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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