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Alte Eleganz in neuem Glanz

24.06.2011

Der Wiener Stadterneuerungspreis wurde heuer zum 26. Mal vergeben und zeichnete drei Projekte aus. Die ausgefallene Verwandlung stark abgewohnter Häuser in neue Altbaujuwele gab dafür den Ausschlag.

Das ist immer eine besonders schwierige Aufgabe: Ein bezaubernd schönes, aber sehr abgewohntes Gebäude so zu renovieren, dass die Balance zwischen der Eleganz des Altbaus und neuer Haustechnik erhalten bleibt. Gerade in einer Stadt wie Wien mit ihrem weltberühmten Straßenbild und Fassaden, hinter denen sich auch heute noch bisweilen Substandardwohnungen verbergen, ist das Thema für Stadtentwicklung und ausführende Baufirmen ständig präsent. Nicht ohne Grund ist die Mehrheit der Wiener Baugewerbebetriebe auf Sanierung, Erhaltung und den Umbau städtischer Objekte spezialisiert.

Seit 26 Jahren gibt es einen Wettbewerb, der die herausragenden Beispiele ihrer Arbeit auszeichnet und damit gleichzeitig ein Signal an die gesamte Branche sendet: den Wiener Stadterneuerungspreis. Grundlage sind in der Bundeshauptstadt ausgeführte Projekte, die im Wesentlichen der Erhaltung der Bausubstanz und der Verbesserung der Wohnverhältnisse dienen, wobei neben ästhetischen und sozialen Aspekten auch thermisch-energetische Faktoren entscheidend sind. Die Prämierung gilt als eine besonders hohe Auszeichnung der beteiligten Architekten und Baumeister. 1986 rief die Wiener Bauinnung diese Auszeichnung ins Leben, Anfang Juni fand die diesjährige feierliche Verleihung im Kursalon Wien statt.

Den Vorsitz der Jury übernahm Walter Ruck, Spartenobmann der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien. Weitere Jurymitglieder: Andreas Kolbitsch (TU Wien), Walter Stelzhammer (Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland), Michaela Trojan (Wohnfonds Wien), Brigitte Jank (Wirtschaftskammer Wien), Friedrich Dahm (Bundesdenkmalamt), Hans-Werner Frömmel (Bundesinnung Bau) und der Spartenobmann-Stv., Baumeister Alexander Safferthal.

 

Das Siegerprojekt

Der erste Preis des Wettbewerbs ging an die Sanierung eines aufgelassenen Gewerbekomplexes einer ehemaliger Tankstelle im 12. Wiener Gemeindebezirk, in der Tivoligasse 21/Bonygasse 42. Die Planung der Arbeiten übernahmen die Bauplanungs- und Management GmbH und der Baumeister Fritz Brandstätter. Ausführende Firma war das Unternehmen G. & M. Maier Bauunternehmung. Die Kosten betrugen 4,6 Millionen Euro. Das frühere Tankstellengelände sei mit großem Einsatz in ein modernes und zeitgemäßes Wohn- und Bürobjekt mit Rückzugsmöglichkeiten in „Grün-Oasen" umgewandelt worden, so die Begründung der Jury. Die Sanierung trage entscheidend zum städtebaulichen Erscheinungsbild im 12. Bezirk bei.

Dabei wird die Umgebung des Projekts als „sozial vielschichtig", „multikulturell" oder einfach als „rau" beschrieben. Die Wohnungen waren demnach zuvor großteils unbewohnt, viele von ihnen ohne sanitäre Einrichtungen. In der Mitte der großen Gebäudeanlage stand eine alte Tankstelle, daneben eine Garage mit Werkstatt. Das von der Tankstelle kontaminierte Erdreich musste im gesamten Innenhof bis zu vier Meter tief ausgewechselt und mit einem speziellen Wasserfilterverfahren gereinigt werden. Außerdem wurde eine 45 Meter lange und zehn Meter hohe Halle in der Mitte durchgeschnitten und zur Hälfte entfernt. In die so entstandene Baulücke wurde ein sechsgeschoßiger Neubau aus Betonfertigteilen gebaut. Ein weiteres Gebäude aus der Gründerzeit mit drei Bestandsgeschoßen samt Keller wurde saniert und um zwei Geschoße aufgestockt. Im Hof verlegte die ausführende Baufirma ein Netzsystem mit integrierten Schubsicherungs­elementen auf die Außenhaut des tonnenförmigen Dachs für die Begrünung.

 

Platz zwei

Das Haus Burggasse 71/Hermanngasse 33–35 im 7. Gemeindebezirk beheimatet heute das Ateliertheater und 34 Wohnungen. 2008 beauftragte die Eigentümerin des Hauses, die Privatstiftung zur Unterstützung und Bildung von ArbeitnehmerInnen, das Architekturbüro Schwalm-Theiss & Bresich mit der Planung für die Sanierung und den Dachgeschoßausbau. Die öffentliche Ausschreibung für die Bauausführung gewann Hazet Bauunternehmung GmbH.

Eine Besonderheit an diesem Projekt ist nicht nur die Vielzahl der durchgeführten Maßnahmen, sondern die soziale Herangehensweise, die Bauherrn, Planer und Baufirma stark von zahlreichen anderen unterscheidet: Den Baubeginn leitete ein „Sanierungsauftaktfest" mit den Mietern ein, ihre Wünsche wurden umfassend berücksichtigt – und die gesamte Sanierung mit Kosten von vier Millionen Euro kam dank Rücklagen aus Mieteinnahmen und Förderungen der Stadt Wien ganz ohne Mieterhöhungen zustande. Am Ende stand ein vormals stark abgewohntes Haus mit neuer Fassade, mehr Wohnräumen und auf dem letzten Stand der Technik.

 

Platz drei

Auch der dritte Platz ging an ein saniertes Gründerzeithaus in der Novaragasse 42 im zweiten Bezirk, den Bau­frau Nina Bachinger in Auftrag gegeben hat. Architekt Kronreif & Partner ZT. Ing. übernahm die Planung, Grüner + Co. Planungs- und Baugesellschaft setzte das Projekt um. Vor den Arbeiten wies das Haus in einer Seitengasse des Pratersterns erhebliche Mängel auf: einen gänzlich versiegelten und verbauten Innenhof und zahlreiche Wohnungen, die nicht mehr dem zeitgemäßen Wohnstandard entsprachen. Durch die Sanierung und den zweigeschoßigen Dachgeschoßausbau entstanden im Straßentrakt zwölf und im Hofgebäude zwei moderne Wohnungen. Besonders überzeugte die Jury eine intensive Begrünung des allgemein zugänglichen Dachgartens mit Terrassen auf einer bestehenden Garage sowie der begrünte Innenhof.

Peter Martens

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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