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Alufelgen und Trommeldrehzahlen

22.07.2011

Typisiert auf 35 Tonnen dürfen Transportbetonmischer trotzdem nur mit 32 Tonnen auf den Straßen fahren. Die Hersteller reagieren auf diese Beschränkung mit überraschenden Lösungen und gehen die Sache auch mit den CO2-Emissionen an. Von Wolfgang Pozsogar.

Wer Thomas Hoffman, den Geschäftsführer der Betonwerke Schwarz im burgenländischen Burgauberg, ärgern will, lässt sich von ihm acht Kubikmeter Transportbeton auf die Baustelle liefern. Das Perfide an einem solchen Auftrag ist, dass seine Fahrmischer zwar acht Kubikmeter Beton fassen würden, er aber aufgrund verkehrsrechtlicher Vorschriften in die auf einem Zweiachser montierte Trommel nur sieben Kubikmeter einfüllen darf. Hält sich Hoffmann an die gesetzliche Regelung, muss er – obwohl sich der Transport mit einer Fuhre erledigen ließ – zweimal zur Baustelle fahren. Den Schaden hat nicht nur er durch höhere Kosten: „Die zusätzlichen Fahrten, die allein bei unserem Werk mit einer Produktion von 24.000 Kubikmeter Fertigbeton im Jahr anfallen, kosten nicht nur Treibstoff, sie belasten auch die Umwelt mit rund 23.000 Tonnen CO2“, poltert Hoffmann.

Auf die gesamtösterreichische Produktionsmenge von Transportbeton umgelegt, bringen die Gewichtsbeschränkungen, so hat Hoffmann penibel ausgerechnet, Jahr für Jahr eine zusätzliche CO2-Belastung von rund 19.000 Tonnen. Dabei beeinträchtigt eine volle Trommel in keiner Weise die Verkehrssicherheit, meint der Geschäftsführer der Betonwerke Schwarz: „Die Fahrzeuge sind auf 35 Tonnen typisiert, aber wir dürfen sie nur mit 32 Tonnen fahren.“ Die ökonomisch und ökologisch zweifelhaften Regelungen zu ignorieren kann teuer zu stehen kommen: Die Kontrollen sind dicht, und wer von der Polizei mit einem zumindest nach den geltenden Regelungen überladenen Fahrmischer ertappt wird, kann mit einer saftigen Strafe von einigen hunderten Euro rechnen.


900 Kilogramm weniger

Die Probleme mit der Zuladung plagen nicht nur die Transportbetonbranche in Österreich. In Deutschland und in einer Reihe anderer Länder herrschen ähnliche Vorschriften. Die Hersteller haben sich deshalb einiges einfallen lassen. Ein Weg, um die Acht-Kubikmeter-Trommel tatsächlich mit dieser Menge Beton zu füllen, heißt Leichtbauweise. Stetter hat beispielsweise einen Leichtbaumischer im Programm, der insgesamt um 900 Kilogramm leichter ist als die Normalversion. Das geringere Gewicht ermöglicht, rund einen halben Kubikmeter Beton mehr in die Trommel zu füllen.

Einen neuen Fahrmischer in Leichtbauweise mit der Zusatzbezeichnung SLX hat auch der italienische Hersteller Cifa im Programm: „Mit Zusatzmaßnahmen zur Gewichtsreduktion wie einen Aluwassertank und Alufelgen kann ein Vorarlberger Unternehmer damit jetzt die vollen acht Kubikmeter der Trommel ausnützen“, erzählt Philipp Hittmayr, der die Cifa-Fahrmischer in Österreich verkauft. Wirklich anfreunden mit solchen Lösungen kann sich Thomas Hoffmann von den Betonwerken Schwarz nicht: „Wir sind im ländlichen Gebiet, fahren oft auch in schwierigem Gelände, da verkürzt die extreme Leichtbauweise die Lebensdauer des Fahrmischers.“

Superleichtbauserien

Harald Reith, Geschäftsführer des deutschen Herstellers Intermix, meint etwa: „In Österreich fährt man oft recht hartes und damit verschleißintensives Material. Da ist es logisch, dass die Lebensdauer einer Leichtbautrommel geringer sein wird“. Cifa-Österreich-Repräsentant Philipp Hittmayr sieht die Sache etwas anders: „Die Superleichtbauserien sind noch nicht so lange am Markt, aber bei ersten Zwischenbilanzen schaut es in puncto Lebensdauer nicht schlecht aus.“ Als Grund, weshalb gewichtsreduzierte Trommeln mit ihrer geringeren Wandstärke gleiche Lebensdauer bieten wie Standardlösungen, verweist Hittmayr auf die Stahlqualität, die Cifa verwendet: „Es ist ein ultraverschleißfester Stahl aus Finnland“, erläutert er.

Hittmayer schneidet damit ein Lieblingsthema der Fahrmischerhersteller an: die Stahlqualität. Die größten Töne spuckt hier Marktführer Liebherr, wo man auf eine bei Thyssen exklusiv für das Unternehmen produzierte Stahlqualität hinweist: „Wir verwenden LH37-Stahl. Er weist einen sehr hohen Kohlenstoffanteil auf und enthält exklusiv Legierungsbestandteile wie Titancarbonnitrite. Das bringt höchste Verschleißfestigkeit“, behauptet Joachim Bareth, Verkaufsleiter für Fahrmischer bei Liebherr. Ein weiterer Vorteil dieses Stahls sei ein spezielles Ferritgefüge, welches ihn auch gut formbar mache, meint Bareth.

Trommeldrehzahl optimieren

Als weiteres exklusives Plus der Liebherr-Fahrmischer nennt Bareth das Trommelsteuerungssystem Litronic-EMC. Bei dieser Technologie wählt der Fahrer lediglich über ein einfaches Steuerelement im Cockpit die Trommeldrehzahl vor, die Drehzahl des Dieselmotors wird vom System automatisch immer im optimalen Bereich gehalten: „Dadurch lassen sich zehn Prozent Treibstoff einsparen und die Trommelumdrehungen um 20 Prozent reduzieren, was die Lebensdauer verlängert. Systeme zur Trommelsteuerung bieten auch andere Hersteller an. Bei der Schwing-Stetter-Technologie gibt es neben der konstanten Regelung der Trommeldrehzahl auch die Möglichkeit, Wartungsintervalle abzulesen. Cifa setzt auf ein System von Bosch-Rexroth, das ebenfalls für eine konstante Trommeldrehzahl sorgt. „Das System ist sehr zuverlässig“, meint Philipp Hittmayr.

Wie weit solche Features bei den Kunden tatsächlich ankommen, da­rüber gehen die Meinungen auseinander. Auf die Aussage, dass man in der Transportbetonbranche sehr oft hört, die Fahrmischer seien ohnehin gleich, meint Liebherr-Verkaufsleiter Joachim Bareth: „Kunden geben natürlich nicht gern zu, dass ein Produkt objektiv besser sei, um nicht mit schlechteren Karten in die nächste Preisverhandlung zu gehen.“ Philipp Hittmayr teilt eher die Sicht seiner Kunden: „Wir bewegen uns alle im selben technischen Bereich, auf dem Markt gelten vor allem Preis und Service“.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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