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Apps mit Appeal für den Bau

08.07.2011

Apps bieten nützliche Funktionen für Büro und Baustelle. Welche muss man haben, was bieten und was ­taugen die kleinen, teilweise kostenlosen Programme für Smartphones und Tablet-PCs? – Ein Überblick.

Kaum jemand geht heute noch „ohne“ aus dem Betrieb. Schließlich ist das Mobiltelefon geschäftlich unentbehrlich und gehört deshalb zum ständigen Begleiter von Baumeistern und Bauhandwerkern. Was liegt näher, als in dieses wichtigste mobile Kommunikationswerkzeug weitere Funktionen zu integrieren? Smartphones vereinen den Leistungsumfang eines Mobiltelefons mit dem eines Taschencomputers, einer Digitalkamera, eines Diktiergeräts und anderem mehr. Mit ihren individuell zusammenstellbaren Applikationen, kurz „Apps“ genannt, sind Smartphones für viele unverzichtbar – privat, wie beruflich. Doch erst die Software macht ein Smartphone zu einem Alleskönner für die Hosentasche.

Faktisch sind Smartphones kleine mobile Rechner, die sich im Hinblick auf die Leistungsdaten und das Einsatzspektrum immer weniger von anderen mobilen PCs wie PDAs oder Netbooks unterscheiden. Dank Mobilfunk und WLAN ermöglichen sie über Mobilfunknetze oder drahtlose lokale Netzwerke den zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf Daten anderer stationärer oder mobiler PCs oder auf das Internet. Bereits mit der im Lieferumfang enthaltenen „Bord­ausstattung“ eines Smartphones kann man unterwegs Termine organisieren, Adress- und Kontaktdaten erfassen und verwalten, E-Mails schreiben etc. Auf der Baustelle können Bauschäden, Ausführungs- oder Montagefehler erfasst und zusammen mit Fotos direkt per MMS oder E-Mail an zuständige Mitarbeiter oder Projektpartner weitergeleitet werden. Wird das Smartphone darüber hinaus mit entsprechender branchenspezifischer Software gefüttert, können direkt beim Kunden Aufmaße für Angebote oder Abrechnungen angefertigt, unterwegs Projektzeiten dokumentiert oder Mitarbeiter und Fahrzeuge koordiniert werden. Per kabelloser Bluetooth-Schnittstelle lassen sich mit Laser-Distanzmessgeräten erfasste Daten direkt einlesen und verarbeiten.


Rascher Datenabgleich

Schnittstellen ermöglichen einen schnellen und bequemen Datenabgleich mit der Bürosoftware. Zunehmend attraktiver werden kleine, kostenlos oder für wenig Geld downloadbare App-Anwendungen. Sie erweitern das Einsatzspektrum eines Smartphones und machen es zum universellen Werkzeug: So kann man es als praktische LED-Leuchte, als mobilen Scanner oder als wissenschaftlichen Taschenrechner einsetzen. Dank eingebauter, relativ hoch aufgelöster Kamera (ab fünf Megapixel) lassen sich Smartphones auch als Scanner einsetzen: Dokumentfotos können in PDFs umgewandelt, teilweise sogar per OCR-Texterkennung in Textdokumente umgewandelt werden. Werden in Zeitschriften abgedruckte QR-Codes („Schneller Antwort-Code“) eingescannt, können weitere Online-Infos abgerufen werden, ohne die Webadresse manuell eintippen zu müssen.

Eingebaute Bewegungs-, Lage-, Licht- oder Näherungssensoren sowie GPS-Empfänger erweitern die Funktionspalette zusätzlich: Mit den entsprechenden Applikationen lässt sich das Smartphone auch als mehr oder weniger präzise Wasserwaage, als mobiles Navi oder sogar für sogenannte „Augmented Reality“-Anwendungen einsetzen, bei denen im Live-Kamerabild zusätzliche Informationen zum unmittelbaren Umfeld einblendet werden.


Nützliche Helfer

Nicht zuletzt sind Smartphones als intuitiv bedienbare Spielekonsolen einsetzbar, und so lassen sich die meisten Apps dem Genre „Spiel, Spaß, Spannung“ zuordnen. Auch deshalb wird es immer schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen und für den Berufsalltag wirklich hilfreiche Apps-Perlen aus dem inzwischen unüberschaubaren Angebot der zahlreichen, nicht immer übersichtlichen App-Stores herauszufischen. Hinzu kommt, dass Unternehmen Apps zunehmend als Werbe- und Marketing­ins­trument und als eine zeitgemäße Form der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen einsetzen.
Nützliches wird dann sehr häufig durch den werblichen Aspekt überlagert, was den praktischen Nutzen mitunter einschränkt.


Betriebssystem bestimmt Angebot
Während bei anderer mobiler Hardware das Betriebssystem Windows die Nutzung praktisch jeder im Büro verwendeter Software erlaubt, muss man sich bei Smartphones auf die vom Betriebssystem unterstützte Software beschränken. Im Smartphonebereich ist die Betriebssystemlandschaft noch relativ vielfältig, und ein Marktführer steht noch keineswegs fest. Die Betriebssysteme Android, Apple iOS, Windows Phone, BlackBerry RIM und andere kämpfen um Marktanteile. Wer bestimmte Programme oder Apps nutzen will, sollte darauf achten, unter welchem dieser Betriebssysteme sie lauffähig sind. Je größer der Verbreitungsgrad des Betriebssystems, desto größer ist in der Regel die App- und Software-Auswahl. Glaubt man den Zahlen der Anbieter, gibt es derzeit weit mehr als eine halbe Million Apps. Davon sind mehr als 360.000 im Online-Shop App Store von Apple, rund 280.000 Apps im An­droid Market, ca. 40.000 im Nokias Ovi Store und rund 35.000 im Blackberrys App World erhältlich. iOS von Apple und Goog­les Android haben also die Nase vorn. Doch auch Windows spielt aufgrund seiner Position im PC-Bereich eine wichtige Größe und tritt mit dem aktuellen Windows Phone 7 gegen Apple und Google an.

Jedes Betriebssystem hat seine Vor- und Nachteile: Googles Android ist offen und flexibel, verfügt zwar über eine etwas kleinere, aber schnell wachsende App-Auswahl. Apples iOS ist nach wie vor un­übertroffen in der intuitiven Benutzerführung und dem großen App-Angebot, nachteilig ist z. B. die fehlende Flash-Unterstützung für die Anzeige multimedialer Web-Inhalte. BlackBerrys RIM hat Stärken in der geschäftlichen Kommunikation, Schwächen im Bereich Multimedia und in der App-Auswahl. Auch der Windows-Mobile-Nachfolger Windows Phone von Microsoft verfügt über Stärken im Office-Bereich, kann aber derzeit auch nur ein vergleichsweise kleines App-Angebot vorweisen.


Wie finde ich nützliche Apps?

Zur Standardausstattung von Smartphones gehören ein Terminplaner, ein Adressverwalter, ein Notizbuch, eine Textverarbeitung, ein Internet-Browser und gegebenenfalls weitere Anwendungen, jeweils in der Mobile-Ausführung. All das und noch viel mehr bieten auch von Drittanbietern programmierte Apps. Das können kleine Ein-Mann-Unternehmen im Nebenerwerb ebenso sein wie große, weltweit agierende Softwarekonzerne. Die Qualität der Apps ist demzufolge sehr unterschiedlich, wobei es durchaus vorkommt, dass engagierte, kleine Anbieter sehr gute Apps und große Softwarehäuser nutzlose, weil zu sehr abgespeckte Apps von Software-Vollversionen offerieren. Da die Produkte von den Onlineshop-Anbietern teilweise getestet und von den Anwendern öffentlich bewertet werden, bildet dies ein gewisses Regulativ, das für ein bestimmtes Qualitätslevel sorgt. Vor Fehl-Downloads oder -käufen ist man dennoch nie gefeit.

Downloadquellen von App-Anwendungen sind vielfältig: Zunächst können Apps über den im Smartphone-Betriebssystem integrierten Onlineshop bezogen und auf dem Smartphone installiert werden. Dazu zählen der App Store von Apple, Android Market von Google, der Windows Phone Marketplace von Microsoft, Ovi Store von Nokia, AppWorld von Blackberry, PlayNow von Sony Ericsson oder die Samsung Apps. Es gibt aber auch zahlreiche weitere Portale, die sich auf kostenfreie oder auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnittene Apps konzentrieren (z. B.: www.gratis-app.com, www.apps-gratis.info).

Je größer das Angebot, desto schwieriger ist es, in einem Online-Shop die Übersicht zu behalten. Zudem tragen die Benutzerführung, die Strukturierung des Angebots oder umständliche/fehlende Suchfunktionen nicht unbedingt dazu bei, dass man im Überfluss schnell das Passende findet. Ein Kritikpunkt ist teilweise auch die unübersichtliche Verwaltung der Apps auf dem Smartphone, was man allerdings durch spezielle Organizer-Apps in den Griff bekommt. Störend und lästig ist auch die im Online-Shop oder in der App immer häufiger eingeblendete Werbung.


Unterschiedliche Praxistauglichkeit

Multifunktionalität hat viele Vor-, aber auch einige Nachteile: Häufig ist die Bedienung aufgrund der Funktionsfülle kompliziert, sodass ungeübte Anwender durch die Vielzahl der Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten überfordert sind. Zwar folgt die Benutzerführung bei Apps gewissen Standards (Scrollen, Blättern, Zoomen per Fingergesten auf dem Multi-Touch-Display etc.), doch funktioniert jede App anders, und man muss sich erst hineinfinden.

Schwächen hat vor allem die Hardware. So muss man etwa gegenüber Einzelgeräten Kompromisse eingehen: Kein Smartphone erreicht beispielsweise die Aufnahmequalität einer guten Digitalkamera oder die Software-Flexibilität, Rechen- und Speicherkapazität eines Büro-PCs. Die kleinformatigen LCD-Displays schließen umfangreichere grafische Anwendungen aus, winzige, virtuelle Tastaturen lassen nur die Eingabe kurzer Texte zu etc. Deshalb sind einige App-Anwendungen (Grafik, Tabellenkalkulation, OCR-Scan etc.) insbesondere auf dem Smartphone schlicht überfordert. Problematisch ist mobile Hardware vor allem in folgender Hinsicht: Mit durchschnittlichen drei bis sechs Stunden reicht die Akku-Betriebsdauer bei Smartphones und Tablet-PCs für einen vollen Arbeitstag noch nicht aus. Die von Herstellern angegebenen, höheren Akkulaufzeiten gelten nur für ein optimales (sprich: praxisfernes) Betriebsprofil. Zwar ist die multimediale Datenübertragung über schnelle Netze mittlerweile nicht mehr unerschwinglich, jedoch nicht immer flächendeckend, unterbrechungsfrei und mit der vollen Geschwindigkeit möglich.

Weitere Kritikpunkte betreffen den Outdoor-Einsatz: Die kleinformatigen LC-Displays sind oft nicht hell genug, um Daten auch bei vollem Tageslicht mühelos ablesen zu können, und die Hardware ist nicht robust genug für den rauen Baustellenalltag. Staub und Nässe können der filigranen Technik schnell den Garaus machen, extreme Kälte (ab –10 Grad) kann für Akkus und Displays zum Problem werden. Beim Gehäuse sollte deshalb auf „Baustellentauglichkeit“ oder zumindest auf eine Nachrüstmöglichkeit (Schutzhülle, Gummiarmierung etc.) geachtet werden.

Sergej Alexandrow
Dorian Kreicic

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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