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Arbeitsschuhe - Wo der Schuh drückt ...

09.05.2007

Baustellen sind keine Spazierwege. Unwegsame Untergründe, morastiger Boden, Schotter- und Kiesberge oder rutschige Betonoberflächen stellen höchste Anforderungen an die Stand- und Trittfestigkeit der Bauarbeiter. Wird nicht auf das richtige Schuhwerk geachtet, dann folgt die Strafe nicht nur sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auf den Fuß.

Sturzverletzungen oder der Fall vom Gerüst stehen in der Unfallstatistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ganz oben auf der Liste der Berufsverletzungen am Bau. Das Schuhwerk hat einen erheblichen Einfluss auf die Produktivität: Schuhe, die drücken oder dem Fuß keinen Halt geben, verursachen auf Dauer Bein- und Kreuzschmerzen und wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus.

Im Rahmen des vierten Teils der bau.zeitung-Praxistestserie zum Thema Arbeitsschutz, geht es den Arbeitsschuhen an die Schuhkrempe. Für die Durchführung des Tests zeichnet das eingespielte Testteam des Lehrbauhofs Ost der BauAkademie Wien verantwortlich, das zwei Wochen lang die Arbeitsschuhe intensiv auf Funktionalität und Tragekomfort hin überprüfte und seine Erfahrungen und Eindrücke in einem Testprotokoll festhielt. In der anschließenden Nachbesprechung wurden die Ergebnisse in Einzelgesprächen und in der Gruppe eingehend diskutiert.

Hightech-Produkt Arbeitsschuh

„Hinsichtlich der Auswahl und Beschaffung von Sicherheitsschuhen besteht in der Bauwirtschaft noch großer Aufholbedarf. Es ist für mich unverständlich, dass man den Arbeitnehmern lediglich ein paar Schuhe zur Verfügung stellt. Man trägt ja auch im privaten Bereich nicht tagtäglich die selben Schuhe“, plädiert Alfred Suppin, VAS-Vorstandsmitglied, an die Verantwortung der Unternehmer. Zwei paar Schuhe zum Wechseln sind nach Ansicht Suppins das absolute Minimum, das man einem Baustellenarbeiter zur Verfügung stellen sollte. Das Wechseln der Arbeitsschuhe wäre aber enorm wichtig, um ein vollständiges Austrocknen sicherzustellen. „In der Praxis werden die Schuhe nach einem Arbeitstag im Spind verschlossen und ein paar Stunden später wieder angezogen. Die Schuhe können nie richtig entlüften“, begründet Suppin sein Anliegen.

Da Sicherheitsschuhe meist den ganzen Tag getragen werden, muss bei der Modell­auswahl auf den Tragekomfort besonderer Wert gelegt werden. Daneben gibt es aber auch noch die technischen Anforderungen, die ein Sicherheits- bzw. Arbeitsschuh in Bezug auf Material und Verarbeitung zu erfüllen hat. „Der Aufbau der Sohle, die Breite der Stahlkappen und die Fersendämpfung – das sind die wesentlichen Punkte, auf die man bei der Auswahl des Schuhwerks achten sollte“, definiert Suppin die drei wichtigsten Kriterien.

Der Aufbau der Sohle ergibt sich aus dem verwendeten Werkstoff. In der Regel kommt heute Polyurethanschaum zum Einsatz. Dieser beinhaltet kleinstporige Luftbläschen, wodurch der Schuh eine ideale Isolierung gegen Kälte aufweist. Wichtig ist auch der Feuchtetransport aus dem Schuh. „Man muss darauf achten, dass in jedem Fall ein so genannter S3-Schuh verwendet wird. Das ist das allererste Qualitätsmerkmal, das zu beachten ist“, definiert Suppin. Das heißt, auch das Obermaterial muss höchsten Standards genügen. Lederersatzprodukte und Spaltleder sind damit aus dem Rennen. Nur hochwertiges S3-Leder, das auch für den Verwendungszweck entsprechend gegerbt wurde, erfüllt die Ansprüche. Damit man im Schuh nicht ins Schwitzen kommt, dafür sorgt unter anderem auch die Brandsohle. Sie bildet sozusagen das Fundament des Schuhs. Auf die Brandsohle wird der Schaft montiert und der Schuhboden angebracht. Die Brandsohle dient vor allem der Absorption von Schweiß, damit der Träger ein trockenes Gefühl im Schuh hat. Besonderes Augenmerk sollte man auch auf die Beschaffenheit und Machart der Laufsohle legen. Für den Baustellenbetrieb muss die Laufsohle über eine Stahleinlage verfügen, die auf der einen Seite die notwendige Durchtrittsicherheit gewährleistet und auf der andren Seite ausreichend Flexibilität bietet, damit ein Abrollen des Fußes bei der Bewegung unterstützt wird und man weniger schnell ermüdet. Auch das Profil der Sohle lohnt einen genaueren Blick. Es soll so beschaffen sein, dass die nötige Griffigkeit und Trittsicherheit gegeben ist und Schmutz trotzdem leicht herausfällt. „Ein Punkt, auf den man nur allzu leicht vergisst. Schuhe, die sämtlichen Schmutz und Morast von der Baustelle aufsammeln, erhöhen die Rutschgefahr und stellen tatsächlich ein Sicherheitsrisiko dar“, mahnt Suppin zur Sorgfalt bei der Schuhwahl.

Punkt zwei, der drei wesentlichen Qualitätsmerkmale – die Stahlkappen – sind beim S3-Schuh ohnehin verbindlich. Aber: „Durch die Stahlkappe kann es im Innenschuh sehr kalt werden“, weiß Testperson Matthias Binder aus eigener, leidvoller Erfahrung zu berichten. Ein hochwertiges Innenfutter schafft hier Abhilfe. Je besser die Stahlkappe zum Fuß hin gedämmt ist, desto wärmer ist es auf der einen Seite und desto weniger spürt man die Stahlkappe. Das Innenfutter darf auch nicht verrutschen, sonst ergeben sich schmerzhafte Druckstellen am Fuß.
Ein komfortables Fußbett sollte bei einem Arbeitsschuh selbstverständlich sein.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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