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Auftrag per Mausklick

10.09.2009

50 Prozent der Aufträge für Klein- und Mittelunternehmen der Baubranche stammen von privaten Bauherren. Online-Auktions-Auftragsbörsen können vor allem in flauen wirtschaftlichen Zeiten zu Neukunden verhelfen.Text: Gisela Gary, Dorian Kreicic

Laut der KMU Forschung Austria setzten die österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr rund 68 Milliarden Euro um. Etwa die Hälfte davon resultiert aus Privatkunden-Aufträgen. Über den Anteil online vermittelter Dienste liegen keine Zahlen vor, diese dürften nach Schätzungen der Portalbetreiber wohl aber bei unter einem Prozent liegen. Ein Markt mit großem Potenzial also – darauf lassen auch die hohen Nutzerzahlen und Zuwachsraten bei Online-Auftragsvermittlungen schließen.

Seit knapp einem Jahr entwickeln sich in Österreich die Auktionsbörsen via Internet. My-Hammer, der nach eigenen Angaben – Zahlen jeweils für Österreich und Deutschland – über 45.000 bzw. 950.000 registrierte Nutzer verfügt, veröffentlicht monatlich rund 3.000 bzw. 30.000 Aufträge und ist damit Marktführer im deutschsprachigen Raum. Mit Abstand folgen andere Onlinedienste wie etwa
edagobert.com,
goldeneshandwerk.at
gutgemacht.at.

Eine Gegenüberstellung mehrerer Auftragsbörsen macht die Unterschiede im Detail deutlich (siehe auch Tabelle). Sie liegen vor allem in der Anzahl der monatlich veröffentlichten Aufträge/Gebote, der Leistungsbeschreibung, Bieterpräsentation und vor allem in der Vermittlungsprovision. Auch die sogenannten Ausschreibungsportale oder Ausschreibungsdatenbanken (ADB) wie
auftrag.at,
ausschreibung.at,
vergabeportal.at
vermitteln zwischen Auftraggebern und -nehmern. Das primäre Ziel besteht darin, den Verwaltungsaufwand und die Kosten für das Einholen von Angeboten zu reduzieren.

Die Leistungen von in der Regel öffentlichen Auftraggebern werden Position für Position in einem Leistungsverzeichnis beschrieben und teilweise auch nur beschränkt ausgeschrieben. Doch auch bei der Professionistensuche im Internet gilt: je detaillierter die Auflistung der gesuchten Arbeit, desto höher die Erfolgsquote.

Hermann Pöchlinger von Pöchlinger Bauleistungen aus Yspertal hat Erfahrungen mit der Online-Auftragsvermittlung: „Durch MyHammer haben wir einige gute Kunden kennengelernt und konnten neue Leistungsbereiche erschließen.“ Die Online-Auftragsvermittlung sieht Pöchlinger als eine einfache und preiswerte Möglichkeit der Neukundengewinnung in einem frei wählbaren Radius um den Firmensitz herum.
Pöchlinger: „Gegenüber anderen Akquisitionsmethoden verursacht diese Form der Auftragsakquise geringe Kosten. Für uns zählt in erster Linie der Kundenkontakt und eine gute Kundenbeziehung, da nach unserer Erfahrung Folgeaufträge einen großen Teil des Umsatzes ausmachen.“

Nur mit Gewerbeberechtigung
Der Auftraggeber gibt in der Online-Auftragsbörse einen Maximalpreis an, den er bereit ist zu zahlen – der Auftragnehmer macht sein Angebot. Die Vorteile für den Auftraggeber: Er muss keine dicken Telefonbücher wälzen, telefonisch Firmen abklappern und per Fax oder E-Mail Angebote einholen. Die Vorteile für Auftragnehmer: Chance auf einen neuen Kundestock, Lücken im Auftragsbuch können gefüllt werden. Auftragnehmer müssen mit ihrem Gewerbeschein ihre Seriosität belegen, die meisten Online-Börsen verlangen darüber hinaus Firmenprofile und Referenzen.

Da viele Vermittlungsdienste nach dem umgekehrten Auktionsprinzip arbeiten – der billigste, zweit- oder drittbilligste Bieter erhält häufig den Zuschlag –, kann der Auftraggeber dabei auch noch viel Geld sparen. Sowohl Maurer-, Zimmerer-, Garten- und Plasterarbeiten als auch Heizungs-, Sanitär- und Elektro-, aber auch Tischler-, Fensterbau-, Bodenbelags- und Treppenbauarbeiten kommen bei Auftragsbörsen unter den Hammer.

Dass billig nicht unbedingt auch gut ist und Geiz nicht immer geil, hat sich bei den Verbrauchern mittlerweile herumgesprochen, und so achten sie verstärkt auf fachliche Qualifikationen, Bewertungen und Referenzen. Die Betreiber von Vermittlungsportalen unterstützen dies und schreiben die Vorlage von Berechtigungs- und Qualifikationsnachweisen wie Gewerbeberechtigung, Meister- oder Gesellenbrief etc. zwingend vor bzw. kennzeichnen deren Status.
Auf der anderen Seite werden Kunden mit dem Hinweis „brauche keine Rechnung“ von den Auktionsanbietern sofort gesperrt.
Erheblich sind die Unterschiede bei den Gebühren. Während die Registrierung, Einstellung und Auftragsvergabe für den Kunden kostenfrei ist, wird meist der Auftragnehmer zur Kasse gebeten.
Die Konditionen sind unterschiedlich: entweder wird eine am Auftragswert orientierte Gebühr, ein monatlicher Mitgliedsbeitrag oder es wird pro erhaltener Anfrage im Rahmen eines Abonnements ein fester Betrag erhoben. Unterschiedlich sind übrigens auch die Antwortzeiten bei der Recherche.

So kann es in Stoßzeiten beim einen oder anderen Auftragsvermittler vorkommen, dass während der Suche nach dem passenden Auftrag schon mal einige Minuten ins Land gehen, weil jede neue Anfrage (z. B. nach Gewerk, PLZ-Gebiet, nur neue Aufträge etc.) erst mit der aktuellen Datenbank abgeglichen werden muss und es einige Sekunden dauert, bis das Ergebnis angezeigt wird.

Unterschied zu Ausschreibungen
Der Vergleich von MyHammer und ausschreibung.at macht die Unterschiede im Detail deutlich:
MyHammer: Die Online-„Rückwärtsversteigerung“ funktioniert wie bei eBay, nur umgekehrt: Wer Arbeiten zu vergeben hat, beschreibt diese möglichst präzis mit Text, Bild oder Plan und gibt dafür einen Höchstpreis an, den er zu zahlen bereit ist. Interessierte Handwerker versuchen dann, den Auftrag zu bekommen. Nach Ablauf der Auktionsfrist muss sich der Auftraggeber innerhalb einer Prüffrist von 14 Tagen entscheiden:
Gibt er dem günstigsten oder lieber dem etwas teureren, dafür aber qualitativ eventuell besser arbeitenden Handwerker den Zuschlag, oder storniert er den Auftrag, etwa weil ihm kein Angebot oder kein Bieter zusagt, das ist dabei ihm überlassen.
Für den Auftraggeber ist die Auktion kostenlos. Für den Handwerker sind Registrierung und Angebotsabgabe ebenfalls kostenfrei. Gebühren fallen erst bei Auftragsvergabe an.
Zwei bis vier Prozent des Auftragswertes betragen diese im Schnitt.
ausschreibung.at:
Der Online-Ausschreibungsservice stellt Ausschreibungen von öffentlichen und privaten Auftraggebern täglich aktuell zur Recherche bereit. Die Aufträge werden nach Prüfung der von den Bietern ausgefüllten Ausschreibungsunterlagen vom Auftraggeber nach individuellen Kriterien vergeben und nicht öffentlich versteigert. Nach Anbieterangaben sind bereits rund 14.750 Gewerbebetriebe aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe registriert.
Suchfunktionen unterstützen Bieter bei der Recherche. Ferner können Ausschreibungsunterlagen (Leistungsverzeichnisse, Pläne etc.) heruntergeladen werden, wobei Auspreisungsprogramme und Planviewer kostenfrei zur Verfügung stehen. Auch beschränkte Ausschreibungen lassen sich recherchieren. Die Leistungen sind kostenpflichtig für beide Partner: Pro Gewerk zahlen Auftraggeber 29 Euro für beschränkte bzw. ab 15 Euro für offene Ausschreibungen.

Faire Preise als Ziel
Auftragnehmer können bei ausschreibung.at nach einer einmaligen Einrichtungsgebühr von 90,80 Euro wählen zwischen einer Standard- (47 Euro/Monat) und Komfort-Variante (62 Euro/Monat), wobei der Download von öffentlichen Ausschreibungen zusätzlich mit sieben Euro zu Buche schlägt. In der „nur Download-“Variante kosten Downloads 17 Euro, dafür entfällt die Einrichtungs- und Nutzungsgebühr, aber auch jeglicher Suchkomfort. Einen anderen Ansatz bietet die Quotatis GmbH aus Köln:
www.quotatis.de:
Statt Preisdumping will die bis dato nur in Deutschland agierende Online-Auftragsvermittlung nach eigenen Angaben Qualität zu Preisen bieten, die für beide Seiten fair sind.
Und so funktioniert’s: Nach der Leistungsbeschreibung werden dem Auftraggeber zwei bis fünf passende Fachbetriebe vermittelt, die sich bei ihm anschließend mit Hinweis auf Quotatis melden und ihre Angebote abgeben. Diese sind von konkurrierenden Unternehmen nicht einsehbar. Pro Anfrage bezahlt ein Fachbetrieb im Rahmen eines Abonnements eine feste Gebühr (rund 15 Euro), unabhängig von der Auftragssumme. Mindestens zwei Anfragen pro Woche müssen abgenommen werden.

Das Internet wird zunehmend zu einer wichtigen Akquisitionsplattform mit vielen Chancen. Für den Einstieg, die Neukundengewinnung oder als Ausgleich in mageren Zeiten sind Online-Auftragsbörsen vermutlich interessant. Kritisch ist das niedrige Preisniveau: Hat sich der Kunde erst einmal daran gewöhnt, ist es für den Handwerker vermutlich schwer, den Preis zu erhöhen. Dürftig ist auch noch das Portalangebot in Österreich im Vergleich zu Deutschland. Zurzeit gibt es in Österreich noch keine breite Palette an Auftrags-Auktionsbörsen.

„Newcomer“ haben es schwer – gerade mal 500 registrierte Nutzer hat beispielsweise die Online-Börse gutgemacht.at. Das macht sich auch bei den publizierten Aufträgen bemerkbar, was wiederum nicht unbedingt zu einer Steigerung der Besucherfrequenz beiträgt – ein Teufelskreis. Dabei würde mehr Wettbewerb dem Markt gut tun und beispielsweise auch alternative, nicht ausschließlich auf den Preis abzielende Portale wie Quotatis hervorbringen. Wer auf Unternehmerseite mitmacht, sollte in jedem Fall Mobilität und Schnelligkeit, aber auch die Bereitschaft, sich kritischen Kundenbeurteilungen zu stellen, mitbringen.


bau.info

Wenn mitbieten, dann richtig!

Auftragsportale arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien und Konditionen. Diese sollte man sich vorher genau anschauen.
Wer mitbietet, muss flexibel, schnell und bereit sein, sich auch kritischen Bewertungen der Auftraggeber zu stellen.
Leistungsbeschreibung genau anschauen und ggf. per Forum/E-Mail Rückfragen stellen und/oder Besichtigungstermin vereinbaren.
Nur mitbieten, wenn der Auftrag fachlich, zeitlich und personell auch erledigt werden kann, sonst gibt es schlechte Bewertungen.
Aufträge genau kalkulieren (Leistungsumfang, Entfernung etc.), denn mit einem Zuschlag kommt ein verbindlicher Vertrag zustande.
Anfragen mit unrealistischem Startpreis sollte man ignorieren – oder ein realistisches Angebot unterbreiten und dieses auch begründen.
Das Internet lebt von kurzen Reaktionszeiten. Reagieren Sie auf Anfragen prompt und verbindlich bzw. werden Sie von sich aus aktiv.
Auch der Auftraggeber wird meist bewertet. Bevor man bietet, sollte man sich dessen Bewertung anschauen, sofern vorhanden.
Auftragsportale sind auch gut frequentierte Werbeplattformen – das sollte man für eine attraktive Selbstdarstellung nutzen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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