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Aus- und Weiterbildung

10.03.2005

Durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen managt die ausführende Bauwirtschaft unterschiedlichste Bauaufgaben. Wissen steigert die Wettbewerbsfähigkeit.

Weiterbildung wie auch zusätzliche Kompetenzen zu erwerben ist für alle am Bau unumgänglich. Trotz der vielen Automatisierungsschritte, die letztlich auch am Bau Einzug hielten, gewinnt der alte Spruch „Wissen ist Macht“ mehr und mehr an Bedeutung. Die hohen Besucherzahlen der BAUAkademien in ganz Österreich belegen einerseits die Notwendigkeit, kontinuierliche Weiterbildungsangebote zu bieten, andererseits bestätigt das positive Feedback zu dem Niveau der BAUAkademien das Bedürfnis der ausführenden Bauwirtschaft, sich Wissen anzueignen. Der Baumeister, der Baustellenleiter heute ist mehr als nur ein „Ausführender“. Baustellen, in allen Größen, mit allen Bauaufgaben, fordern hohe Managementqualitäten. Doch letztlich auch im Hinblick auf den Vergleich mit dem Ausbildungsniveau mit den EU-Ländern. Doch welches Know-how ist nun wirklich gefragt, um einfach noch „besser“ als die Kollegen aus der EU zu sein? BM Christian Schützinger, BAUAkademie Salzburg, betont: „Der Run auf die Befähigungsprüfung zum Baumeister ist in Österreich ungebrochen und weist auf die große Attraktivität des Baumeisterberufes hin. Nicht zuletzt deshalb, weil der Berechtigungsumfang außerordentlich groß ist. Er reicht von der ausführenden Tätigkeit hin zur Planung, Leitung und Berechnung, aber auch zur Projektentwicklung, -leitung und -steuerung. Er ist zur Übernahme von Bauführungen berechtigt und darf im Rahmen seiner Gewerbeberechtigung seine Auftraggeber vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts vertreten.“ Im Gegensatz zu ausführenden Tätigkeiten, die auch ohne die schwierige Befähigungsprüfung ausgeübt werden können, darf das Planen und Berechnen von Hoch- und Tiefbauten und anderen verwandten Bauten sowie deren Leitung nur nach Ablegung der Befähigungsprüfung erfolgen.
„Die Hauptmotivation zum Antreten zur Baumeisterprüfung ist weniger die ausführende Tätigkeit, vielmehr sind selbstständige Tätigkeiten im Bereich der Planung und Bauleitung sowie die Übernahme von Aufträgen aus dem Projektmanagement die großen Attraktion des Berechtigungsumfanges der Baumeister“, betont Schützinger. „Europaweit ist dies einzigartig und es wird auch von verschiedenen Seiten versucht, diesen großen Berechtigungsumfang, insbesondere im ,nicht ausführenden‘ Bereich, wesentlich einzuschränken. Um das Planungsrecht des Baumeisters langfristig und EU-weit zu erhalten, muss die Baumeisterprüfung an die europäischen Normen und Richtlinien (Architekturrichtlinie!) angepasst werden. D.h., dass die Prüfungsinhalte zumindest dem Abschluss einem Fachhochschulabschluss, Studienrichtung Architektur, entsprechen müssen. Großzügige Anrechnungen von Vorbildung und Praxiszeiten können den Abschluss vielen Teilnehmern erleichtern. Bestehende Baumeisterberechtigungen können durch Nachqualifikationen EU-Konformität erreichen und so aufgewertet werden“, zeigt sich der Salzburger BAUAkademie-Leiter überzeugt.

Die Baumanager kommen
Im ausführenden Bereich erfordert die veränderte Marktsituation (Konkurrenzdruck, Preis-Kosten-Schere…) verstärktes Augenmerk auf kaufmännische Spezialkenntnisse und Managementmethoden. Auf diesen Trend reagierte die Standesvertretung prompt. Mit dem Lehrgang Projektmanagement-Bau (PM-Bau) steht dem Baugewerbe, der Bauindustrie wie auch dem Bauträger- und Baunebengewerbe ein postgradualer Lehrgang zur Verfügung, die Absolventen erhalten einen Master-Abschluss. Die BAUAkademien Österreichs organisieren den neuen Lehrgang. Die sehr gemischte Struktur der Teilnehmer des PM-Bau verdoppelt den Profit für den zukünftigen Projektmanager am Bau – 40 Prozent kommen aus der bauausführenden Wirtschaft, 45 Prozent sind Planer und 15 Prozent Bauherrenvertreter. Durch diesen Mix findet ein aktiver Austausch zwischen den Teilnehmern statt. Die Vortragenden sind Professoren von Technischen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Experten aus der Praxis. Im Dezember startete der PM-Bau in Wien im Haus der Bauwirtschaft in der Schaumburgergasse mit 25 Wissenshungrigen aus Wien, Salzburg und der Steiermark.
„Zusatzqualifikationen, die über den ursprünglichen Ausbildungsrahmen der Baumeistertätigkeiten hinausgehen, sind ein Muss“, betont Harald Kopececk BAUAkademie BWZ Oberösterreich. Marketing, Vertrieb, sowie das „Kundenservice-Management“ sind wesentliche Aufgabengebiete für unsere Baubetriebe, die erlernt sein wollen!
Der Kunde von heute ist gut informiert und doch benötigt er den Fachmann, um ihm bei seinen zahlreichen Entscheidungen zu helfen und ihm vor allem die Zusammenhänge von verschiedenen Lösungsansätzen verständlich machen. „Die Baumeister müssen noch viel mehr zum Verkäufer mutieren - das technische Know How setzt der Kunde sowieso voraus!" ergänzt Kopececk. "Umfassendes technisches Wissen kombiniert mit optimalen Vertriebs- und Marketingstrategien ist der Schlüssel zum Erfolg!“
Unternehmer sein bedeutet eine hohe soziale Verantwortung zu haben. Laut einer Imas-Umfrage sind fast drei Viertel der Österreicher der Ansicht, lebenslanges Lernen sei wichtig. Die Bedeutung der Weiterbildung steigt, je jünger die Befragten sind und je höher der Schulabschluss ist. So erachten diese 65 Prozent der Absolventen einer AHS oder Universität als „unbedingt wichtig“, aber nur 23 Prozent der Volks- oder Hauptschulabgänger. Aber praktiziert wird Weiterbildung nur von einem Bruchteil, und von diesen vor allem mittels Fachliteratur (30 Prozent), Medien (25 Prozent), Austausch mit Berufskollegen (23 Prozent) und Internet (20 Prozent).

Hohe soziale Verantwortung
„Im Baugewerbe gibt es bei den meisten Betrieben, bedingt durch ihre Größe und den Auftragsstand, keine gezielte Personalentwicklung. Weiterbildung ist Chefsache, man muss sich beschäftigen und Zeit hat man ohnehin keine, da spart man gerne bei der (Weiter-)Bildung! Seminarbesuche von Mitarbeitern haben bei vielen Vorgesetzten ohnedies den Beigeschmack: da macht sich einer einen schönen Tag, während wir schuften. Daher gehen Chefs oft mit vermeintlich gutem Vorbild voran und tun auch nichts für ihre eigene Weiterbildung. Ist ja auch unbequem, sich von einem jüngeren Experten belehren lassen zu müssen, dass man schon ordentliche Wissenslücken angehäuft hat oder um Jahre den neuesten Erkenntnissen hinterherhinkt“, kritisiert Schützinger. Mit dem Qualifikationsförderungsprogramm der Landesinnungen in Zusammenarbeit mit dem AMS können Bauunternehmen Defizite aufholen.
„Unsere Kurse in Salzburg sind stark besucht – vor allem die vom AMS geförderten wie auch die Polierkurse. Aber auch die verpflichtenden Ausbildungen (Kranführer, BauKG, Sicherheitsvertrauenspersonen) Bauleiter, Bauschadensseminare, Baumeisterausbildung, Betontechnologie werden gut angenommen. Weiters sehen wir eine große Nachfrage nach Vorträgen zu baurechtlichen und baukaufmännischen Themen“, berichtet Schützinger aus der Praxis.

Nischen suchen und finden
Zusatzqualifikationen öffnen Nischen – Facility Management (FM) ist ein von Baumeistern noch wenig entdecktes Marktsegment. „FM darf nicht unter dem Gesichtspunkt der ,Hausmeistertätigkeit‘ gesehen werden, sondern ist in einem Gesamtangebot der baumeisterlichen Dienstleistung von der Grundstücksbeschaffung, Planung, Finanzierung, Ausführung und laufender Betreuung bis hin zur Qualitätsverbesserung und Adaptierung zu betrachten“, so Schützinger.
Zur Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen wurde bereits im Rahmen der Steuerreform 2000 der Bildungsfreibetrag für externe Ausbildungskosten eingerichtet. Alternativ zum Freibetrag kann eine Bildungsprämie in einer Höhe von bis zu sechs Prozent der Aus- und Fortbildungskosten beantragt werden. Damit ist sie jedenfalls für Unternehmen, die keine steuerpflichtigen Gewinne erwirtschaften bzw. deren Steuerprogression weniger als 30 Prozent ausmacht, die günstigere Lösung. „Fortbildungskosten senken als Betriebsausgaben die Steuerbemessungsgrundlage. Der Bildungsfreibetrag kann wie eine zusätzliche, fiktive Betriebsausgabe geltend gemacht werden und senkt damit weiter die Steuerbemessungsgrundlage. Mit 1. Jänner 2002 wurde der Bildungsfreibetrag auf 20 Prozent angehoben und kann auch für innerbetriebliche Ausbildungskosten geltend gemacht werden. Die Bildungsprämie wird wiederum direkt dem Abgabenkonto gutgeschrieben und bedeutet somit bares Geld“, erklärt Peter Scherer, Geschäftsstelle Bau
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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