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Ausländische Baufirmen: Verdacht auf Billiglöhne bei 35 Prozent

17.08.2011

Auch wenn nach der Ostöffnung der große Ansturm auf den Bau ausbleibt - der Druck auf die Löhne ist da. Die BUAK hat seit Mai zahlreiche ausländische Firmen kontrolliert. Das Ergebnis: Bei jedem dritten Beschäftigten gibt es den Verdacht auf Löhne weit unter dem Mindestniveau, berichtet die Baugewerkschaft.

Am 1. Mai ist der österreichische Arbeitsmarkt endgültig gegenüber acht 2004 zur EU gekommenen osteuropäischen Länder geöffnet worden. Der oft befürchtete Massenansturm ist auch in exponierten Branchen wie am Bau zwar ausgeblieben - der Druck auf die Löhne ist aber nicht zu übersehen.

Bei 35 Prozent Verdacht auf Billiglöhne

Bei den in den vergangenen drei Monaten kontrollierten ausländischen Firmen besteht bei 35 Prozent der Arbeitnehmer der Verdacht auf Unterentlohnung, berichtete die Bauarbeitergewerkschaft GBH.

Die Zahlen zeigten, dass die Anti-Sozialdumpinggesetze funktionieren, erklärte Bauarbeitergewerkschafter Josef Muchitsch. "Dem privaten und öffentlichen Auftraggeber muss klar sein, dass sich Lohn- und Sozialdumping nicht auszahlt." Auftraggeber sollten von "schwindeligen Subvergaben" Abstand zu nehmen.

1.100 Kontrollen seit Arbeitsmarktöffnung

Seit 1. Mai haben Finanzpolizei, Bauarbeiterurlaubskasse BUAK und Gebietskrankenkassen bundesweit 1.109 Baufirmen auf Baustellen kontrolliert. 63 Firmen davon wurden auf Verdacht von Unterentlohnung bei den Bezirkshauptmannschaften bzw. bei den Magistraten angezeigt.

Bei den kontrollierten inländischen Firmen wurde bei zwei Prozent der Arbeitnehmer ein Verdacht auf Unterentlohnung festgestellt, bei den kontrollierten Firmen aus dem Ausland schöpften die Kontrollore bei 35 Prozent der Arbeitnehmer Verdacht. Erste Strafbescheide sollen bereits ausgestellt worden sein.

Extremfall in Tirol: 18 Prozent des Lohnes bezahlt

Im Durchschnitt rechnet die GBH mit einer Unterentlohnung zwischen 15 bis 25 Prozent, in einem Extremfall in Tirol wurde ein Minus von 82 Prozent festgestellt. Viele der betroffenen ausländischen Firmen arbeiteten als Subunternehmer.

In einem konkreten Fall wurden in der Weststeiermark bei einer Baustellenkontrolle vier slowenische Fassader kontrolliert, die über eine slowenische Firma von einer österreichischen Firma "im Sub" beauftragt worden war.

"Anstatt eines Bruttostundenlohns von 11,21 Euro erhielten sie lediglich 8,30 Euro, das ergab eine Unterentlohnung von 25,9 Prozent", so die Gewerkschaft. "Die BUAK erstattete Anzeige bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft und beantragte ein Strafausmaß von 18.000 Euro."

Auftraggeber: Schwindelige Angebote nicht annehmen

Dazu betonte Muchitsch wiederholt, dass "Aufklärungsarbeit bei den österreichischen Auftraggebern" wichtig sei. Nur sie "entscheiden, wer in Österreich letztendlich Aufträge bzw. Subaufträge bekommt." Dem privaten und öffentlichen Auftraggeber müsse klar sein, dass sich Lohndumping nicht auszahle, weder bei der Qualität, der Gewährleistung noch zur Finanzierung unseres Wirtschafts- und Sozialsystems.

Ebenso gelte es für Auftraggeber, "von schwindeligen Subvergaben Abstand zu nehmen."

Einen Überblick zu den zu erwartenden Gefahren und den neuen Gesetzen im Zuge der Arbeitsmarktöffnung finden Sie in der aktuellen Bauzeitung sowie auf unserem Portal die bauzeitung.at.
(pm, apa)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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