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Basel II:

03.09.2004

Um die Stabilität von Bank- und Finanzsystemen sicherzustellen, wurden durch den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) beschlossen, welche ab 2007 eingeführt werden, aber bereits jetzt zunehmend Anwendung finden.
Die Regelung nimmt besonders Einfluss auf die Konditionen von Unternehmenskrediten. Für Kredite von „guten Kunden“, also solchen mit einer hohen Bonität (niedrige Kreditausfallswahrscheinlichkeit), muss die Bank einen geringeren Eigenkapitalanteil hinterlegen. Aufgrund der niedrigeren Kosten können die Kreditzinsen niedriger bemessen werden. Riskante Kredite mit hoher Ausfallswahrscheinlichkeit (niedrige Bonität des Kunden) sind entsprechend teurer oder können ungünstigstenfalls verwehrt werden.
Besonders die traditionell eigenkapitalschwachen Klein- und Mittelbetriebe KMU (mehr als die Hälfte verfügt über kein oder nur geringes Eigenkapital) sind durch Basel II besonders benachteiligt. René Alfons Haiden, Vizepräsident und Basel-II-Beauftragter der Wirtschaftskammer, skizziert ein düsteres Bild zur Lage der KMU. Abgesehen davon, dass Kreditentscheidungen künftig länger dauern werden, wird es seiner Ansicht nach generell zu Verteuerungen im Kreditwesen kommen. In bestimmten Branchen, etwa Tourismus, Gastronomie, Bauwirtschaft und Einzelhandel, werde es laut Haiden künftig wohl noch schwieriger werden, zu Krediten zu kommen.

Check der Bundesinnung Bau
Basel II verlangt von den Banken, dass sie ihre Kreditkunden genauer und umfassender als bisher überprüfen müssen. Dementsprechend ist eine aktive Information der Bauunternehmer an ihre Banken notwendig.
Zu den notwendigen Informationen gehören insbesondere eine rasche Bilanzvorlage, die Bekanntgabe von Planzahlen, eine quartalsmäßige Übersicht zur Unternehmensentwicklung sowie eine ausreichende Dokumentation zum gesamten unternehmerischen Umfeld. Werden solche Informationen gezielt und regelmäßig in schriftlicher Form vorgelegt, können günstige Kreditkonditionen erreicht werden. Dort, wo aber solche Informationen der Bank fehlen, kommt es zwangsläufig zu einer schlechten Ratingeinstufung und damit zu hohen Kreditzinsen bzw. in Extremfällen zu Schwierigkeiten bei Kreditprolongationen.
Jeder Bauunternehmer sollte sich daher auf diese neuen Anforderungen einstellen!
Die Bundesinnung Bau hat mit dem geförderten Basel-II-Fitness-Check die Möglichkeit geschaffen, dass jeder Baumeister eine Analyse seines Unternehmens im Sinne des Ratings bekommt, um zu erkennen, wie er aus der Bankensicht eingestuft wird und wo seine potenziellen Verbesserungsmöglichkeiten liegen.
Johann Klesl, Geschäftsführer der Mayer Bau-Ges.m.b.H. aus Pernitz, berichtet, dass bisher Geld „verschenkt“ worden sei, da die Kontakte zur Hausbank vernachlässigt wurden – sowohl aus Zeitgründen als auch, weil es nie Probleme gegeben hat. Die seit Jahren unveränderten Konditionen wurden nicht hinterfragt. Erst durch den Basel-II-Fitness-Check wurden die Anforderungen und Möglichkeiten erkannt. „Daraufhin haben wir sofort die entsprechenden Unterlagen der Bank vorgelegt und einen besseren Zinssatz ausgehandelt“, so Klesl. Die Abwicklung hat rasch und völlig problemlos funktioniert.
Auch Baumeister Karl Kobierski, Geschäftsführer der Ing. Kurt Hammerl Ges.m.b.H. in Wien, berichtet: „Wir haben nach dem Basel-II-Fitness-Check die Kreditkonditionen mit unserer Hausbank neu verhandelt und zahlen jetzt im Schnitt um 1,5 Prozent weniger Zinsen. Beim Rating haben wir deshalb gut abgeschnitten, weil wir früh erkannt haben, dass es wichtig ist, die Banken schnell und vor allem mit gut aufbereiteter Information zu versorgen. Bei uns sind eine rasche Bilanzvorlage, die Erstellung einer Einjahresplanung und die Vorlage von Quartalsberichten eine Selbstverständlichkeit. Weil wir nicht selbst genug eigene Kapazitäten haben, nehmen wir dafür die Hilfe eines Unternehmensberaters in Anspruch.“
Karl Fröstl, Chef der mit der Durchführung des Basel-II-Fitness-Checks beauftragten unico – Unternehmensberatung & Industrie-Consulting GmbH, stellt fest: „Günstige Kreditkonditionen erfordern eine aktive Informationspolitik gegenüber der Hausbank. Darauf sollte sich jeder Baumeister einstellen. Am besten geht das, wenn man die Sichtweise der Banken kennt. Das wird durch den Basel-II-Fitness-Check simuliert.“

Tipp: Sofern Sie sich bisher mit den neuen Anforderungen der Banken noch nicht auseinander gesetzt haben, ist dringend zu empfehlen, den Basel-II-Fitness-Check der Bundesinnung Bau in Anspruch zu nehmen. Dabei wird die Sichtweise der Banken erläutert und insbesondere aufgezeigt, welche Möglichkeiten bestehen, Ihr Rating aktiv zu beeinflussen und damit Ihre Kreditkonditionen möglichst günstig zu gestalten. Nützen Sie das Anmeldeformular, welches Sie auf der Homepage der Bundesinnung Bau unter www.bau.or.at im Menü „Aktuelles/Förderungen“ ausdrucken können.

Peter Scherer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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