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Bau als Stütze der Konjunktur

17.12.2008

Die Finanzkrise macht auch den österreichischen Klein- und Mittelbetrieben zu schaffen. Die Stimmung in den Unternehmen ist getrübt. Vor allem die Bauwirtschaft trotzt diesem Trend und erweist sich als Konjunkturstütze.

Die Klein- und Mittelbetriebe sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Die Finanzkrise setzt auch den Mittelständlern zu, wie die aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung aufzeigt. Die Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Ebenso düster sehen die meisten Betriebe die Perspektiven der nächsten sechs Monate, und Befürchtungen von Finanzengpässen machen sich breit. Das Baugewerbe trotzt diesem Trend, entgegen anderen Branchen, weitgehend.

Bau als Konjunkturstütze

„Die Stimmung im Mittelstand in Österreich hat sich eingetrübt – allerdings längst nicht so deutlich, wie angesichts der Probleme der weltweiten Finanzmärkte hätte erwartet werden können“, ist Helmut Rödl, Mitglied des Gesamtvorstandes des Verbandes der Vereine Creditreform, überzeugt. „Die Stimmung ist besser als die aktuelle Lage, wie die doch deutlich rückläufigen Umsatzergebnisse zeigen“, führt Rödl weiter aus. Ausschließlich die Bauwirtschaft konnte sich den negativen Umsatzentwicklungen bislang erfolgreichen entziehen und blieb vorerst relativ unbehelligt von Umsatzeinbußen. Zwar stieg auch hier der Anteil an Betrieben, die Rückgänge zu verkraften haben, von 7,8 auf 10,9 Prozent an, allerdings stieg auch die Zahl der Baubetriebe, die auf mehr Umsatz als noch vor einem Jahr verweisen können von 46,9 auf aktuell 48,2 Prozent. „Kein anderer Hauptwirtschaftsbereich verzeichnet so viele Betriebe mit gestiegenen Umsätzen“, weiß Rödl. Zu demselben Ergebnis kommt auch das Wifo im Konjunkturbereicht vom September 2008. Die Baubranche ist so zur Stütze der Konjunktur geworden und ist als einzige Branche noch in der Lage, wichtige Konjunkturimpulse zu geben. „Die Wertschöpfung der Bauwirtschaft erweist sich auch im abklingenden Konjunkturzyklus als Stütze der Wirtschaft“, ist Sandra Steindl vom Wifo überzeugt. Der Bau expandierte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal erneut um 0,4 Prozent.

Steiler Sturz bei Ertragserwartungen

Nichtsdestotrotz haben sich die Ertragsaussichten im Mittelstand eindeutig verschlechtert – auch im Baugewerbe. „Die deutlich eingetrübten Ertragsperspektiven ziehen sich quer durch die Hauptwirtschaftsbereiche“, so Helmut Rödl. Im Gegensatz dazu hat sich die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Betriebe in Österreich nicht so deutlich verschlechtert, wie angesichts der Lage erwartet wurde. Auch im Bereich der Investitionen ist das Baugewerbe eine treibende Kraft. Letztes Jahr gaben 50,4 Prozent an, Investitionen tätigen zu wollen. Aktuell sehen sich sogar 51,5 Prozent dazu imstande. Insgesamt ist die Zahl der Betriebe, die in die Erweiterung ihres Unternehmens investieren wollen, nur leicht gesunken, wobei das Bauhauptgewerbe dabei mit 74 Prozent Investitionsnenner weit über den Durchschnitt liegt. Dieser Hang zu Erweiterungsinvestitionen trotz der Konjunkturabkühlung bedeutet, dass weiterhin Wirtschaftswachstum stattfindet. Diese Tatsache ist vor allem in Zeiten der weltweiten Krise eine wichtige Entwicklung.

Das wirtschaftspolitische Umfeld

„Eine starke Auslandsaktivität war in den vergangenen Jahren bares Geld wert, wie die deutliche Vorreiterrolle des verarbeitenden Gewerbes unter allen Wirtschaftszweigen anschaulich zeigt. Aktuell kann es – wie das Baugewerbe demonstriert – hingegen von Vorteil sein, eher regional aufgestellt zu sein, um von der sich abschwächenden Weltkonjunktur möglichst lange verschont zu bleiben“, so Rainer Kubicki, Geschäftsführender Gesellschafter bei Creditreform Österreich. So gaben bei der Umfrage von Creditreform etwa 14 Prozent der Bauunternehmer an, im Ausland aktiv zu sein. Hauptsächlich agieren die Baufirmen lokal oder regional. Dennoch gab keines der befragten Unternehmen an, zukünftig seinen Exportanteil aufgeben zu wollen. 50,6 Prozent der KMU wollen sogar im Jahr 2009 ihren Exportanteil im Vergleich zum Jahr 2008 vergrößern. Die Zukunft liegt also für viele Mittelständler im Export.

KMU weiter fördern

Die Förderung der KMU in Österreich ist ein zentraler Schwerpunkt, vor allem für die Austrian Cooperative Research (ACR). Zum dritten Mal verlieh ACR gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit den „Kooperationspreis der ACR“. Im Rahmen der diesjährigen ACR-Enquete wurden drei herausragende Innovationen prämiert. Die ausgewählten Projekte entstanden in Zusammenarbeit zwischen KMU und ACR-Instituten und ermöglichten es den Projektpartnern, neue innovative Lösungen zu entwickeln. Eine siebenköpfige Expertenjury ermittelte folgende drei Siegerprojekte: „Pferdemist und Spänestreu wird zum begehrten Energieträger“ – eine Kooperation der RTS Trocknungstechnik GmbH aus St. Lorenzen/Lesachtal und dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik; „Neues Klebeverfahren für vorgefertigte Ziegeldecken“ – eine Kooperation der Leitl-Spannton GmbH in Eferding und dem Bautechnischen Institut Linz und „Verwendung von Plasmatechnologie-Apparaten zur Reinigung und thermischen Behandlung von Drähten, Rohren und anderen Endlosmaterialien“. Eine Kooperation der Plasmait GmbH in Lebring bei Graz und dem Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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