Direkt zum Inhalt

Bau-Chancen:

23.06.2004

Österreichs Bauwirtschaft setzt auf den kontinuierlichen Ausbau der Straßen- und Verkehrsnetze. Alternative Finanzierungsmodelle sind im Gespräch.

Das Stichwort einer vor wenigen Tagen von der Gesellschaft für Verkehrspolitik stattgefundenen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung war „Kombiverkehr“. Lydia Feige, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, präsentierte die Entwicklung des kombinierten Verkehrsaufkommens in Österreich. Auf nationaler Ebene wurden 22 Millionen Euro seit 1989 für die Förderung des kombinierten Güterverkehrs Straße-Schiene-Schiff investiert. In die Terminalinfrastruktur wurden seitens des Verkehrsministeriums rund 70 Millionen Euro investiert.
Bis 2008 sollen in das „Programm für die Förderung des kombinierten Güterverkehrs Straße-Schiene-Schiff“ noch 18 Millionen Euro fließen.
Erich Haider, Landeshauptmannstellvertreter Oberösterreich, erläuterte die Möglichkeiten eines nachhaltigen Güterverkehrs am Beispiel des Landes Oberösterreich: „Das Güteraufkommen der oberösterreichischen Wirtschaft wird mit rund 80 Millionen Tonnen beziffert. Davon entfallen rund 60 Millionen Tonnen auf den Straßengüterverkehr. Zum Transportaufkommen Oberösterreichs kommt der Durchgangs- und Transitverkehr im Ausmaß von rund 30 Millionen Tonnen pro Jahr, sodass die Verkehrsinfrastruktur des Landes mit rund 120 Millionen Tonnen belastet ist.“
Public Private Partnership (PPP)-Modelle, also die Beteiligung von Privaten an staatlichen Projekten, werden seit dem Generalverkehrsplan von der Bauwirtschaft, der Politik wie auch den heimischen Verkehrsexperten angedacht. Helmut Kukacka, Verkehrsstaatssekretär, hält z. B. für realistisch, für das Straßenbau-Projekt A26 – dem „Westring“ – eine Finanzierung in Form eines PPP-Modells zu wählen.
Hier ist nun die Asfinag gefordert. Gleichzeitig soll die Ausarbeitung der Trasse erfolgen, wodurch Verzögerungen in der Vorplanungsphase verhindert werden sollen. Das Projekt soll die A7 entlasten. Die A26 soll zusätzlich zur Mühlkreisautobahn A7 den Verkehr im Westen von Linz über die Donau nach Urfahr führen. Der Generalverkehrsplan legt bereits im Paket 1 für 2005-2019 den „Westring“ fest. Mit dem Bundesstraßengesetz vom März 2002 wurde dieses Bauvorhaben der Asfinag übertragen. Die Baukosten liegen bei rund 530 Millionen Euro. Die Trasse soll vorwiegend unterirdisch geführt werden.

Grenzen überwinden
Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in die neuen EU-Mitgliedsstaaten ist eine besondere Herausforderung für Österreich. Hier besteht noch ein gewaltiger Nachholbedarf, unterstreicht Richard Schenz, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich. Die Außenwirtschaft Österreich und die Abteilung für Verkehrs- und Infrastrukturpolitik veranstalteten zu dem Thema ein Seminar im Haus der Wirtschaft. „Die Wirtschaft leidet unter dem langjährigen Versagen der Politik beim Ausbau der Infrastruktur, wo trotz vollmundiger Regierungserklärungen seit 1989, dem Fall des Eisernen Vorhangs, nicht viel geschehen ist. Im Grunde genommen stehen wir völlig blamiert da“, hielt Schenz mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg: „Die Zeit der Sonntagsreden sollte endgültig vorbei sein. Es ist jetzt notwendig, über konkrete Projekte zu entscheiden. Etwa über die Autobahnverbindung in die slowakische Hauptstadt Pressburg, die mit einer halben Million Einwohner der größte Ballungsraum rund um Wien ist. Es ist ja ein aufgelegter Witz, dass es diese Verbindung immer noch nicht gibt und frühestens erst in einigen Jahren geben wird.“
Ähnliches sieht er für die Anbindung an das tschechische Autobahnnetz, das in Richtung Deutschland und Österreich ausgebaut wird. Die Strecke in Richtung Wien steht kurz vor der Fertigstellung. Es liegt jetzt an Österreich, die Nordautobahn (A5) bis zur Grenzstadt Nikolsburg/Mikulov auszubauen.
Infrastrukturprojekte erfordern eine langfristige Planung. Deshalb empfiehlt Schenz, sich schon jetzt mit der nächsten Beitrittsrunde – Bulgarien, Rumänien, voraussichtlich 2009 auch Kroatien – zu befassen.
Bilaterale Kontakte werden geknüpft und intensiviert, um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur staatenübergreifend zu koordinieren. Gespräche des österreichischen Verkehrsministeriums mit Tschechien, der Slowakei und Ungarn fanden bereits statt. Positiv betonte Schenz auch die Miteinplanung von alternativen Finanzierungsmodellen. Als positives Beispiel erwähnte er das PPP-Projekt Ostregion der Asfinag, für die Realisierung der A5 sowie von Teilen der S1 und der S2.
Die Vernetzung der Verkehrsinfrastruktur im neuen Europa sei mehr denn je von besonderer Bedeutung. „Die transeuropäischen Netze sind Antrieb des Wirtschaftswachstums und des Zusammenhalts in Europa, welche den Wohlstand aller Europäer sichern sollen“, erklärt Schenz. „Gerade die rasche Verwirklichung der Österreich und seine Nachbarn betreffenden prioritären Projekte der Kommission ist eine unbedingte Notwendigkeit. Wir sollten uns die Chance nicht entgehen lassen, die Möglichkeit einer EU-Kofinanzierung in der Höhe von bis zu 20 Prozent der anfallenden Kosten in Anspruch zu nehmen“, so Schenz.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Anhand des Bauvorhabens ­Kindergarten Schwoich wurde in ­einer Studie der Einsatz von BIM unter die Lupe ­genommen und auf ­seine Praxistauglichkeit für KMUs hin überprüft.
Aktuelles
13.10.2020

BIM-Punktlandung: Wie BIM in der Praxis eingesetzt werden kann und welche Vorteile sich daraus ergeben, zeigt eine aktuelle Forschungsstudie am Beispiel der Kindergartenerrichtung in Schwoich.

Während des 3D-Betondruck-Vorgangs können manuelle Arbeiten durchgeführt werden.
Aktuelles
13.10.2020

Schicht für Schicht: Das zweigeschoßige Einfamilienhaus mit 80 Quadratmeter Wohnfläche pro Geschoß entsteht in Beckum.

Gemeinsames Projekt: Lehrlingsexpertin Petra Pinker (l.) und Unternehmensberaterin Sabine Trnka, Geschäftsführerin von Mmittelpunkt Consulting und Partnerin bei Acon Management Consulting, haben gemeinsam das Coaching-Projekt Lean4Future ins Leben gerufen.
Aktuelles
07.10.2020

Die Spielregeln für die junge Generation sind andere geworden. Work-Life-­Balance und der Sinn in der eigenen Arbeit sind wichtiger denn je, wie Petra Pinker und Sabine Trnka im Interview erklären ...

Recht
07.10.2020

Der Umgang mit Unternehmern, die im Verdacht von verbotenen Absprachen stehen, ist von Auftraggeber zu Auftraggeber unterschiedlich.

Recht
07.10.2020

Ein nicht zu unterschätzendes Haftungsrisiko stellen „öffentlich-rechtliche“ Prüfpflichten dar, aber nicht immer werden diese Aufgaben in der Praxis ernst genommen.

Werbung