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Bau-Utopien:

18.06.2004

Planer und Ausführende arbeiten eng zusammen. Beide gehen gern an die Grenzen des Machbaren – Rekordhöhen und -spannweiten oder auch Meerestiefen sind das Ziel.

Die Lust und der Wunsch der Menschen, Träume zu realisieren, ist auch in Bezug auf Bauwerke seit jeher vorhanden. Höher, länger oder größer, das sind die Stichworte. Dubai will nun alle bis dato existenten „Bautabus“ brechen und auf einen alten Wunschtraum der Menschheit reagieren – nämlich das Ergründen und Erleben der Unterwasserwelt. 2006 soll „Hydropolis“, das erste Unterwasserhotel der Welt, seine Pforten öffnen. 15 Meter unter dem Meeresspiegel sollen die Gäste in die Tiefen des Meeres wortwörtlich eintauchen. Der deutsche Architekt Joachim Hauser plante das dreiteilige Hydropolis. Die Gäste kommen auf der Landstation an, durch einen Tunnel gelangen sie in den Unterseebootkomplex mit 220 Suiten. Insgesamt wird Hydropolis einen Durchmesser von 220 Metern umfassen. Das Unterwasserhotel ist die eigentliche Herausforderung an Planer wie auch Ausführende. Die Mauern bestehen aus 2,5 Meter dickem Beton. 18 Zentimeter dicke Plexiglasscheiben schützen vor dem Druck des Wassers und sollen zugleich möglichst viel Tageslicht einlassen, um Besuchern jegliches Unbehagen der Unterwasserwelt zu nehmen. Die Fundamente für Hydropolis schaufeln Wasserbagger. Geplant sind neben dem Hotel drei Restaurants, ein Ballsaal und ein Museum. 520 Millionen Euro sind als Baukosten veranschlagt.
1962, beim Spatenstich des Wiener Donauturms, ging ein Raunen durch die Wiener Planer- und Bauszene: „Das geht doch nicht, ein 252 Meter hoher Turm und dann noch dazu ein Restaurant oben drauf, das sich dreht!“ Architekt Hannes Lintl und Statiker Robert Krapfenbauer sind die Planer des ehemaligen Wahrzeichens der 1964 veranstalteten Wiener Internationalen Gartenschau (WIG). Vor wenigen Tagen feierte das 17.600 Tonnen schwere und höchste Wahrzeichen Wiens mit einem Riesenfeuerwerk seinen 40. Geburtstag. Die Aussichtsterrasse liegt in 150 Meter Höhe, das Kaffeehaus in 160 Meter, das Restaurant in 170 Meter. Insgesamt ist der Turm 252 Meter hoch. Am Fuß hat er einen Durchmesser von zwölf Metern – auf 160 Meter nur noch sechs Meter. In 6,2 Sekunden ist der Wienblicksuchende per Lift auf 160 Meter Höhe – und wenn er mutig ist, kann er sich dort auch gleich hinunterstürzen, gesichert mit einem Bungee-Jumping-Seil. Wer lieber gehen möchte, kann sich dem jährlich stattfindenden Treppenlaufevent anschließen.

Megastützen und Riesentürme
Beton verhilft zu Weltrekorden. Der Baustoff ist das Stichwort bei dem vor kurzem auf der Bauma (Baumaschinenmesse) vorgestellten „Weltrekord“ des deutschen Betonpumpen-Experten Schwing-Stetter. Mit der für den Höchstleistungsbereich entwickelten Baustellenbetonpumpe BP 8800 wurde bei dem Bau des International Finance Centers 101 Beton erstmals bis in 455,2 Meter Höhe gepumpt. Die durchschnittliche Fördermenge betrug 48 Kubikmeter pro Stunde.
Betongefüllte Riesenstützen sind auch das tragende Rückgrat des 508 Meter hohen Hochhauses „Taipeh 101“ auf Taiwan, dem zurzeit höchsten Gebäude der Welt. Die Stützen sind drei mal zweieinhalb Meter stark und mit Hochleistungsbeton hohlraumlos verpresst.
Das Gebäude steht auf 557 Pfählen, die zum Teil bis zu 80 Meter tief im Boden verankert sind. Eine rund 660 Tonnen schwere und an 16 Stahlseilen aufgehängte Kugel soll das Schwanken des Turmes wie auch Erdbeben „ausgleichen“. Rund 200 Erdbeben pro Jahr erschüttern Taiwan. Vergangenes Jahr schüttelte ein Beben den noch im Bau befindlichen Turm – zwei Kräne stürzten um. Die Stahlträger, welche der Kran aufgeladen hatte, schlugen durch massive Betondecken. Fünf Menschen starben, darunter die beiden Kranführer. Chung Ping Wang ist der Architekt des Turms.
Die bis dato höchsten Projekte der Welt waren das 420 Meter hohe Jin Mao Building in Shanghai und die 452 Meter hohen Zwillingstürme der Petronas Towers in Kuala Lumpur.
Doch zwei über 500 Meter hohe geplante Hochbauten eifern dem Bau in Taipeh bereits nach: In Seoul (International Business Center) sollen 130 Stockwerke und im indischen Katangi (Centre of India) 224 Etagen errichtet werden – und dem „Taipeh 1001“ den Weltrekord rauben.
Zur Veranschaulichung, wie sehr Europa am „Boden“ bleibt: Das höchste Gebäude hier zu Lande ist das Commerzbank-Gebäude in Frankfurt mit 259 Metern.

Aufsehen erregende Bauten
Auch Berlin macht beim Weltrekord-Baustress mit. Die Stadt will rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 ein 175 Meter hohes Riesenrad errichten. Die Baukosten liegen zurzeit bei 60 Millionen Euro. Damit wäre das mit Solarenergie betriebene Aussichtsrad 40 Meter höher als das bis dato höchste Riesenrad der Welt, das Millenniums-Rad in London.
Spektakulär in ihrer Konstruktion sind auch Magnetschwebebahnen. Die zurzeit weltweit schnellste fährt in Schanghai. Die deutsche Magnetschwebebahn „Transrapid“ schafft problemlos 501 Stundenkilometer. Ab 2005 sollen jährlich zehn Millionen Passagiere transportiert werden. Auch München will jetzt 1,6 Milliarden Euro für eine Transrapid locker machen. Spätestens 2009/2010 soll der Fahrbetrieb aufgenommen werden.
Auch bei Spannweiten von Brücken liefern sich Bauingenieure „Gefechte“. Brückenkonstrukteur Othmar H. Ammann schaffte 1931 mit der Hudson River Bridge den Weltrekord, mit einer Spannweite von 1067 Metern. Die „Kobe-Naruto“ in Japan (Spannweite 1990 Meter) ist heute die längste Hängebrücke der Welt. Da Längen von Brücken kaum mehr zu überbieten sind, probiert es Frankreich mit der höchsten Brücke der Welt. Die 343 Meter hohe und 2400 Meter lange Konstruktion überbrückt ab Dezember 2004 den Fluss Tarn. 310 Millionen Euro investieren die Franzosen in den Weltrekord. Damit ist die bis dato höchste Brücke der Welt, die Royal Gorge Bridge im US-Staat Colorado mit 321 Metern, geschlagen.
Die Bauwirtschaft geht gern an die Grenzen des Machbaren. Konstruktionen, die noch nirgends getestet wurden, werden gerechnet, ausprobiert. Doch Bauwerke sind keine Übungsflächen – die Berechnungen müssen passen.
2004: Flughafen Paris – ein 30 Meter langer Teil eines erst vor kurzem fertig gestellten Glasröhrenterminals stürzt ein. Sofort werden Stimmen laut: Kein Wunder, so eine waagrechte Konstruktion kann ohne Stützen nicht halten! Das ist der Nachteil von weltrekordverdächtigen Bauten.
Kein Risiko geht man in Österreich ein und versucht einen etwas anderen Weltrekord in Linz. Beim Spatenstich für die Erweiterung des Linz-AG-Centers griffen 1315 Personen zum Spaten und wollen damit ins Buch der Rekorde. Das 40-Millionen-Euro-Projekt soll im Dezember 2005 fertig sein.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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