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Einkaufsorganisationen

Lieferantenpflege

Bauboom und Ressourcenknappheit: Wie lösen Baufirmen dieses Dilemma?

Man muss zwischen Material, Halbfertig­produkten oder nachgelagerten Ausführungen, die als Generalunternehmer (GU) übernommen wurden, unterscheiden. Zum Material: Hier haben größere­ Firmen natürlich mehr Macht, um zu ihren erforderlichen Liefer­ungen zu kommen. Ich freue mich mehr denn je, dass wir unsere Einkaufsgruppe die „Abau NÖ-Wien“ jetzt auch mit Betrieben aus der Steiermark und Kärnten aufgebaut haben. Hier gilt: Wer stärker ist, bekommt früher sein Material. Hier konnte unsere Abau für die Eigentümerfirmen die Versorgungs­sicherheit bei den Lieferanten einfordern, alle Firmen wurden recht­zeitig beliefert. Etwas anders sehe ich die Teilgewerke, die nach­­ge­lagert ausgeführt werden. Hier muss sehr zeitig angefragt und bestellt werden. Ein Vorlauf von drei bis vier Monaten ist nichts Außergewöhnliches. Dann gibt es noch die Gestehungspreise. Hier reagieren einige Firmen sehr übertrieben. Sehr dramatisch sind die Preise bei den Haustechnikgewerken gestiegen. Auch Materialpreise haben sich in vielen Bereichen um 15 bis 20 Prozent verändert. Bei langfristigen Verträgen muss das der GU dann übernehmen. ­Firmen, die viele und langfristige GU-Verträge mit Fixpreisen haben, können dadurch schon in existenzielle Schwierigkeiten kommen.

Johannes Dinhobl, Dinhobl Bauunternehmung GmbH

Das Problem der knapper werdenden Ressourcen besteht momentan definitiv – je nach Gewerk und Material – in unterschiedlich großen Bandbreiten. Schwierig ist es momentan in den Bereichen Trockenbau und ­Fassaden – das Material ist knapp, und die Aus­führenden sind komplett ausgelastet. Auch Krane sind momentan nicht mehr so einfach zu bekommen. Die größte Herausforderung sind aktuell jedoch Mineralwolldämmstoffe. Trotz monatelanger „Vorbestellungen“ mussten wir fast darum betteln, um das Material rechtzeitig auf der Baustelle zu haben. Bis zum Jahresende wird die Nachfrage noch auf diesem Niveau bleiben. Höchstwahrscheinlich werden sich auch einige Projekte aufgrund dessen heuer nicht mehr realisieren lassen. Die Handlungs­möglichkeiten für Bauunternehmen sind eingeschränkt. ­Einkaufsorganisationen und Rahmenverträge können natürlich helfen. Lagerhaltung auf Verdacht zu betreiben wäre allerdings sehr unwirtschaftlich, deshalb ist das keine Lösung. Vielmehr versuchen wir von jeher, den Kontakt mit unseren Lieferanten gut zu pflegen und partnerschaftlich und fair zu agieren. Das macht sich nun in Zeiten wie diesen bezahlt!

Elmar Hagmann, Dipl.-Ing. Wilhelm Sedlak GesmbH

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