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Bauen in der Landwirtschaft: Hoher Anspruch an Qualität und Sicherheit

16.01.2008

Eine Vielzahl landwirtschaftlicher Bauten wie Wirtschaftsgebäude und Stallungen für zwei Millionen Rinder, über drei Millionen Schweine und mehr als 12 Millionen Hühner sind auch ein wichtiger Motor für Bauwirtschaft und Baustoffindustrie. Landwirtschaftliche Bauten haben einen hohen Qualitäts - und Sicherheitsanspruch, der mit der richtigen Auswahl der Betonsorte ermöglicht wird, erklärt der Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, DI Felix Friembichler.

Qualität, Sicherheit und praktische Anwendbarkeit stehen im Zentrum der neu erschienenen ÖNORM B 4710-1, die seit Oktober 2007 die Betonanwendungen in der Landwirtschaft umfassend regelt. Zur besseren Übersichtlichkeit wurde dazu vom österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung ein Merkblatt mit bildlichen Darstellung und Zuordnung aller landwirtschaftlichen Bauteile herausgegeben. Bauvorhaben in der Landwirtschaft stellen besondere Anforderungen an die Bauherren, Planer und Ausführenden. "Die Palette der Bauten, bei denen Beton verwendet wird, reicht von Ställen und Nebengebäuden über Silos, Güllebehälter zu Biogas- und Windkraftanlagen bis hin zum Wegebau und Hofbefestigungen", so Friembichler. Wichtigste Voraussetzung für ist die Langlebigkeit, selbst bei hoher Beanspruchung, aber auch die praktische Anwendbarkeit der Vorschriften.

Friembichler: "Beton ist der ideale Baustoff für die vielfältigen und teilweise sehr anspruchsvollen Aufgaben in der Landwirtschaft. Silos, Güllebehälter oder Stallböden müssen eine hohe Dichtheit aufweisen, um das Grundwasser zu schützen und brauchen Widerstandsfähigkeit gegen aggressive organische Verbindungen." Dazu kommen hohe mechanische Belastungen, sowie Witterungsbeanspruchungen und Feuchtigkeit. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden besteht das Herzstück von Biogasanlagen, der Fermenter, meistens aus hochwertigem Beton und geeigneten Schutzmaßnahmen.

Lösungen für sichere Futteranlagen und Güllebehälter

In Flach- und Hochsilos wird Gärfutter (Silage) mit hohem Nährstoffgehalt gelagert. Diese Silos werden chemisch durch Silagesickersäfte (organische Säuren), mechanisch durch landwirtschaftliche Geräte und physikalisch durch Frost beansprucht. Daher erfordern Flach- und Hochsilos einen Beton mit hohem Widerstand gegen chemische Angriffe und einen hohen Frostwiderstand. Eine ausreichende Dauerhaftigkeit bei Gärsäureangriffen kann aber nur durch eine zusätzliche Schutzschicht erreicht werden. Die bei der Silage entstehenden Gärsäfte sind wegen des Grundwasserschutzes aufzufangen und zu sammeln. Auch dafür bietet der Baustoff Beton geeignete Lösungen in Form von chemisch hoch widerstandsfähigen Gärsaft-Sammelbehältern, Schachtelementen und Abwasserrinnen. Auch für Grundwasserschutzwannen, in denen Mist aufbewahrt wird (Festmistdünger-Stapelflächen) und insbesondere für Güllebehälter ist Beton der Baustoff der ersten Wahl. Gülle übt einen schwachen chemischen Angriff auf Beton aus, sodass Betone mit entsprechenden Eigenschaften zum Einsatz kommen. Die Auswahl der richtigen Betonsorte, die normenkonforme Herstellung bzw. Bestellung von Transportbeton, die exakte Verarbeitung und sorgfältige Nachbehandlung sind aber bei allen landwirtschaftlichen Bauprojekten wesentlich, um die erforderlichen Eigenschaften auch tatsächlich erreichen zu können.

Neue ÖNORM und übersichtliches Merkblatt erschienen

Die im Oktober 2007 veröffentlichte ÖNORM B 4710-1 regelt die Betonanwendungen in der Landwirtschaft umfassend und nach Anwendungsbereichen gegliedert neu. Für einen praxisnahen und verständlichen Überblick wurde vom Österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL) das Merkblatt 83 "Baustoffe in der Landwirtschaft - Beton" herausgegeben. Dieses enthält eine ausführliche Beschreibung und bildlichen Darstellung aller Bauteile, die Zuordnung der dafür empfohlenen Betonsorten und praktische Tipps zur Betonherstellung und -verarbeitung.

Neuerungen und zusätzliche Schutzmaßnahmen

Eine wesentliche Neuerung der ÖNORM B 4710-1 betrifft die Anwendung von Bindemitteln mit erhöhter Sulfatbeständigkeit. Bisher waren alle Betonsorten für Gülleanlagen mit einer C3A-freien Zementsorte (Tricalciumaluminat) herzustellen. In der flüssigen Phase der Gülle und bei ausreichend Luftkontakt ist die Bildung von biogener Schwefelsäure allerdings derart gering, dass die Verwendung eines C3A-freien Zementes nicht unbedingt erforderlich ist. Bauteile von Gülleanlagen, die ständig von Flüssigkeit bedeckt sind, wie zum Beispiel Böden oder Bauteile, die ausreichend belüftet werden, wie offene Behälter können also nunmehr mit Normalzement hergestellt werden. Wände und Decken von geschlossenen Güllebehältern, aber auch Güllekanäle in Warm- und Kaltställen müssen weiterhin mit C3A-freiem Zement betoniert werden.

(Quelle: APA)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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