Direkt zum Inhalt

Bauen für eine starke Zukunft

26.11.2009

Österreich ist zurzeit der größte Investor in Bosnien und Herzegowina. Die Herausforderungen liegen in der Sanierung wie auch in erdbebensicheren, privaten und gewerblichen, großvolumigen Bauprojekten.

Der sehnlichste Wunsch der österreichischen Handelsdelegierten in Bosnien und Herzegowina, Astrid Pummer, ist, dass Bosnien endlich aus den negativen Schlagzeilen rauskommt: „Es gibt immer noch irre viel zu tun, aber es ist auch schon ebenso viel passiert – mit den ewigen negativen Berichten werden Investoren kaum motiviert, nach Bosnien-Herzegowina zu kommen.“ Immerhin, Österreich ist zurzeit der größte Investor in dem vom Krieg dramatisch getroffenen Land. Pummer spricht von gewaltigen Chancen, die auf Unternehmen in dem vom Wiederaufbau geprägten Land warten – vor allem in puncto Infrastruktur wie auch Sanierung. Als Handelsdelegierte berät sie österreichische Unternehmen in Sachen Investment, aber auch in verwaltungs- und kredittechnische Belange.
Die Auswirkungen des Krieges sind immer noch weitläufig sichtbar – zerstörte, verlassene Häuser wie auch kaputte Straßen trotzen als stumme Zeitzeugen. Nach der Ankunft in Belgrad führt der Weg durch Bosnien und Herzegowina ins Gebirge nach Tuzla. Die einstige Industriehochburg von Bosnien und Herzegowina erwacht langsam mit frischen Energien – mit vielen Wohnungsneubauten, touristischen Einrichtungen, Gewerbebauten und einer Fülle an Sanierungsprojekten. Tuzla liegt im Spreca-Tal am Fluss Jala. Tuzla ist als drittgrößte Stadt die Kantonshauptstadt der Föderation Bosnien und Herzegowina. Mit 500.000 Einwohnern ist Tuzla zugleich die bevölkerungsreichste Stadt von Bosnien und Herzegowina. Das Land ist dezentralisiert und besteht aus einem mehrheitlich serbischen (christlich-orthodoxen) Landesteil, der „Republika ­Srpska“, und dem mehrheitlich bosniakisch (muslimischen) und kroatisch (katholischen) Landesteil.

Ökologisch wertvoll
Ytong, Xella Baustoffe, eröffnete vor wenigen Tagen ein Werk in Tuzla. Mit einem Investitionsvolumen von 23 Millionen Euro setzt Xella ihre Expansionsphase in den südosteuropäischen Raum weiter fort. Ytong zählt zu den führenden Unternehmen im europäischen Bau- und Rohstoffmarkt, die Gesellschaften der Länder Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Kosovo werden zentral von Österreich koordiniert und gesteuert.
Ytong wurde 1965 in Loosdorf bei Melk gegründet und vertritt als Tochterunternehmen die Xella International GmbH, eines der führenden Unternehmen im europäischen Baustoff- und Rohstoffmarkt. Ökologisches und energieeffizientes Bauen ist dabei ein wichtiger Aspekt. Alle Ytong-Produkte – Ytong für Porenbeton und Ytong Multipor für Mineraldämmplatten – tragen das Natureplus-Gütesiegel – Europas strengster Richtwert für Schadstoffe und Anforderungen an eine umweltfreundliche und energiesparende Produktion.
„Die Nachfrage nach energieeffizienten und ökologisch nachhaltigen Baustoffen ist auch in den südosteuropäischen Ländern stark im Wachsen, mit dem neuen Werk in Tuzla setzen wir wichtige Schritte Richtung Zukunft“, erklärt Claus Steiner, CEO der Xella Alpe-Adria, während des Werkbesuchs. 23 Millionen Euro investierte Steiner in das Werk inklusive Verwaltungsbau in Tuzla.
Der Stellenwert der Österreicher vor Ort wurde mit den hochrangigen Gästen einmal mehr unterstrichen. Zur Eröffnungsfeier nach Tuzal kamen Enes Mujic, Premierminister Kanton Tuzla, Imamovic Jasmin, Bürgermeister von Tuzla, Donatus Köck, Österreichs Botschafter, sowie die Handelsdelegierte Astrid Pummer. Arbeitswillige gibt es genug – Fachkräfte werden selbst herangebildet. Im neuen Werk in Tuzla beschäftigt Ytong allein 115 Mitarbeiter. Eine Vielzahl der Arbeitsplätze sind computerlastig – die Produktion am neuesten Stand der Technik. Die gesamte Produktion der Ytong-Steine läuft nun unter einem Dach ab – bis zur Einschweißung in die charakteristische gelbe Folie. „Praktisch alle Maschinen und Anlagen, bis auf die Sandmühlen und Autoklaven, sind neu. Herz und Kernstück sind die Misch- und Gießanlage sowie die neue Säge. Aber auch die Kran- und Verpackungsanlagen, ausgestattet mit Steuerungen der neuesten Generation, sind Glanzstücke in der neuen Fabrik“, erklärt Andreas Rähse, technischer Geschäftsführer der Xella Alpe-Adria GmbH, begeistert, „Den maschinentechnischen Neuerungen sind eine Vielzahl von baulichen Aktivitäten vorausgegangen, wobei neben einem neuen Hallenteil für den Kippkran vom alten Hallenboden praktisch nur noch Fragmente erhalten geblieben sind.“

Ambitionierte Ziele
Steiner zeigt sich begeistert von dem Interesse und der Motivation der neuen Mitarbeiter. Auch Bürgermeister Jasmin spricht von der guten Stimmung, die aufgrund der Investition seitens Ytong nun in „seinem“ Ort herrscht. Wenn auch der Premierminister – entspricht dem österreichischen Landeshauptmann – Mujic, noch auf eine Vielzahl von weiteren Investitionen hofft.
Steiner hat ein ambitioniertes Ziel für Bosnien-Herzegowina – geplant ist bei einer vollen Auslastung die Produktion von 200.000 Kubikmeter Baustoff. Dies entspricht etwa einem Volumen von 4.000 Wohneinheiten und einem Marktanteil bei Wandbaustoffen von etwa 15 Prozent. Durchaus realistisch, meint Jasmin – denn der Wohnbedarf ist dringend. Steiner denkt aber bereits weiter: „Mit dieser Kapazität wird das Werk bei entsprechender Nachfrage im Bausektor zirka ein Drittel der Produktion in die Nachbarstaaten exportieren können.“
Die Lage des neuen Werkes in Bosnien-Herzegowina wurde bewusst zentral gewählt, um Länder wie beispielsweise Kroatien zu wettbewerbsfähigen Preisen und logistisch optimiert beliefern zu können. „Der Aufholbedarf am Bauwesen ist nach dem Krieg noch immer enorm. Vor allem braucht das Land Produkte, die leicht be- und verarbeitbar sind und dazu eine für die bergige Region wichtige, hohe Wärmedämmung aufweisen. Wir haben den besten Wandbaustoff mit bester Technologie und höchster Wärmedämmung. Damit wollen wir in Bosnien Marktführer werden und unseren Mitarbeitern eine Zukunft in einem dynamischen Unternehmen bieten“, erklärt Steiner. Das Management der neuen Niederlassung setzt sich aus international erfahrenen Mitarbeitern der Region zusammen. Die Ausbildung neuen Personals erfolgt durch einen internationalen Know-how-Transfer aus den bestehenden Werken Europas.

Infrastruktur-Know-how
Die Eisenbahnstrecken in Bosnien von Sarajevo bis Ploce in einer Länge von 99 Kilometer sowie die Strecke von Kostajnica nach Josavka in der Republik ­Srpska mit einer Länge von 65 Kilometer werden modernisiert. Auf beiden Strecken wird der Oberbau komplett auf die Schienenform UIC 60 ausgetauscht sowie das gesamte Schotterbett erneuert. Dies wird zu einer wesentlichen Erhöhung der derzeit möglichen Fahrgeschwindigkeit der Züge führen und so der Bevölkerung ein wesentlich moderneres Schienentransportmittel zur Verfügung stehen. Alpine erhielt vor wenigen Tagen gemeinsam mit Swietelsky den Zuschlag für das Projekt. Der Auftragswert beträgt netto 51,1 Millionen Euro. Ebenso wird die Alpine mit Swietelsky die Modernisierung der Eisenbahnstrecke von Banja Luka nach Doboj im Bereich des Abschnittes Kostajnica–Josavka ausführen – Nettoauftragssumme sind 33,9 Millionen Euro.
Das österreichische Familienunternehmen Asamer investierte über 100 Millionen in die Zementfabrik Lukavac in Bosnien-Herzegowina. Ein Zehntel der Investitionssumme wurde für Umweltschutzmaßnahmen aufgewendet. Die Modernisierung bringt auch eine deutliche Steigerung der Produktionskapazität. Die Umweltbelastung sinkt um 99 Prozent – bei dreifacher Produktionsleistung. Asamer ist damit der größte Auslandsinvestor des Landes. Kurt Asamer, Vorstand der Asamer Holding, erklärt: „Die modernisierten und neu errichteten zusätzlichen Anlagen ermöglichen eine deutliche Produktionssteigerung. Statt bisher 600.000 Tonnen können künftig 900.000 Tonnen Zement geliefert werden. Bosnien-Herzegowina wird damit unabhängiger von ausländischen Zementimporten. Wir können jede Tonne für Zukunftsprojekte wie den Autobahnbau im Land aufbringen.“ Asamer investiert auch in die Infrastruktur der Region Tuzla – in Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen.

Bosnien und Herzegowina
Hauptstadt: Sarajevo
Einwohnerzahl: 4.552.198
Fläche: 51.129 km2
Sprachen: Bosnisch, Serbisch,
Kroatisch
Religionen: Islam 40 %, Orthodox 31 %, Römisch-Katholisch 15 %
BIP pro Kopf: 3043 Euro

(Red.: Gisela Gary)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

News
28.01.2014

Ein Wolkenkratzer mit einer Höhe von über einem Kilometer soll in Saudi-Arabien entstehen. Die komplette Schalungslösung dafür kommt aus Amstetten.

News
15.01.2014

Hohe Verluste von Asamer im Vorjahr zwangen den Konzern zum Handeln. Nun wurde mit den Banken und der Holding eine Lösung gefunden. 

News
11.12.2013

Mit Beginn des Jahres 2014 übernimmt die Würth-Hochenburger GmbH den Teilbereich "Bauprodukte" der Fa. Nägelebau GmbH.

News
11.12.2013

Teckentrup bietet im Bereich Türen und Tore Lösungen für alle Größen an. Nun will das Unternehmen mit einer Niederlassung seine Aktivitäten in Österreich verstärken.

News
27.11.2013

Die Firmengruppe Eder bietet auch kommendes Jahr wieder ein umfassendes Schulungsprogramm für Baumeister und Planer an. Das Thema des Expertenforums 2013/14 lautet „Massivhäuser richtig planen und ...

Werbung