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Bauen mit Tradition und Zukunft

02.06.2005

Massivbauhäuser aus Ziegel oder Beton stehen bei den heimischen Bauherren und Planern hoch im Kurs. Über 80 Prozent der in Österreich errichteten privaten Neubauten werden in massiver Bauweise errichtet. Eine aktuelle Studie der vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie initiierten Programmlinie „Haus der Zukunft“ zeigt anhand von Vergleichsrechnungen für Niedrigenergie- und Passivhäuser, dass die in den neuen Länderbauordnungen verankerten Energie-sparmaßnahmen mit massiven Baustoffen sehr zufrieden stellend erfüllt werden. Der Grund dafür liegt in den Speichermassen, die massive Bauteile bieten. Um energieoptimiert zu bauen, reicht es nämlich nicht aus, die Außenhülle eines Gebäudes dick in Wärmedämmung zu verpacken. Neben der richtigen Ausrichtung zur Sonne, der kompakten Baukörperform und einer entsprechend dimensionierten Haustechnikanlage ist die Speicherfähigkeit der verwendeten Materialien einer der entscheidenden Faktoren für den Energieverbrauch. Wände und Decken aus massiven Baustoffen helfen die für den Niedrigenergie- oder Passivhausstandard geforderten Energiekennzahlen auf einfache Weise zu erreichen.

Länder fördern Energiesparen

Alle österreichischen Bundesländer haben ihre Wohnbauförderung auf energiesparende Bauweisen ausgerichtet. Dabei fällt die Förderung für Passivhäuser naturgemäß wesentlich höher aus als für Niedrigenergiehäuser, die einen Heizwärmebedarf von maximal 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a) aufweisen dürfen. Für Passivhäuser gilt als Richtwert der vom Österreichischen Passivhaus Institut definierte Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh/m2a. Die zusätzliche Förderhöhe liegt je nach Bundesland zwischen 4.275 Euro in Kärnten und 21.800 in Niederösterreich. In den meisten Fällen handelt es sich bei der Förderung um ein rückzahlbares Darlehen. Lediglich in Wien und Tirol kommen die Bauherren in den Genuss eines nicht rückzahlbaren Zuschusses, der um 11.500 bzw. 9.040 Euro über der Förderung für Niedrigenergiehäuser liegt. Diese finanzielle Begünstigung von Passivhäusern bewirkte beispielsweise in Niederösterreich einen sprunghaften Anstieg der Neueinreichungen für die Passivhausförderung von 0,4 auf zehn Prozent.
Werden die Energiekennzahlen nicht eingehalten, erhalten neu errichtete Gebäude keine Förderung –– ein wesentlicher Grund für die steigende Beliebtheit der energiesparenden Bauweise. Optimiert werden kann der Energiehaushalt eines Hauses durch eine entsprechende Wärmedämmung an den außenberührten Bauteilen. Eine monolithische Massivwand mit 38 Zentimeter Stärke reicht auch ohne Wärmedämmung aus um Niedrigenergiehausstandard zu erreichen. Wird eine zusätzliche Wärmedämmung von nur 12 Zentimeter aufgebracht, kann sogar Passivhaus-Standard erreicht werden. Spezielle Putze und Mörtel auf Basis von Kalk und Zement können zusätzlich zur Verbesserung der Wärmedämmung von Außenwänden beitragen.
Ein wesentlicher Vorteil bei der Verwendung massiver Bauteile ist die hohe Alterungsbeständigkeit der Materialien. Damit ist gewährleistet, dass die geforderten Werte über die gesamte Lebensdauer gewährleistet werden.

Speichern statt Heizen

„Speichermasse spart Energie und Kosten“, ist auch die Conclusio der Studie von „Haus der Zukunft“. Drei in unterschiedlicher Bauweise errichtete Gebäude wurden miteinander verglichen, wobei jeweils von einer gleichwertigen Wärmedämmung ausgegangen wurde. Der errechnete Heizwärmebedarf beträgt dabei bei der Massivbauweise lediglich knapp zwei Drittel eines Hauses in Leichtbauweise. Auch die Mischbauweise als Leichtbau mit massiven Bauteilen birgt nur geringes Einsparungspotenzial. Die möglichen Heizwärme-Einsparungen betragen nur etwa 8,5 Prozent der Heizwärme, die für den Leichtbau benötigt wird.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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