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Bauen mit viel Fingerspitzengefühl

11.09.2009

Die Bauaufgaben in dem noch jungen EU-Land Rumänien liegen vor allem in der Sanierung. Das deutsche Familienunternehmen Meva beweist Expertenwissen für den Neubau des Nationalstadions in Bukarest. Text: Gisela Gary

In dem 22-Millionen-Einwohner-Land Rumänien warten noch eine Vielzahl an Sanierungsprojekten – vor allem im Wohnbau gibt es zahlreiche Plattenbauten, welche gedämmt und generalsaniert werden müssen. Ebenso ist die Stadt bemüht, romantische alte Häuser aus den 30er-Jahren zu revitalisieren. Das Ende des Kommunismus wie auch der Eintritt in die EU verursachten eine Verkehrsexplosion – jeder zweite Rumäne besitzt heute ein Auto. Vielleicht ein Stückchen Freiheit, das symbolisch mit dem Auto erreicht wurde. Die Infrastruktur ist jedoch noch weit davon entfernt, die gewaltigen Verkehrsmassen effizient zu koordinieren. Investitionen in den Ausbau des Straßennetzes wie auch Unterführungen zur Verkehrsberuhigung werden jedoch aktuell getätigt.

Der rumänische Lei wurde zwar erst vor kurzem korrigiert, dennoch belastet das Auseinanderklaffen der Lohn-Kosten-Schere die Bevölkerung massiv. Eine durchschnittliche Zweizimmerwohnung kostet häufig weit mehr, als der Durchschnittsverdienst ausmacht.
Diese Diskrepanz überbrücken viele Rumänen mit Nebenjobs – und diese gibt es in fast allen Berufen.
Internationale Bauunternehmen können sich für EU-weit ausgeschriebene Bauaufgaben bewerben, welche sich mit einer sorgfältigen Planung dennoch rechnen. Das deutsche Schalungsbau-Familienunternehmen Meva investierte vor rund zehn Jahren in einen eigenen Vertriebsstandort in Bukarest. Horia Ion Nitulescu, Leiter von Meva-Rumänien und studierter Bauingenieur, erzählt nicht ohne Stolz von seiner Anfangszeit.
Er begann als One-Man-Show – und hat inzwischen ein kleines Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern aufgebaut. Die internationalen Meva-Standorte werden von den Geschäftsführern jeweils selbstständig verantwortet, mit eigenem Budget wie auch Verantwortung über die Kosten.

Bau-Know-how lernen
Seine perfekten Deutschkenntnisse geraten Nitulescu bei Verhandlungen mit potenziellen Auftraggebern wie auch mit Projektpartnern zum Vorteil. Bei dem aktuellen Projekt in Bukarest, dem Neubau des Nationalstadions Lia Manoliu, arbeitet er mit dem Bauunternehmen Max Bögl zusammen – vor Ort sind durchgehend deutsche Projekt- und Bauleiter tätig.
„Wir liefern die Gesamtschalungslösung für den Ortbetonbau, gebaut wird mit lokalen Partnern“, erklärt Nitulescu. 140.000 Kubikmeter Erdaustausch mussten vor Projektstart bewegt werden, bis mit der Produktion der Betonfertigteile begonnen werden konnte. Auf dieser Baustelle wird fast alles selbst hergestellt – vor Ort, in einer eigenen Halle. Selbst eine Mischanlage steht zur Verfügung wie auch eine Vielzahl an Liebherr-Kranen:

„Der Transport der Materialien mit Lkw durch die vom Verkehr immerzu verstopften Straßen Bukarests wäre viel zu teuer“, erläutert Nitulescu.
Ende 2010 soll das Stadion fertiggestellt sein. Auf sechs Etagen, insgesamt rund 100.000 Quadratmeter, werden unter anderem eine Tiefgarage, Konferenzräume und Restaurants errichtet. Das lichtdurchlässige Dach des Stadions wird komplett auf- und zufahrbar sein. Bereits 2012 soll im neuen Stadion das Europaliga-Finalspiel ausgetragen werden.

Die Auftragssumme des neuen Stadions beträgt 136 Millionen Euro – für das 55.000 Sitzplätze umfassende Stadion werden an die 80.000 Kubikmeter Ortbeton verbaut. Nach kleinen Anfangsproblemen mit dem Grundwasser wie auch der intensiven Auseinandersetzung mit dem Untergrund – der Platz mitten in Bukarest ist ein massiv gefährdetes Erdbebengebiet –, entschied der Bauunternehmer für eine Mischbauweise: Ortbeton und Fertigteilbau. Doch eine weitere Herausforderung für die Ausführenden wartete in der Verwirklichung der Architektur:
„Aufgrund der planerischen Vorgaben mussten wir 120 Außenstützen mit 27,5 Meter Höhe in Sichtbetonqualität errichten, mit der Mammutschalung und dem Gerüstturm Space gelang uns die Realisierung der Idee. Das Stadion ist in seiner Form der Frankfurter Commerzbank-Arena nachempfunden“, erklärt Nitulescu.

Die Vollkunststoffplatte alkus liefert konstant hochwertige Sichtbetonergebnisse. Beim ersten Takt wurde eine Stahlbetonkonsole einbetoniert, auf der anschließend die Fertigteile der Zwischendecke aufliegen.
Für viele rumänische Arbeiter ist der Schalungsbau noch ein Fremdwort – diese werden angelernt. Als Nitulescu für Meva begann, wurde Schalungsbau in Rumänien kaum eingesetzt. Inzwischen sind die Bauarbeiter vor Ort von den Vorteilen und dem Effizienzsteigerungspotenzial durch den Schalungsbau überzeugt.

Dienstleistung als Erfolgsrezept
Gerhard Dingler, Meva-Gründer und geschäftsführender Gesellschafter, setzt vor allem in der jetzigen angespannten wirtschaftlichen Situation noch stärker auf Miete und Dienstleistung. „Wobei“, so Dingler, „Projekte gibt es genug.“ Meva produziert 60 Prozent seiner Produkte selbst – rund 40 Prozent werden in Rumänien vor Ort hergestellt. Dingler hat das Schalungsbauunternehmen vor mehr als 30 Jahren gegründet, heute beschäftigt er rund 400 Mitarbeiter. 2007 betrug der Umsatz rund 135 Millionen Euro, 2008 130 Millionen, für 2009 schätzt Dingler den Umsatz auf 100 Millionen.
„Trotz des Umsatzrückgangs werden wir in Deutschland keine Kündigungen vornehmen müssen, ganz im Gegenteil, wir nützen die Zeit für Qualifizierungsmaßnahmen und Schulungen – allerdings haben wir unsere Zulieferunternehmen reduziert“, erklärt Dingler.

Bei dem gemeinsamen Baustellenbesuch in Rumänien überzeugt sich der Chef selbst über den Fortschritt des Baus und zeigt sich beeindruckt. Dinglers Unternehmenskonzept basiert darauf, dass die Vertriebsstandorte und Logistikcenter von den Geschäftsführern jeweils vollkommen selbstständig geführt werden.
So entschied auch Nitulescu alleine die Errichtung eines eigenen Gebäudes in Bukarest. Das neue Haus in Sichtbeton ist eines der zehn Logistikcenter und somit ein zentraler Standort im europäischen Miet- und Dienstleistungskonzept. Untergebracht sind das Mietlager, eine Regenerierungsanlage, Trainings- und Ausstellungsräume sowie Verwaltung und Technik. In Verbindung mit der feierlichen Eröffnung des neuen Standortes, zu der selbst Radu Merica, Präsident der rumänischen Industrie- und Handelskammer, kam, lüftete Dingler ein kleines Familiengeheimnis:
Sein jüngster Sohn, Florian Dingler, Absolvent der französischen Elite­universität EDHEC und Master of Science in der Fachrichtung Finanzen und Rechnungswesen, tritt als Verantwortlicher für Finanzen, Controlling und Produktion in die Geschäftsführung von Meva ein.


bau.info
Nationalstadion Bukarest Lia Manoliu

• 55.000 Sitzplätze
• 4.000 VIP-Logen
• sechs Etagen – Gesamtfläche 108.000 Quadratmeter
• 80.000 Kubikmeter Ortbeton
• Auftragssumme: 136 Millionen Euro
• Fertigstellung: Ende 2010

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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