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Bauen und das ewige Leben

05.03.2010

Im Rahmen der Messe Bauen und Energie wurden beim Kongress Sanieren oder Abreißen Versäumnisse und Zukunftsperspektiven diskutiert. Eine Fülle an Ideen und neuen Konzepten wurde präsentiert.

Ursula Schneider, pos Architekten, brachte die Stimmung in puncto Klimaschutz und Ressourcenschonung auf den Punkt: „Wenn ich höre, was wir in Zukunft alles machen werden, drängt sich mir die Frage auf, was wir in der Vergangenheit alles versäumt haben.“ Die europäische Gebäuderichtlinie der EU (EPBD, europäische Energieeffizienzrichtlilnie für Gebäude) verlangt bis 2020 den Bau von energie­autarken Gebäuden. Günther Liebel, Lebensministerium, verbreitete für Österreich grundsätzlich Optimismus – auf seine positiven Gedanken bezog sich auch oben zitierte Aussage von Ursula Schneider. Liebel betonte jedoch, dass mit der Wohnbauförderung neue Modelle durchgedacht werden sollten, mit deren Hilfe bestimmte Sanierungsschritte als Bedingung für die Förderungswürdigkeit vorgeschrieben werden könnten: „Ordnungspolitische Schritte werden notwendig sein, um energieeffiziente Maßnahmen zu forcieren.“ Das Lebensministerium arbeitet mit dem Wirtschaftsministerium an einer Energiestrategie für Österreich. Weitere positive Entwicklungen laut Liebel: höhere Qualitätsstandards wie auch Zertifizierungssysteme für Qualität.

Sterben erlaubt
Karl Torghele, Spektrum und Präsident des Institutes für Baubiologie und -ökologie, IBO, provozierte mit seiner These: „Vom ewigen Leben – oder dürfen Häuser auch sterben?“ Mit der OIB-Richtlinie 6 kam Österreich der EU-Aufforderung nach, Mindeststandards für die Sanierung von Gebäuden umzusetzen. „Unsere tatsächliche Sanierungsquote beträgt jedoch knapp 1,2 Prozent. Das bedeutet, dass in Österreich ein Gebäude an die 80 Jahre stehen bleibt, bis es auf den neuesten technischen Stand gebracht wird. Dazu kommt, dass immer noch mehr neue Einheiten errichtet als saniert werden“, wetterte Torghele.
Der Klimaschutzexperte analysierte die Gründe für die Zurückhaltung bei Sanierung: „Wesentliche Hemmung ist dabei u. a. das Wohnungseigentumsgesetz, welches in vielen Sanierungsbelangen Einstimmigkeit der Eigentümergemeinschaft verlangt. Dazu kommt, dass die Renditen für unsanierte Projekte oft höher sind. Letztlich haben wir in Österreich jedoch eine dermaßen große Flut an Regelwerken und technischen Anforderungen, die Investoren vor Sanierungsprojekten zurückschrecken lassen“, erklärte Torghele. Er ist davon überzeugt, dass erst wenn der österreichische Sanierungsbestand auf Vordermann gebracht wird, ein Senken des Energieverbrauchs für Raumwärme spürbar und möglich ist.

In dem parallel zum Kongress gelaufenen Workshop zum Stichwort „Nachhaltig massiv“, wurde die gleichnamige Forschungsarbeit – siehe dazu auch bauzeitung 4/5 – vorgestellt und diskutiert. Carl Hennrich, Geschäftsführer Fachverband Steine und Keramik, erläuterte die Hintergründe: „Die zu geringe Nachhaltigkeit von mineralischen Baustoffen geht auf die Versäumnisse der vergangenen Jahre zurück. Es mangelte an institutionellen Tätigkeiten und geschlossenem Auftreten. Unser Forschungsprojekt ‚Nachhaltig massiv‘ will diese Lücke schließen. Mit 15 Teilprojekten wagen wir eine ausgewogene Betrachtung der mineralischen Baustoffe und einen Blick in die Zukunft.“

Sorgfältig entscheiden
Wolfgang Amann, Institut für Immobilien, Bauen und Planen (IIBW), betonte den Trend Österreichs zum Neubau anstelle von Sanierung: „Vor drei Jahren schlug ich gemeinsam mit der Baustoff- und Ziegelindustrie eine Möglichkeit vor, den Neubau wirtschaftlich zu lenken: Beim Ansuchen für einen Neubau bedarf es der Interessenbekundung der öffentlichen Hand, um überhaupt bauen zu dürfen.“

Hildegund Mötzl (IBO) rief die europäische Norm CEV TC 34, Nachhaltigkeit von Bauwerken, mit den 16 Indikatoren für die Ökobilanz, welche sich auf die Gewinnung des Rohstoffes bis zum Bau und letztlich auch dem Abbruch bezieht, in Erinnerung. Das IBO entwickelte speziell für die Baubranche die Software Ecosoft zur Erstellung von Ökobilanzen mit Datensätzen u. a. zu Baumaterialien, Prozessen und Haustechnik. Ecosoft ermöglicht Massenbilanzen inklusive der Zuordnung zu Entsorgungswegen wie Recycling oder Deponie.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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