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Bauen und Planen auf engstem Raum

09.06.2005

Mit der Fertigstellung des „Engel am Naschmarkt“ eröffnet das Restaurant Engel in der Neustiftgasse seine erste Dependance am traditionsreichsten und ältesten Markt von Wien. Nur neunmal 2,3 Meter Grundfläche hatten die Planer der Architektengruppe Gaupenraub zur Verfügung, um ein vollwertiges Restaurant mit Küche, Vorratslager, Tischen und Bestuhlung unterzubringen. Gelöst wurde diese Aufgabenstellung mit einem radikalen Konzept – einer Show-Küche, die den Koch und das Kochen in den Mittelpunkt rückt. Die Gäste sind auf ein Podest gehoben und schauen dem Koch sprichwörtlich über die Schulter. Die Verkehrsfläche zwischen Küchenzeile und Gästepodest teilt der Koch mit seinen Gästen. Noch während der Planungsphase wurde das Lokal von den Einbauten der Vorgänger befreit, Verkleidungen entfernt, Wandschichten nach und nach abgetragen, sodass die ursprüngliche Fläche von 19 Quadratmetern auf knapp 22 Quadratmeter erweitert werden konnte, was immerhin einen Raumgewinn von zirka 16 Prozent bedeutete. Bei der Gestaltung des schmalen, langgestreckten Raumes orientierten sich die Architekten an der Funktionsweise der klassischen Marktstände am Naschmarkt, die sich zur Straße hin öffnen und ihr Angebot nur feilbieten, wenn sie geöffnet sind. Umgelegt auf das Lokal wurde ein Fassadenkonzept entwickelt, bei dem das Parapet als Podest auf den Gehsteig geklappt und die Fenster um die Oberlichtsprosse gedreht werden können. So entsteht eine schmale, überdachte Terrasse vor dem Lokal, die den Innenraum um das Doppelte erweitert. „Faktisch verdoppeln wir das Lokal – in der Wahrnehmung aber wird es noch um vieles größer. Wir verwenden die Architektur nicht in ihrem eigentlichen Sinn, um den Außenraum vom Innenraum zu trennen, sondern gerade für das Gegenteil: Wir verwischen mit diesen Bauteilen die Grenzen, es entsteht ein Zwitterraum, in dem man nicht genau weiß, ob man sich noch im Restaurant oder schon auf der Straße befindet.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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