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Baufortschritte mit österreichischer Hilfe

22.11.2005

Ahangama – ein Verkehrsknotenpunkt und kommerzielles Zentrum an der Galle-Matara-Straße – war von den katastrophalen Wellen sehr stark betroffen: Hier starben nicht nur eine Vielzahl von Menschen, sondern es wurden auch private Häuser, Geschäfte und Existenzgrundlagen vernichtet, ebenso alle öffentlichen Einrichtungen. Die direkt am Meer gelegene Bibliothek wurde komplett zerstört, das gleiche Schicksal galt dem sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindenden Gesundheitszentrum und den Gebäuden der lokalen Verwaltung. Von den ehemals 7000 Büchern, die sich in der Bibliothek befanden, konnten nur mehr 500 geborgen werden, das Gesundheitszentrum und die Verwaltung mussten in provisorische Unterkünfte übersiedeln. Weder die Gemeinde Habaraduwa (Pradeshiya Sabha) noch die Regierung in Colombo haben die Mittel, diese Einrichtungen außerhalb der 100-Meter-Zone wieder aufzubauen. Im Rahmen der österreichischen Hilfsaktion wird nun, inmitten der „City“, ein neues Gemeindezentrum errichtet. Dieses wird wesentlich zur Normalisierung des öffentlichen Lebens in Ahangama beitragen. Pradeshiya Sabha hat ein großzügiges, 1,2 Hektar großes Grundstück für den Bau des Zentrums und einer Sportanlage zur Verfügung gestellt: Das neue Gesundheitszentrum, ein kleines Kommunikationszentrum und die Büroräume für die öffentliche Verwaltung werden in einem insgesamt 440 Quadratmeter Fläche umfassenden Gebäude untergebracht. Die neue Bibliothek wird sich in einem separaten zweistöckigen Gebäude befinden, in dem auch ein Café, eine Mehrzweckhalle und ein IT-Center integriert sind. Die Fläche wird 907 Quadratmeter betragen. Der Gebäudekomplex wird ergänzt durch den Sportplatz und ein kleines, 97 Quadratmeter großes Pavillon, in dem sich sanitäre Einrichtungen und Umkleidekabinen befinden.

Gesundheits- und Sozialschwerpunkt
In die Planung des Gemeindezentrums wurde nicht nur die Pradeshiya Sabha einbezogen, welche das Gemeindezentrum betreiben wird, sondern auch die Nationalbibliothek (National Library and Documentation Services Board) in Colombo, die Bibliothekare vor Ort und das Gesundheitspersonal. Architekt Harsha Munasinghe hat ein großzügiges Design entworfen, das allen artikulierten Bedürfnissen und kommunalen Erfordernissen ebenso gerecht wird, wie den lokalen ästhetischen Kriterien.
Das Gesundheitszentrum ist darauf ausgerichtet, bis zu 200 Patienten pro Tag zu versorgen. Insbesondere bei der Betreuung von schwangeren Müttern erfreut sich die Schulmedizin großer Beliebtheit, aber auch bei schwereren Erkrankungen, die sich den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten des Ayurveda (traditionelle Medizin) entziehen. Eine Apotheke wird dem Zentrum angeschlossen sein. Auch werden Programme zur Krankheitsprävention (z. B. HIV/Aids) durchgeführt werden. Die Basiseinrichtung des Gesundheitszentrums sowie die Gehälter für Ärztin und Personal werden vom „Ministry of Health“, laufende Betriebskosten von der Pradeshiya Sabha bezahlt. KAA wird zusätzliche medizinische Geräte anschaffen, die den diagnostischen und therapeutischen Standard verbessern.
Die Bibliothek wird mit Unterstützung der sri-lankischen Nationalbibliothek aufgebaut: Neben der Anschaffung von Büchern, dem Training der Mitarbeiter, der Implementierung spezieller Bibliothekssoftware wird die Grundausstattung, die von KAA zur Verfügung gestellt wird, auch durch spezielles Bibliotheksmobilar ergänzt. Pradeshiya Sabha kommt für die Betriebs- und die Personalkosten auf. Auch die Gemeinde und KAA werden zu der Büchersammlung beitragen. Insgesamt sollen in einem ersten Schritt etwa 10.000 Bücher angeschafft werden. Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer Bundesinnung Bau, und Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien, besuchten vor wenigen Tagen die Baustellen auf Sri Lanka als Vertreter der österreichischen Bauwirtschaft: „Die Projekte im Süden laufen sehr gut, wir sind weitestgehend im Zeitplan, trotz anhaltendem Monsunregen der vergangenen Wochen. Auch die Kosten können gut gehalten werden. Die Ausführenden vor Ort sind aufgrund des Regens etwas im Rückstand, wollen aber Arbeitskräfte aufstocken und zusätzliche Kontrollen einsetzen. Wir sind zuversichtlich, dass wir die 450 Häuser bis Oktober 2006 fertig stellen können, die Sonderprojekte sind ebenso bis Jahresende 2006 fertig. Ein zusätzliches Jugendzentrum soll direkt an der Küstenstraße gebaut werden. Im Osten müsste ebenso demnächst Baubeginn sein, zumal im Osten aufgrund des Bürgerkrieges es sehr schwierig ist, zu Genehmigungen zu kommen. Im Osten ist auch ein Krankenhaus geplant – das Grundstück haben wir uns bereits angesehen. Die Siedlung mit 150 Häusern für Tamilen und Moslems ist ebenso in Planung, dort werden die beiden Gruppen nebeneinander leben.“
Das Gemeindezentrum befindet es sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem mit österreichischer Hilfe entstehenden Dorf in Ahangama und liegt etwa einen Kilometer von der durch KAA generalsanierten Rohana-Schule entfernt. Das Gemeindezentrum – als „neues Herz“ Ahangamas – wird nicht nur der direkt vom Tsunami betroffenen Bevölkerung, sondern allen Bürgern zugänglich sein und so dazu beitragen, den Gemeinschaftssinn zu stärken und die Folgen der Katastrophe gemeinsam zu bewältigen.
KAA hat mit Pradeshiya Sabha – der Gemeinde Habaraduwa – und der/dem National Library and Documentation Services Board einen Rahmenvertrag ausgehandelt, der die einzelnen Verantwortlichkeiten und Beiträge festlegt. KAA ist für den Bau des Gemeindeszentrums und teilweise auch für dessen Ausstattung verantwortlich, wohingegen die Gemeinde – als zukünftiger Eigner und Betreiber – für die laufenden Betriebskosten, die Wartung, die Personalkosten etc. aufkommen wird. Die sri-lankische Nationalbibliothek wiederum unterstützt den Aufbau der Bibliothek. Das Projekt wird durch die Bundesinnung Bau, den Österreichischen Gemeindebund und durch die Generali unterstützt. Das Bauvolumen beläuft sich auf 360.000 Euro, die von KAA übernommenen Teile der Innenausstattung inklusive des IT-Centers auf 90.000 Euro. Das Memorandum of Understanding mit der Gemeinde Habaraduwa und der sri-lankischen Nationalbibliothek wurde im August unterzeichnet und das Land bis zur feierlichen Grundsteinlegung vor wenigen Wochen aufgeschüttet und planiert.
Die Schule ist zweistöckig, sechs Klassenzimmer befinden sich im Erdgeschoß. Im ersten Stock befinden sich die Schlafräume der angehenden Mönche. Es werden 40 Schüler die fünfjährige Ausbildung machen. Sie sind zwischen zehn und 16 Jahren alt. „Aus dem derzeitigen Jahrgang werden sieben Burschen die Universität besuchen. Es ist sehr angesehen und eine ,Ehre’ (sagt Rev. Dhammaloka, unser Mönch dort), einen Sohn auf die Mönchsschule zu schicken. Auch seine Mutter ist so stolz auf ihn. Die Schüler kommen nicht nur aus der umliegenden Nachbarschaft, sondern von der ganzen Insel zur Ausbildung an diesen Platz“, erklärt Andrea Winter, Rotes Kreuz, Sri Lanka. Das Gebäude wird Anfang Dezember fertig sein.

Instandsetzung und Ausbau
In der Rohana Schule in Ahangama werden rund 900 Schülerinnen und Schüler in 22 Klassen zwischen der sechsten und der 13ten Schulstufe unterrichtet. Die Rohana Schule entspricht – je nachdem ob sie mit der „mittleren Reife“ oder der „Matura“ abgeschlossen wird – einer Hauptschule, bzw. einem Gymnasium. Die Schule liegt direkt an der Hauptstraße, Teile des Schulhofes befinden sich in der „100-Meter-Zone” (Distanz zum Meer), innerhalb derer nicht gebaut werden darf. Im Rahmen der Kurier-Aktion hat KAA die Instandsetzung und den Ausbau der Rohana-Schule in Zusammenarbeit mit einem lokalen Baumeister in Angriff genommen. Neben der Wiederrichtung der Schulmauer, der Renovierung und Verbesserung der bereits existierenden Gebäude und deren Innenausstattung (Stühle, Schulbänke, Tafeln), dem Ausbau der Sanitäranlagen und dem Einziehen von variablen Trennwänden für separate Klassenräume, wird ein zusätzliches dreistöckiges Schulgebäude errichtet, das insgesamt zwölf Klassen ausreichend Platz bieten wird. Auch werden die Schulbibliothek, das Labor neu ausgestattet und ein Sportplatz errichtet. Zusätzlich werden die Flächen um die Gebäude herum neu gestaltet. Die Instandsetzung, die baulichen Verbesserungen, die Ausstattung mit neuen Unterrichtsmaterialien und das zusätzliche Schulgebäude werden den Standard der Rohana-Schule entscheidend verbessern. In der „neuen“ Rohana-Schule wird die Voraussetzung gegeben sein, dass auch die Qualität der Ausbildung maßgeblich steigt, was vor allem für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen von größter Wichtigkeit ist.
Mit dem „Ministry of Education“ hat KAA einen Vertrag über die Renovierung und den Bau des neuen Schulgebäudes, das den durch die Regierung vorgegebenen Richtlinien natürlich entspricht, abgeschlossen. Die Bewilligung des Vorhabens ist durch die örtliche Schulbehörde (Southern Province) erfolgt. Die baulichen Adaptionen und Infrastrukturverbesserungen sind mit dem Direktor der Schule und dem Lehrkörper genau abgesprochen worden. Das Projektmodul wird von Raiffeisen Niederösterreich zur Gänze finanziert und von KAA in Zusammenarbeit mit einer örtlichen Baufirma umgesetzt. Das verplante und bereits teilweise verbaute Projektvolumen beläuft sich auf 120.000 Euro. In der Ferienzeit (August) wurden die Innenarbeiten in den bereits bestehenden Gebäuden in Angriff genommen, wobei der Rohbau für das zusätzliche Schulgebäude etwa zu zwei Dritteln fertig gestellt ist. Die „neue“ Rohana-Schule wird zu Jahresende 2005 eingeweiht werden können.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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