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Baumeister im Wandel

11.03.2011

Die Jungen sind überzeugt: Das Berufsbild der Baumeister wird sich in den kommenden Jahren verändern. Der eindeutige Trend geht in Richtung Universalist und Alleskönner – wobei Experten-Know-how gefragt ist.

Das Thema Berufsbild Baumeister erhitzte die Gemüter – dabei geht es offensichtlich nicht nur um den historischen Wandel, sondern auch um die veränderten Bauaufgaben. Einerseits existiert als österreichische Einzigartigkeit die Trennung von Planung und Ausführung – der Baumeister ist für die Ausführung verantwortlich, die Ziviltechniker bzw. Architekten für die Planung. Anderseits gibt es auch planende Baumeister. Im 19. Jahrhundert war der Baumeister vom Entwurf bis zur Realisierung für ein Gebäude gesamtverantwortlich. Und heute? Die Jungen am Bau machen sich Gedanken über ihre Karrierechancen. Die Vorwürfe, dass es dem Baumeistergewerbe an Managementfähigkeiten fehlt wie auch an kaufmännischem Know-how, dass es zu viele Befähigungen gibt, die Ausbildung überholt werden muss etc., führten zu einer spannenden Diskussion.

Robert Charuza sieht seine Stärken in der gewerblichen Betreuung auf Baustellen. Für ihn ist der Weg in die Selbstständigkeit durchaus eine Option für die Zukunft. „In meiner jetzigen Tätigkeit als Verantwortlicher für die Abwicklung, Ausschreibung, Projektvorbereitung, Bauleitung, Bauaufsicht wie auch Nachbetreuung hilft mir meine Ausbildung zum Baumeister sehr. Der Beruf entwickelt sich sehr stark in Richtung ökologisches Bauen, Energieeffizienz und vermutlich weg von der alten Ziegeltradition.“

Der studierte Kultur- und Wassertechniker Gernot Wallisch hat auch die Baumeisterprüfung und ist seit zehn Jahren bei einer Baufirma beschäftigt: „Der Hintergrund für meine Entscheidung, die Baumeisterprüfung zu machen, war, dass ich meine Kompetenz auf den Baustellen draußen noch unterstreichen wollte. Bei mir steht nicht die Selbstständigkeit im Vordergrund, sondern dass ich den Baumeister als konsequente Weiterbildung für meine Tätigkeit sehe.“

Walter Seemann, erblich mit dem Bau vorbelastet – bereits der Großvater arbeitete am Bau –, war nach der HTL zunächst als klassischer Abrechnungstechniker, Jungbauleiter und später dann Gruppenbauleiter tätig. Danach wechselte er ins Bau- und Projektmanagement in die begleitende Kontrolle, auf die Auftraggeberseite: „Ich hab bald in meiner Berufslaufbahn gesehen, dass sich das Berufsbild Baumeister absolut gewandelt hat bzw. noch weiter wandeln muss. Der Baumeister muss der Fachmann sein, als Generalmanager auftreten und sich von den traditionellen Bildern wie Ziegelbaumeister, Trockenbaubaumeister oder Verputzbaumeister distanzieren. Er braucht eine profunde Ausbildung im Managementbereich, muss eine Führungsverantwortung übernehmen können. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass die klassische Ausbildung teilweise reformiert werden muss.“ Als Vertreter der Jungen Bauwirtschaft wird Seemann auch nicht müde, seine Kollegen zu Weiterbildung und Ausbildung zu motivieren.

Robert Peterlik absolvierte ebenso eine klassische Bauausbildung mit HTL-Hochbau. Nach der Baumeisterprüfung und der Bauträgerausbildung absolvierte er noch einen Fachhochschullehrgang im Wirtschaftsingenieurwesen. Seine Praxisjahre legte er bei einem mittelständischen Baumeister ab. „Nach zweieinhalb Jahren Auslandserfahrung in der Immobilienentwicklung – eine spannende Zeit, als junger Baumeister mehrstellige Millionenprojekte zu betreuen und zu entwickeln – wechselte ich wieder in ein Bauunternehmen. Heute kann ich sagen, das Wichtigste ist die Ausbildung. Ich unterrichte auch am Wifi angehende Baumeister, und ich beobachte den Werdegang – die Qualität ist schwankend, das muss ich ganz offen und ehrlich sagen.“

Charuza: „Zur Baumeisterausbildung muss ich sagen, ich habe vor drei Jahren die Ziviltechnikerprüfung abgelegt – im Vergleich ist die Baumeisterprüfung wesentlich moderner und zeitgemäßer. Bei den Ziviltechnikern ist das Standesdenken allerdings auch noch viel ausgeprägter.“
Peterlik: „Das sehe ich differenzierter. Spezialisten wird es immer geben, auch weil die Bauprojekte immer komplexer und komplizierter werden. Der Generalmanager braucht Fachleute.“
Seemann: „Ich sehe den Konflikt zu den Ziviltechnikern nicht. Ziviltechniker sind unsere Partner – ohne sie kann ich nicht bauen, da mir beispielsweise in der Statik die Berechtigung, aber auch das Know-how fehlt. Ein Thema, das auf uns zukommt, sind jedoch die Nachbarländer, die keine Gewerbeberechtigung haben, aber bei uns bauen können. Auch vor diesem Hintergrund meine ich, muss sich der Baumeister zum Allrounder wandeln. Ein großes Projekt gliedert sich im Schnitt in 35 Gewerke, ich kann nicht in jedem Gewerk der Spezialist sein. Aber auch in puncto Vertragsbedingungen sind wir auf Spezialisten wie z. B. Juristen angewiesen. Mit Sicherheit muss die Baumeisterausbildung insgesamt neu durchdacht werden.“
Peterlik: „Die Spezialisierung bei Baumeister muss meiner Meinung nach spezifiziert werden. Grundsätzlich finde ich die Ausbildung zum Baumeister sehr gut – aber es muss klar kommuniziert werden, dass der Baumeister nicht in jedem Bereich der Fachmann ist.“

Ist das auch eine Verabschiedung von der Baumeister ist der Generalist?
Wallisch:
„Nein, das sehe ich nicht so. Der Baumeister soll ein Generalist ein, gewisse Spezialisierungen sollten vom Baumeister weggehen.“
Seemann: „Baumeister könnten in Klassen aufgeteilt werden.“
In diesem Zusammenhang ist aber auch die Vergabe der Berufsausübungsberechtigungen ein wichtiges Thema.
Peterlik: „Ja, in diesem Bereich ist sicher einiges zu tun.“
Seemann: „Die Bezirkshauptmannschaft muss enger mit der Innung zusammenarbeiten, dann kommt es im ausführenden Gewerbe immer wieder zu seltsamen Berechtigungen ...“
Charuza: „Ein Thema ist sicher auch die mangelhafte wirtschaftliche Ausbildung. Der Baumeister braucht heute eine bauwirtschaftliche, baurechtliche, aber eben auch buchhalterische Kompetenz.“
Peterlik: „Ja, ich habe auch erst bei der Baumeisterprüfung gesehen, was diesbezüglich an Know-how verlangt wird. Der Baumeister muss wissen, wie Kosten ermittelt werden, wie er Preise ermittelt und sinnvolle Gewinne lukrieren kann.“
Wallisch: „Also ich musste ja aufgrund meines Studiums nur einen Teil der Baumeisterprüfung ablegen, und dabei lag das Gewicht sehr wohl auf dem wirtschaftlichen und rechtlichen Teil.“
Peterlik: „Warum wird bei Baumeistern nicht einfach alle fünf bis zehn Jahre eine Quasi-Weiterqualifizierung verpflichtend eingeführt? Ich muss mich als Sachverständiger ja auch immer wieder zertifizieren lassen.“
Seemann: „Da muss ich Ihnen recht geben, einerseits müsste der Stand der Technik überprüft werden, aber auch das wirtschaftliche Know-how. Das würde auch die Problematik mit den Befugnissen im Zusammenhang mit den EU-Ostländern entschärfen.“
Wallisch: „Das wäre die konsequente Weiterentwicklung! Kompetente Konzepte werden nötig sein und dazu ein jährlich evaluierbarer, überprüfbarer, staatlich zertifizierter akkreditierter Baumeister.“
Peterlik: „Aber auch schon eine verpflichtende Weiterbildung und Qualifizierung halte ich für sinnvoll, allerdings sollte dann auch ein wirklicher Nachweis darüber verlangt werden.“
Seemann: „So ein Update alle zwei Jahre wäre sehr gut, auch in puncto Arbeitssicherheit, aber auch zum Beispiel für Marketing. Wir haben das Problem, dass 40 Prozent der Betriebe in Niederösterreich per E-Mail nicht erreichbar sind! Okay, das sind teilweise sehr kleine Betriebe, Ein-Mann-Firmen, aber dennoch: Die Mitarbeiteranzahl wird je nach Projekt angepasst.“

Wie ist denn die gesellschaftliche Stellung des Baumeisters in Österreich?
Wallisch:
„Da muss man sicher unterscheiden – der Baumeister auf dem Land und der in der Stadt.“
Peterlik: „Auf dem Land sind Baumeister auch besser vernetzt, sitzen im Gemeinderat, sind Bürgermeister etc.“
Wallisch: „In meinem Geschäftsumfeld hat der Baumeister keinen wirklich großen Stellenwert – diese Titelhascherei ist ja ein österreichisches Phänomen. Bei den großen internationalen Projekten sind Titel nicht wichtig.“
Charuza: „Jeder, der die Baumeisterprüfung gemacht hat, weiß, welcher Aufwand dahintersteckt. Da findet man schnell eine Gesprächsbasis, wenn man weiß, der andere hat auch diese Prüfung absolviert.“
Seemann: „Gerade in Österreich ist der Baumeister sehr angesehen, das merkt man auf der Baustelle sofort, vor allem auch im Bau- und Projektmanagement. Zurzeit arbeiten wir an einem Stufenplan, damit eine internationale Vergleichbarkeit des Berufs gegeben ist. Der rumänische Bauträger sieht dann auch: Der hat diese Ausbildung. Umgekehrt kann ich den rumänischen Bauingenieur von seiner Ausbildung her auch einstufen. Es gibt ja jetzt ein Gütesie­gel vom Wirtschaftsminister. Da der Baumeister aber keine Meisterprüfung hat, darf er das nicht führen – ist doch absurd, oder? Alle, die das Wort Meister haben, dürfen es verwenden, nur der Baumeister nicht.“

Was werden die Betätigungsfelder der Baumeister in Zukunft sein?
Seemann:
„In erster Linie wird es den kleinen Baumeister für den Privatbau geben. Dann wird es aber auch Koordinatoren brauchen – der die Spezialisten betreut.“
Wallisch: „Ich sehe die Zukunft in Nischen. Den Baumeister wird es immer geben – aber er muss vielleicht auch selbst zum Spezialisten werden.“

Welche Veränderungen sind für ein zukunftstaugliches Berufsbild des Baumeisters notwendig?
Peterlik:
„Der Nachweis über die Praxis – ich bin bei Prüfungen häufig mit HTL-Absolventen konfrontiert, die vom Bau noch wenig Ahnung haben.“
Charuza: „Die Zugänge zu dem Thema sind unterschiedlich – der Zeitgeist wird den Baumeister nicht verdrängen. Aber die regelmäßige Qualitätskontrolle der Ausbildung ist sicher wichtig.“
Seemann: „Die Zukunft ist nicht der Ziegelbaumeister, sondern der Generalmanager. Das Wissen dazu muss man sich aneignen, ich kann nicht alles in die Baumeisterausbildung hineinpacken.“

Berufsbild Baumeister
Kompetente Konzepte werden in Zukunft gefragt sein, um im Wett­bewerb bestehen zu können. Verbesserungspotenzial orten die jungen Baumeister in der Ausbildung: Eine regelmäßige Evaluierung – zum ­Qualitätscheck – ist die Empfehlung der Diskussionsrunde.

(Redaktion: Gisela Gary)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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