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Bauphysik

19.11.2004

Bauphysik etablierte sich als eigene Disziplin. Nicht nur Wohn-, auch Büro- und Industriegebäude werden unter Berücksichtigung von bauphysikalischen Aspekten gebaut.

„Thinking new structures!“, lautete das Motto der bereits vierten, alle zwei Jahre stattfindenden Fachtagung an der Technischen Universität Graz. Interdisziplinäre Betrachtungsweisen gewinnen insbesondere auf dem Gebiet der modernen Bauphysik zunehmend an Bedeutung. Dies zu betonen war wieder zentrales Anliegen der diesjährigen Bauphysiktagung vor wenigen Tagen.
In diesem Sinne vereinte das Tagungskonzept namhafte Vortragende aus Disziplinen, die mit der Bauphysik mittelbar oder unmittelbar verbundenen sind.
Klaus Daniels von der ETH Zürich spannte in seinem Plenarvortrag „Gebäudehüllen als Wohlfühl-Randbedingungen“ einen Bogen von den physiologisch notwendigen, vom Menschen als behaglich empfundenen Klimabedingungen über moderne zwei- und mehrschalige Fassadensysteme und strömungstechnisch optimierte natürliche Lüftungskonzepte für Büro- und Hallenbauten bis zu futuristischen, sich selbst erhaltenden biomorphen Strukturen, welche Leitbild für die urbane Bebauung von morgen sein könnten.

Intelligente Hüllen schaffen
Als möglichen ersten Schritt auf dem Weg zu einer intelligenten Gebäude-Benutzerinteraktion stellte Reinhold Weiss vom Institut für Technische Informatik der TU Graz „Wearable Computing – als neues Paradigma in der Informatik“ vor. „Wearable“ steht in diesem Zusammenhang für „ständig betriebsbereit, klein, leistungsfähig, lernfähig und vernetzt“ und soll den Menschen in Situationen unterstützen, die eine intelligente Echtzeit-Interaktion mit der Umgebung erfordern. Als Beispiel seien die bereits im militärischen Bereich zur Zielerkennung verwendete simulierte Realität oder eine zukünftige Integration von Lage- und Personenortungssystemen für Rettungseinheiten erwähnt.
Einen wichtigen Beitrag zum „Gebäude der Zukunft“ könnten auch die von Gerhart Braunegg vom Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz vorgestellten „Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“ darstellen. Diese z.B. auch aus agroindustrieller Abfall- oder Überschussproduktion biologisch synthetisierten Polymere können in weiterer Folge wie herkömmliche Polyester, unter anderem auch als thermoplastische Klebstoffe, verwendet werden.
Nach diesen optimistischen Zukunftsperspektiven wies Otto Widetschek mit seinem Vortrag „Ist der Brandschutz ein Stiefkind?“ auf die Realität „explodierender“ Brandschäden in den letzten Jahrzehnten hin. Diese haben ihre Ursache primär in einer steigenden Wertdichte pro Quadratmeter, in zu großen Brandabschnitten, im Vergleich zu früheren Zeiten wesentlich höheren Brandlasten und Rauchgasentwicklungen durch Kunststoffe und brennbare Flüssigkeiten sowie in einer uneinheitlichen und zum Teil auch ineffizienten Brandschutzgesetzgebung.

Schauplatz Tiefgarage
Nicht nur brandschutztechnisch positive, sondern auch architektonisch bemerkenswerte Beispiele präsentierte die Architektin Karla Kowalski in ihren „Anmerkungen zu zwei konträren Bauten“: die Tiefgarage des Kaufhauses Kastner & Öhler in Graz und das Kulturzentrum in St. Ulrich im Greith. Während die Tiefgarage infolge ihrer Lage direkt am linken Murufer unter einem lebenden, in Benutzung befindlichen historischen Stadtquartier besondere Anforderungen an Bauorganisation, Statik und nicht zuletzt an die architektonische Qualität stellte, wurde mit dem Kulturhaus in einer Grenzlandgemeinde ein Identität stiftendes Kulturzentrum geschaffen, das regionale Bedeutung erlangt hat.
Karlheinz Fritsch, Magistrat Graz, hob in seinem Vortrag „Kunsthaus – Murinsel – Schlossberg“ zwei Leitprojekte des Kulturjahres 2003 und deren Nachnutzung sowie Auswirkung auf das (kulturelle) Selbstverständnis der steirischen Landes- und europäischen Kulturhauptstadt 2003 und die Aufwertung des Grazer Hausberges durch Dom im Berg, Lift und Café hervor.
Anschließend führte Egon Marth, Institut für Hygiene der Universität Graz, mit seinem Vortrag „Lärm als Stressor“ in die physiologischen und biochemischen Auswirkungen des „Volksschädlings“ Nummer eins ein. Neben den auralen, auf das Hörorgan beschränkten Krankheitsbildern rücken insbesondere die extraauralen, das vegetative und autonome System des Menschen beeinflussenden Auswirkungen zunehmend ins Bewusstsein der Fachwelt.
Die im Zusammenhang mit der immer wichtiger werdenden Reduktion der Kohlendioxidemission stehende Entwicklung neuartiger CO2-Rückhaltesysteme bei innovativen Kraftwerksprozessen verlangt neuartige, äußerst effektiv gekühlte Turbinen. Deren Entwicklung und Optimierung mittels thermographischer Untersuchungen war Gegenstand des Vortrages von Jakob Woisetschläger vom Institut für thermische Turbomaschinen und Maschinendynamik an der TU Graz.
Nach dem Bericht über ein laufendes, im Rahmen der Programmlinie „Haus der Zukunft“ durchgeführtes Forschungsprojekt durch Herwig Hengsberger, TU Graz, das sich mit der Untersuchung der Eignung von aufgespritzten und verputzten Zellulosedämmschichten als Innendämmung ohne Dampfsperre befasst, bildete die Vorstellung der neuen Forschungsschwerpunkte an der TU Graz durch den Veranstalter Peter Kautsch, TU Graz, den Abschluss dieser durch zahlreiche Diskussionsrunden bereicherten Fachtagung.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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