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Bauschadensforschung

20.04.2004

Die 12. Wiener Sanierungstage, veranstaltet vom Institut für Bauschadensforschung,
beschäftigten sich mit den verschiedenen Aspekten der Sanierung von feuchtem Mauerwerk.

Feuchtigkeit in Mauerwerk und Putz stellt sind eine ernstzunehmende Bedrohung der Bausubstanz eines Gebäudes dar. Hauptsächlich werden Schäden durch kapillar aufsteigende Feuchtigkeit verursacht, aber es gibt auch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, wie sich Wasser seinen Weg in das Mauerwerk bahnen kann. Ursachenerforschung und professionelle Ursachenbehebung sind die Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung. Leider wird hier bis heute noch oftmals mit mangelndem Wissen und speziell bei historischen Gebäuden auch immer wieder mit zu wenig handwerklichem Können vorgegangen, so dass mit der vorgeblichen Sanierung bereits wieder der Grundstein für weitere Schäden gelegt wird – und das, obwohl Österreich international als einziges Land mit der Önorm B 3355 eine Planungsnorm für die Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk entwickelt hat.
Die Wissenschaft beschäftigt sich sehr intensiv mit für das Bauwerk immer exakteren und schonenderen Methoden zur Bauwerksanalyse und zur Sanierung durchfeuchteter Bauteile. Die 12. Wiener Sanierungstage, veranstaltet vom Institut für Bauschadensforschung, IBF, brachten mehr als 20 hochkarätige Experten aus Österreich und Deutschland sozusagen an ein Vortragspult, um zwei Tage lang vor Baufachleuten über die neuesten Erkenntnisse bei der Sanierung von Feuchtigkeitsschäden an Bauteilen zu referieren. Schwerpunkte waren der Natursteinbereich, die Horizontalabdichtung sowie die Bewertung und Sanierung von Bauteilen. Mit dem sensiblen Bereich der Denkmalpflege beschäftigten sich vor allem Ministerialrat Dipl.-Ing.Franz Neuwirth, BM für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung IV/3 Denkmalschutz, und Arch. Univ.-Prof.DI Dr. Friedmund Hueber, Ludwig Boltzmann Institut für Denkmalpflege und Archäologische Bauforschung. Während Neuwirth den Versuch einer Annäherung in den Positionen von Denkmalschützern und Baufachleuten unternahm, die sich in Sanierungsfragen oftmals aus beidseitigem Unverständnis sehr konträr gegenüberstehen, zeigte Hueber die Problematik der Erhaltung antiker Gemäuer auf, die sich, von Erdreich geschützt, oft Jahrtausende lang vorzüglich erhalten, nach ihrer Freilegung jedoch einem rapiden Verfall preisgegeben sind Dabei entstehen bei erdverbundenen Bauwerken signifikante Schäden in Bodennähe, also in Gebäudezonen, die den Ausgleich zwischen dem Klima unter der Erde und dem Klima an der Luft herstellen müssen. Die häufigste Schadensursache liegt im Wasser, das als Niederschlag die Mauerkronen zersetzt, aber auch, was in der Regel wesentlich weniger beachtet wird, die Füße des aufgehenden Mauerwerks oftmals total zerstört, was zum Einsturz führen kann. Schlussfolgerung daraus: Die beste Erhaltungsmaßnahme ist die Sicherstellung eines einheitlichen, gleichbleibenden Umgebungsklimas. Außerdem kann bei freiliegenden erdverbundenen Monumenten, die in situ präsentiert und erhalten werden sollen, durch die Entfernung Feuchtigkeit speichernder Materialien am Fuße des Mauerwerks und durch die Anbringung von statisch stützenden, porösen Verschleißmaterialien an Stelle des zersetzten Mauerwerks die weitere Zerstörung von Originalmaterial relativ langfristig gehemmt oder gar verhindert werden.

Professionelle Putzsanierung
Mit den Planenden und Ausführenden ziemlich scharf ins Gericht gingen sowohl Univ.-Lektor DI Dr. Anton Pech, der über die richtige Vorgangsweise bei der Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk referierte als auch Reg.-Rat OSR Bmstr. Andreas Graf, der gemeinsam mit Bmstr. Gottfried Puhr die Sanierung von Putzschäden durch Feuchtigkeitseinwirkung unter die Lupe nahm. Mit einer ganzen Reihe von Bildern, die eine unzureichende oder unprofessionelle Putzsanierung dokumentieren, zeigte Graf die Problematik auf, dass offenkundig zu wenig Interesse bei den Ausführenden vorhanden ist, sich grundlegend mit dem Thema zu befassen, oder das Bewusstsein für die Komplexität der Materie fehlt. Dazu gäbe es auch immer weniger Fachkräfte, die die entsprechenden arbeitstechnischen Fertigkeiten besitzen – ein Mangel, der die Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege zukünftig in eine schwierige Situation bringen könnte und gleichzeitig die Baubetriebe eines wichtigen Standbeins beraubt.
Ebenso machte auch das Referat von Dr. Pech deutlich, dass sowohl die Wissenslücken wie auch die Ausführungsqualitäten am Gebiet der Feuchtigkeitssanierung nach wie vor groß sind. Dementsprechend schätzt Pech allein die vermeidbaren Bauschadenskosten, verursacht durch unwirksame oder unzureichende Trockenlegungsmaßnahmen, in Österreich auf zirka 50 Millionen Euro pro Jahr. Die Ursachen für die häufigen Fehlschläge ortet er in der Planung, Ausführung und Materialanwendung bzw. Materialqualität. Vor allem werde oft aus Kostengründen auf eine Bauwerksanalyse verzichtet und dann in Überschätzung der eigenen Fachkenntnisse eine Trockenlegungsmaßnahme ausgeschrieben, die objektspezifisch nicht zielführend ist. In der Baupraxis, so Pech, zeige es sich auch immer wieder, dass vom Bauherrn, über Architekten und Planer bis hin zu Sachverständigen und Baufirmen grundsätzlich die Verfahren zur nachträglichen Horizontalabdichtung von Mauerwerk mit Verfahren zur Entfeuchtung von Mauerwerk verwechselt werden. Mit den drei bekannten Verfahren zur nachträglichen Horizontalabdichtung, dem Injektionsverfahren, dem mechanischen sowie dem elektrophysikalisch-aktiven Verfahren werde aber nur der kapillare Feuchtigkeitsstransport im Mauerwerk unterbunden, jedoch keine Entfeuchtung des Mauerwerks herbeigeführt. Diese in der Praxis häufig auftretende Fehleinschätzung der Verfahren bestätigte im Übrigen auch der Leiter des Institutes für Bauschadensforschung, Dipl.-Ing. Dr. techn. Michael Balak. Auch er warnte vor der grundsätzlich falschen Annahme, bei der Anwendung eines Mauertrockenlegungsverfahrens erfolge zugleich die Mauerwerksentfeuchtung automatisch. Um diese zu erreichen, muss entweder eine natürliche Wandaustrocknung eingeleitet werden, die effizient nur bei einer möglichst diffusionsoffenen Wandoberfläche ohne behindernden Verputz (auch Sanierputze haben sich sowohl in der praktischen Erfahrung als auch in Simulationsrechnungen als hinderlich herausgestellt) und einer vergrößerten Oberfläche durch ausgekratzte Fugen und Sandstrahlen möglich ist, oder es können auch ganz spezifische Verfahren, die eine Entfeuchtung beschleunigen angewendet werden. Balak ging dabei insbesondere auf die seit Jahren höchst erfolgreich angewendete Heizstabtechnik bzw. auf die modifizierte Methode der Heizstabtechnik mit konditionierter Druckluft ein und stellte die erst seit kurzem am Markt befindliche Heizstabtechnik in Kombination mit Druckluft vor. Für das Mauerwerk sehr schonend, da keine Bohrungen erforderlich sind, allerdings mit Vorsicht in Hinblick auf eine mögliche Schädigung von Mensch und Tier anzuwenden, ist die Mikrowelentechnik, die ebenso wie die Heizstabtechniken eine Erwärmung des Mauerwerks in der Kernzone bewirkt. Ohne Mauerwerkserwärmung und ohne Putzentfernung kommt die Vakuumtechnik aus, weshalb sie, so Balak, von Denkmalschützern positiv aufgenommen wird.

Feuchtigkeitsquellen suchen
Ein für den Denkmalschutz ebenfalls höchst interessantes Verfahren zur Bauwerkdiagnose wurde vom Dahlberg-Institut an der Hochschule Wismar entwickelt. Mit Hilfe einer Mehrelektrodenanordnung kann, so der Vortragende Univ. Prof. Dr. Dr. Helmuth Venzmer, kann von der Oberfläche eines Bauwerkes her über indirekte Messungen des scheinbaren spezifischen Widerstandes auf den Feuchtigkeitsgehalt in inneren Wandbereichen geschlossen werden. Aus einer ganzen Reihe von Messergebnissen wird es möglich, höhen- und tiefenabhängige Widerstands- und Feuchtigkeitsprofile zu bestimmen, und daraus kann wiederum auf die Feuchtigkeitsgradienten geschlossen werden, die Aussagen über die Herkunft der Feuchte zulassen. Die richtige Erkennung der Feuchtigkeitsquellen eines Mauerwerks ist aber bekanntlich die Basis für eine optimale Instandsetzungsplanung mit den richtigen Werkstoffen und Verfahren bei minimalen Kosten. Zudem gestatte, so Venzmer, diese Messanordnung eine völlig zerstörungsfreie Messung, nachdem die Instandsetzungsmaßnahmen abgeschlossen sind. Das Verfahren konnte, wie der Referent in seinem Vortrag zeigte, bereits an einigen historischen Bauwerken unter völlig ungleichen Bedingungen erfolgreich eingesetzt werden.
Einige Verfahren, die als Maßnahme gegen aufsteigende Feuchtigkeit angeboten und eingesetzt werden, stützen sich auf Phänomene, deren Wirkungsweisen wissenschaftlich nicht bestätigt sind. Dipl.-Ing. Christian Simlinger führte als umstrittene Verfahren, für die ihm keine unabhängigen Untersuchungen von anerkannten Prüfanstalten, Ziviltechnikern oder Sachverständigen vorlägen, die eine Feuchtigkeitsreduktion infolge kapillar aufsteigender Mauerwerksfeuchtigkeit zweifelsfrei belegen, insbesondere Temperiersysteme, passiv-elektrokinetischeVerfahren und Systeme, die auf Magnetokinese, Radiowellen u. a. beruhen, an. Außerdem warnte er davor, dass noch weitere Verfahren angeboten werden, die nach dem derzeitigen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand schon theoretisch nicht funktionieren können und deshalb als unwirksam eingestuft werden müssen. Aus der Fülle der Referate mag schließlich noch das Thema Holz herausgehoben werden, dem ein Vortragsblock gewidmet war. Feuchteschäden am Holz sind in der Regel durch den Befall holzzerstörender Pilze oder auch durch Insektenbefall dokumentiert. Neben der Beseitigung der Feuchtigkeitsquellen kann die Holzschädlingsbekämpfung durch verschiedene mechanische, chemische und thermische Maßnahmen erfolgen. Für die Instandsetzung von geschädigten statisch-konstruktiven Holzbauteilen beschrieb Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Andreas Kolbitsch vom Institut für Hochbau und Industriebau der TU Wien die aktuell angewandten Sanierungstechniken – insbesondere solchen Verfahren, bei denen ein möglichst großer Anteil der Bestandskonstruktion erhalten werden kann. Mit der exemplarischen Sanierung einer hausschwammbefallenen Dippelbaumdecke in der Kartause Mauerbach konnte schließlich über Jahre hinweg eine Musterlösung konzipiert werden, die den Erhalt solcher Decken auch unter schwierigen Bedingungen möglich macht.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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