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Bausparen auf Erfolgskurs

10.06.2011

Die Österreicher setzen auch weiterhin auf Bausparen. Bereits im ersten Quartal 2011 hält der Aufwärts­trend am heimischen Bausparsektor an, was schließlich auch der Bauwirtschaft zugute kommt.

Bausparen ist in Österreich nach wie vor eine beliebte Sparvariante und eine der meistgenutzten Sparformen, sie wird von den Österreichern als interessanteste Anlageform bewertet. Das Stimmungsbarometer für Spar- und Anlageformen, das vierteljährlich vom GfK-Marktforschungsinstitut erstellt wird, weist mit 49 Prozent Zustimmung Platz eins fürs Bausparen aus, gefolgt vom Sparbuch, das mit 44 Prozent auf Platz zwei im Ranking der interessantesten Sparformen liegt.

Beim Bauspardarlehen wird das vorher angesparte Kapital vom Bausparer vom Kredit abgerechnet bzw. erfolgt der Bausparvertrag in Kombination mit einer Baufinanzierung durch das Bauspardarlehen. Der Anspruch für ein Bauspardarlehen mit grünstigem Zinssatz für den Kredit bzw. die Finanzierung wird durch den vorherigen Bausparvertrag erworben. Dass sich diese Möglichkeiten am heimischen Markt immer noch größter Beliebtheit erfreuen, zeigen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen.

Bereits 2010 war für den heimischen Bausparsektor ein erfolgreiches Jahr. Insgesamt konnten alle österreichischen Bausparkassen 1.035.768 neu abgeschlossene Bausparverträge verzeichnen. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit der deutlichen Überschreitung der Millionengrenze konnte zum zweiten Mal in Folge ein österreichischer Rekord an neuen Bausparverträgen erzielt werden. „Bausparen hat seinen Platz im Veranlagungsportfolio der Haushalte weiter eindrucksvoll unter Beweis gestellt", so Josef Schmidinger, Generaldirektor der sBausparkasse.

„Das Jahr 2011 ist für den Bausparsektor sehr gut angelaufen", kommentiert Manfred Url, Vorsitzender des Arbeitsforums österreichischer Bausparkassen und Generaldirektor der Raiff­eisen Bausaprkasse die Ergenisse des ersten Quartals. 624,8 Millionen Euro wurden in den ersten drei Monaten an Darlehen für den Wohnbau ausbezahlt. Das ist ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Ausleihungen liegen bei 17,6 Milliarden Euro, das entspricht einem Zuwachs von 3,9 Prozent, die Einlagen bei 18,7 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 3,4 Prozent. „Alle Zeichen deuten darauf hin, dass diese stabile Aufwärts­entwicklung in den nächsten Monaten weiter anhält", so Url.

 

Unterschiedliche Möglichkeiten

Demgemäß sind natürlich auch die einzelnen Bausparkassen Österreichs mit der Nachfrage nach Darlehen im heurigen Jahr sehr zufrieden. So hat etwa die Raiffeisen Bausparkasse in den ersten vier Monaten 2011 bereits 318,4 Millionen Euro an Darlehen vergeben. Das sind um zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die Ausleiehen stiegen um fünf Prozent auf 5,9 Milliarden Euro an, was für Raiffeisen Bausparen eine stabile Aufwärtsentwicklung im Wohnbau signalisiert.

Die Vorsitzenden der Raiffeisen Bausparkasse Manfred Url und Johann Ertl sind überzeugt davon, dass dazu auch die attraktive Konditionsgestaltung beiträgt. Bei der Raiffeisen Bausparkasse wird die Sofortfinanzierung mit einem Zinssatz ab 1,6 Prozent, fix auf 18 Monate, angeboten. Nach der Fixzinsphase orientiert sich dann der Zinssatz am Zwölf-Monats-Euribor.

Für besonders Sicherheitsbewusste bietet die Raiffeisen Bausparkasse das Fixzinsdarlehen, das stabile Zinsen und Raten für 3,5 Jahre ermöglicht. In diesem Fall liegt der Zinssatz bei 1,6 Prozent fix auf 18 Monate, danach bei 3,9 Prozent fix auf zwei Jahre. Angesichts der Prognosen für steigende Zinsen ist auch diese Variante für viele eine attraktive Möglichkeit. Mit rund 382.000 neuen Bausparverträgen fuhren auch die Tochtergesellschaften in der Slowakei, in Tschechien, Kroatien und Rumänien ein gutes Ergebnis ein. Der Vertragsbestand in diesen Ländern umfasst mittlerweile rund 2,2 Millionen Verträge. Damit werden von der Raiffeisen Bausparkasse und ihren Auslandsbeteiligungen insgesamt vier Millionen Bausparkonten betreut.

Auch bei der sBausparkasse geht der Trend weiterhin aufwärts. Die Anzahl der bei der Bausparkasse der österreichischen Sparkassen AG neu eröffneten Bausparverträge erlebte 2010 ein neues Alltime-High: Die sBausparkasse hat mit 346.370 Bausparverträgen nicht nur ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem bereits äußert erfolgreichen Jahr 2009 verzeichnet, sondern die höchste Zahl jemals von in einem Jahr abgeschlossenen Verträgen erreicht. Dieses Ergebnis trug gemeinsam mit der sehr positiven Stimmung pro Bausparen dazu bei, dass das Institut erstmals mehr als sechs Milliarden Euro an Bauspareinlagen verwaltet und Ende des Jahres einen Stand von 6.090 Millionen Euro aufwies. Auch die Zahl der Sparkonten stieg entsprechend um 2,9 Prozent oder 44.252 auf eine Anzahl von 1.581.306. „Die sBausparkasse kann nicht nur mit einer Folgevertragsquote von 72,2 Prozent aufwarten, mehr als 190.000 Kundinnen und Kunden haben sich neu für einen sBausparvertrag entschieden", freut sich Josef Schmidinger. Auch die Bausparkasse Wüstenrot AG hat 2010 ein erfolgreiches Geschäftsjahr abgeschlossen. Mehr als 889 Millionen Euro stellte die Bausparkasse Wüstenrot 2010 für den Wohnbau zur Verfügung. Damit wurde das Ergebnis des Jahres 2009 von rund 867 Millionen Euro übertroffen und das beste Ergebnis in der 85-jährigen Firmengeschichte erzielt. 2010 wurden 256.733 Ansparverträge mit einer Vertragssumme von 5.495,7 Millionen Euro abgeschlossen. Die Bausparkasse weist für 2010 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 11,3 Millionen Euro aus. Die erweiterte Bilanzsumme konnte von 5,7 Milliarden Euro 2009 auf rund 6,1 Milliarden Euro gesteigert werden.

 

Steigerung der Auszahlungen

Erfolg und Aufwärtstrend ziehen sich auch bei der ABV Bausparkasse wie ein roter Faden durch die letzten Jahre. Im Jahr 2010 stellte die ABV 287 Millionen günstiges Baugeld zur Verfügung und konnte 118.669 neue Bausparkunden gewinnen. Damit erzielte auch die ABV einen Rekordwert in ihrer mehr als 80-jährigen Geschichte. Mit 118.669 Neuabschlüssen im Jahr 2010 wurde das Topergebnis aus dem Jahr 2009 nochmals um 4,1 Prozent verbessert. Die Bauspareinlagen stiegen innerhalb eines Jahres um 1,8 Prozent auf 1,847 Milliarden Euro an. Zudem verzeichnete die ABV Bausparkasse eine 35-Prozent-Steigerung bei den Darlehensauszahlungen. „Plötzlich ist Bausparen nicht nur beim Sparen ein Thema, sondern auch wieder beim Finanzieren. Wir konnten unsere Kunden mit unserem Produkt­angebot überzeugen. Die Bereitschaft, auf die Lebenssituation des Kunden einzugehen, hat sich ausgezahlt. Unsere Kunden wissen, worauf sie sich einlassen, mit welchen Raten sie zu rechnen haben, und sind so vor späteren unliebsamen Überraschungen gefeit", so Erich Hackl, Generaldirektor der ABV Bausparkasse. Mit 287 Millionen Euro ausgezahlten Darlehen konnten maßgebliche Beiträge zur Verbesserung der Wohnsituation und wirtschaftliche Impulse gesetzt werden. „Es freut mich, dass unsere Kunden Gebrauch von der sinnvollen Kombination aus schönem, energieeffizientem Wohnen und Bausparen machen", so Hackl. Zwischendarlehen werden von ABV ab 0,9 Prozent p. a. angeboten, fix für mindestens 18 Monate.

 

Thermische Sanierung

Nach der erfolgreichen, 2009 von der österreichischen Bundesregierung bereitgestellten Sanierungsförderung für Private, die Investitionsvolumen von rund 600 Millionen Euro und einen Arbeitsmarkteffekt von bis zu 12.000 Beschäftigten ausgelöst hat, kann seit 1. März dieses Jahres in einer zweiten Welle wieder der Sanierungsscheck beantragt werden. Die Bausparkassen haben sich erneut dazu bereiterklärt, den Sanierungsscheck kostenlos abzuwickeln. Die höchstmögliche Förderung beträgt 20 Prozent der Investitionskosten bzw. 6.500 Euro. „Der Sanierungsscheck trägt dazu bei, den stetig steigenden Energiekosten Einhalt zu gebieten, die staatliche Förderung kam – im Gegensatz zum Kauf von CO2-Zertifikaten – direkt der österreichischen Wirtschaft zugute, schafft und sichert Arbeitsplätze im Inland und leistet einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion", unterstreicht Josef Schmidinger die Richtigkeit der Maßnahme und betont damit die Gründe, warum sich die österreichischen Bausparkassen für die Abwicklung gern engagieren, wie die Generaldirektoren der verschiedenen Institute einstimming bestätigen.

 

Großer Andrang

Der Sanierungsscheck 2009 erwies sich als voller Erfolg. Ursprünglich mit 50 Millionen Euro limitiert, wurden aufgrund der hohen Nachfrage Fördermittel umgeschichtet und insgesamt 64 Millionen Euro bereitgestellt, die innerhalb von zwei Monaten ausgeschöpft waren. 15.300 Anträge wurden damals einge­reicht und ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro erzielt. Die durchschnittliche Investitionssumme lag mit 34.000 Euro deutlich höher als die 25.000 Euro, die staatlich gefördert wurden. Dieser Erfolg wird wohl auch heuer weiterhin anhalten. Zur Verfügung stehen insgesamt 100 Millionen Euro – 70 Millionen für den privaten Wohnbau und 30 Millionen für Betriebe. Die Aktion läuft noch bis Ende Juni. Derzeit sind insgesamt 10.248 Anträge von den Bausparkassen an die Komunalkredit Public Consulting (KPC), die die Einreichungen weiterbearbeitet, weitergeleitet worden. 5.000 Stück, also rund die Hälfte davon, wurden über die Raiffeisen Bausparkasse eingebracht, die damit erneut – wie bereits 2009 – die mit Abstand am stärk­sten genutzte Bausparkasse für die thermische Sanierung ist. Rund 40,4 Millionen Euro wurden bisher zugesagt.

 

Erfreulicher Trend

Die Detailzahlen der Raiffeisen Bausparkasse zu den Einreichungen zeigen einen deutlichen Trend: Der Renner ist die Wärmedämmung, von den rund 5.000 bei der Raiffeisen Bausparkasse abgegebenen Anträgen machen 76 Prozent eine Dämmung, gefolgt von der Sanierung der Fenster. Am stärksten wird in die umfassende Sanierung (samt Heizung) investiert. Der Anteil beträgt in diesem Segment etwa zwei Drittel. Im Vergleich zu 2009 wird ungleich stärker umfassend saniert – ein erfreulicher Trend, der sich auch weiterhin fortsetzen wird. Hauptsächlich (76 Prozent) werden Gebäude ab dem Baujahr 1941 thermisch saniert. Der Anteil der älteren Gebäude (vor 1960) ist mit 24 Prozent vergleichsweise gering, wenn man berücksich­tigt, dass der Anteil der Bausubstanz, die vor 1961 errichtet wurde, bei 45 bis 50 Prozent liegt. Die durchschnittlichen Investitionskosten liegen bei 44.000 Euro, der durchschnittliche staatliche Zuschuss beträgt 4.000 Euro. Wer eine umfassende Sanierung mit Heizungserneuerung macht, investiert sogar durchschnittlich 76.000 Euro. „Die Förderung der thermischen Sanierung ist eine kluge Investition, die sich für alle Beteiligten rechnet: für die Haus- und Wohnungsbesitzer, die sich nach der Sanierung über niedrigere Energiekosten und den steigenden Wert ihrer Immobilien freuen können, die Bauwirtschaft, die belebende Impulse erhält und damit Arbeitsplätze sichert. Aber auch die Finanzministerin profitiert, weil sie über Steuern und Abgaben viel mehr einnimmt, als er an Förderungen ausgibt", so Manfred Url.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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