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Baustoffe - Konsequenzen rechtzeitig erkennen

25.04.2007

Die Österreichische Gesellschaft für Umweltsimulation (ÖGUS) ist ein unabhängiger Verein, welcher sich als nationales Netzwerk mit Untersuchungen zum Alterungsverhalten von Materialien und Produkten beschäftigt. Sitz des Vereins ist das ofi-Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik.

Die ÖGUS ist der österreichische Partner in dem europäischen Netzwerk CEEES (Conventional of European Environmental Engineering Societies, www.ceees.org ), welches sich ebenfalls mit dieser Thematik intensiv beschäftigt. Durch dieses internationale Netzwerk können bei Bedarf auch europäische Fachleute zur Beantwortung spezieller Fragen zur Kernaufgabe zugezogen werden. „Durch gezielte Untersuchungen zum Alterungsverhalten vom Materialien und Produkten können u. a. fundierte Aussagen betreffend den Produktlebenszyklus (Garantiedauer) sowie etwaige Schwächen von Produkten/Materialien hinsichtlich Alterungsverhalten präventiv vor deren Markteinführung erkannt werden. Auch kann Verbesserungspotenzial von bereits bestehenden Produkten/Materialien dadurch ermittelt werden“, erklärt Leopold Kranner, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Umweltsimulation (ÖGUS). Dabei können die in der Realität über längere Zeiträume einwirkenden Alterungseinflüsse wie Temperatur (Hitze bzw. Kälte) Feuchte/Sonnenlicht im Zeitraffertempo durch diverse vorhandene Geräte künstlich simuliert werden. Die ÖGUS wurde mit dem Ziel gegründet, seinen Partnern und Mitgliedern für verschiedene Aktivitäten eine Plattform zu bieten und dadurch einen erheblichen Beitrag zum Erfolg der jeweiligen Unternehmen zu leisten:

• Wissenszuwachs in Verfahrens- und Marktfragen
• Aufbau eines Netzwerkes auf europäischer Ebene
• Gemeinsame Prüfungen der Partner (Kostenteilung bei Prüfungen)
• Durchführung von Ringversuchen
• Mitwirkung in Unternehmen in den Bereichen Entwicklung, Produktion, Qualitätssicherung und Normung
• Kontakte zu Normungs- und Forschungsinstitutionen, öffentliche Prüfstellen, Universitäten, Fördergeber und Ministerien
• Aufbau und Pflege von Kontakten zu europäischen Schwesterorganisationen innerhalb der CEEES
• Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, die den Erfahrungsaustausch und Wissenszuwachs im Bereich Umweltsimulation fördern

Farbechtheit voraussehen

Auch Baustoffe unterliegen Veränderungen durch Alterung, wobei einige ausgewählte Praxisbeispiele zur Veranschaulichung wie folgt angeführt werden:

An diversen Kunststoffdächer-Materialien erfolgten durch „test tailoring“ (= maßgeschneidertes Prüfverfahren zur Voraussage von in der Realität ablaufenden Alterungsprozessen bei geringem Feuchtegehalt, hohen Feuchtegehalt und stehender Nässe, alle bei gleicher Temperatur unter Einwirkung von UV-Licht) Alterungsversuche im Zeitraffer. Dadurch konnten speziell bei stehender Nässe bei einigen wenigen Materialien Alterungsschwächen in Form von schieferartiger Materialtrennung bzw. so genannten „Crazes“ an der Oberfläche erkannt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Produktweiterentwicklung ein.
Bei PVC-Kunststofffenstern kann es fallweise nach zirka drei bis vier Jahren zu hartnäckigen Verschmutzungen an der Profiloberfläche kommen, welche die Kunden zum Teil als Vergilbungen empfinden. Bisherige Untersuchungen zur Ursache dieser unerwünschten Veränderung brachten keine eindeutigen Ergebnisse. Deshalb ist in diesem Zusammenhang ein Projekt zur Klärung dieser Problematik, zu dauerhaften Sanierungsmöglichkeiten sowie präventiver Verbesserungsmaßnahmen geplant.

An pulverbeschichteten Fassadenelementen kann durch Witterungseinfluss eine Änderung des Glanzes und des Farbtones stattfinden. Durch Simulation der Witterung unter zu Hilfenahme entsprechender künstlicher Bewitterungsverfahren und Messungen des Glanzes und des Farbunterschiedes („Farbabstand“) ist dies präventiv erkennbar und es können Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Beständigkeit von beschichteten Holzoberflächen gegenüber natürlicher Bewitterung ist von vielen Faktoren abhängig (Holzart, verwendeter Beschichtungsstoff etc.), wobei das „Ablösen“ der Beschichtung vor allem bei lasierenden Beschichtungen zu unerwünschten Problemen führen kann. Auch hier kann durch künstliche Bewitterung eine Evaluierung von Beschichtungsrezepturen erfolgen und etwaige Mängel somit vermieden werden. Bei klassischen Nasslacken ist die Farbtonhaltung, neben dem Korrosionsschutz, ein wichtiges Kriterium. Dies betrifft sowohl den so genannten „Häuselbauer“ als auch den Projektverantwortlichen von Großprojekten (z. B. Brücken). Daher sind Farben und Lacke entsprechend lichtstabil herzustellen, und die Tauglichkeit vor der Anwendung entsprechend zu evaluieren und durch Umweltsimulationsprüfungen zu testen.

Gisela Gary

Artikel aus: bau.zeitung 04/07, S. 40

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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