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Hochkarätiges Podium: (v.l.) Kurt Stürzenbecher (Stadt Wien), Karl Weidlinger (Swietelsky Bauges.m.b.H.), Peter Krammer (Strabag SE), Werner Sobek (Werner Sobek Stuttgart AG), Moderatorin Daniela Zeller, Markus Wölbitsch (Stadt Wien), Wolfgang Gleissner (BIG)und Michael Pauser bei den Bautech Talks.

Bautech Talks: Umdenken gefordert!

22.11.2018

Mit den „Bautech Talks" startete die Österreichische Bautechnik Vereinigung (öbv)  im Tech Gate in Wien eine neue Veranstaltungsreihe, die die Relevanz technischer Aspekte des Bauens für die Gesellschaft beleuchten soll. 

„Momentan wächst die Weltbevölkerung um 2,6 Menschen pro Sekunde", rechnet der deutsche Architekt und Bauingenieur Werner Sobek gleich zu Beginn seines Vortrages den 300 Besuchern der ersten Bautech Talks vor. „Wenn wir jedem davon einen durchschnittlichen Baustandard von 300 Tonnen verbautem Material zugestehen, könnten wir mit dieser Menge jedes Jahr eine 40 Zentimeter dicke und 2100 Meter hohe Mauer rund um die gesamte Erdkugel bauen." Dieser enorme Materialverbrauch sei deshalb so problematisch, weil dadurch riesige Mengen Energie verbraucht werden, der CO2 Ausstoß steigt und die Menschheit bald schlicht nicht mehr genug Baumaterial hat. Seinen Lösungsansatz verkürzt Sobek, der unter anderem die Fassade des DC-Towers geplant hat, auf die Formel: „Build for more with less." 

Revolutionäres Projekt

Wie diese umgesetzt werden kann, demonstrierte er anhand seines aktuellsten Projektes: Der Urban Mining and Recycling (UMAR) Unit - ein Wohnmodul, das Anfang 2018 in eine der Etagen der experimentellen NEST Plattform am Campus der schweizerischen Material- und Prüfanstalt (Empa) in Dübendorf bei Zürich eingebaut wurde. Sobek und seine Kollegen Dirk E. Hebel und Felix Heisel wollen damit zeigen, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen weder ansprechende Architektur ausschließt noch unökonomisch ist.
Die Anforderungen an das Projekt sind herausfordernd: Alle eingesetzten Baumaterialien müssen wiederverwendbar, recyclingfähig oder kompostierbar sein. Dabei soll ein geschlossener Kreislauf entstehen, bei dem kein noch so kleines Element des Gebäudes entsorgt werden muss - ganz im Sinne der dahinterliegenden Idee, dass die Materialien für ein Gebäude lediglich „ausgeliehen" und nach dem Ende von dessen Lebenszyklus für andere Bauvorhaben wieder nutzbar werden.

Hemmschuh für progressives Bauen

Dieser revolutionäre Ansatz stand auch im Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion. Strabag-Vorstand Peter Krammer etwa ist der Meinung, dass sich durch Ansätze wie Urban Mining auch die Frage der Nutzungszyklen von Gebäuden neu stellt: „Eine Elbphilharmonie bauen wir für 100 Jahre und mehr. Bei solchen Projekten ist die Wiederverwendbarkeit von Baumaterialien weniger interessant. Aber ist es auch bei einem Einfamilienhaus oder im Wohnbau so?", fragt Krammer, der vor allem die Vielzahl an Regelungen für einen Hemmschuh für progressives Bauen sieht. Ähnlicher Meinung ist auch Wolfgang Gleissner, Geschäftsführer der BIG Bundesimmobiliengesellschaft, der sich wünschen würde, dass es bei der Planung von Neubauten und der Sanierung von Gebäuden eine größere Rolle spielen würde, dass diese während ihres Lebenzyklus mit überschaubaren Aufwand betrieben werden können und möglichst flexibel nutz- und umnutzbar sind. Karl Weidlinger, Geschäftsführer der Swietelsky, schließt sich ebenfalls an: „Im Tiefbau sind wir beim Thema Recycling schon wesentlich weiter. Aber im Hochbau und vor allem im Wohnbau müssen wir mehr zulassen und Vorschriften zurückschrauben, damit wir als Bauunternehmen solche Ansätze erfolgsversprechend umsetzen können."

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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