Direkt zum Inhalt

Bauwirtschaft

09.11.2004

Das Wiener Baugewerbe zeigt sich aktiv und kämpferisch. Schluss mit Jammern ist seitens der Bauunternehmer endgültig angesagt.

Hans-Herbert Grüner, Landesinnungsmeister Bau Wien, gibt sich am Tag der Bauwirtschaft kämpferisch: „Es gibt einige aktuelle Themen, die wir zu bearbeiten haben. Dazu zählt unter anderem Pfusch am Bau – wir werden auch gegen die eigenen schwarzen Schafe vorgehen. Die Baumeister werden als Sündenböcke der Schattenwirtschaft hingestellt. Wir werden gegen Unternehmer, die Firmen nur zu Betrugszwecke gründen, beinhart vorgehen. Ebenso Stichwort Sozialbetrug – betrifft beide Seiten! Die Arbeitgeber wie auch die Arbeitnehmer.“ Die neueste erfolgte Mitgliederbefragung stärkt die Landesinnung Bau Wien in ihren Aktivitäten, da sich ein hoher Anteil der Unternehmer gut vertreten fühlt. „Die Landesinnung Bau Wien orientiert sich ausschließlich an den Anliegen und Bedürfnissen der Unternehmer des Baugewerbes“, so Grüner. Das bedeutet aber auch, laufend aktuelle Problemstellungen zu erheben und rasch zu reagieren.
Im Jahr 2004 hat die Innung deshalb die traditionelle Mitglieder-Umfrage umfassend überarbeitet und Fragestellungen, aber auch qualitative Beurteilungskriterien erweitert und präzisiert. Die Ergebnisse der Umfrage 2004, die u. a. auch die Zufriedenheit der Mitglieder mit der Arbeit der Interessenvertretung erfreulich dokumentiert, motiviert die Landesinnung Bau Wien zu noch mehr Aktivität. „Im nächsten Jahr wird der Service- und Beratungsbereich verstärkt werden und eine offensivere Positionierung des Baugewerbes gegenüber der Bauindustrie Hauptthema sein“, kündigt Grüner an. An aktuellen Problemfeldern mangelt es nicht.

Überlebensstrategien entwickeln
„Das Baugewerbe ist immer noch Beschäftigungsmotor Nummer eins“, sagte Grüner. Kostenerhöhungen im Energie- und Materialsektor, höhere Einkaufpreise, aber auch die immer stärkere Konkurrenz von Industriefirmen in gewerbeangestammten Projektbereichen bei Ausschreibungen, die leider immer noch das Billigst- statt des Bestbieterprinzips forcieren, Preisdumping und generalstabsmäßig organisierte Schwarzarbeit, Scheinunternehmerringe usw. machen es dem Baugewerbe, das die Konsequenzen auch finanziell und in Form von Auftragsverlusten zu tragen hat, aber zunehmend schwerer zu überleben.
Aufgabe der Landesinnung werde es in der Zukunft deshalb nicht nur sein, als Kompetenzzentrum für die Unternehmer des Baugewerbes zu fungieren, sondern zunehmend schlagkräftiges Lobbying für das positive Image der Wiener Baugewerbetreibenden, Qualitätssicherung der Leistungen, die Sicherung ihrer Existenzgrundlage und die Sicherung von Arbeitplätzen zu betreiben. Erste Erfolge habe man bei der Scheinfirmenbekämpfung zu verzeichnen, sei aber gegenüber stetig ausgefeilter werdenden Betrugssystemen immer noch massiv im Hintertreffen, kritisierte Grüner. Das Sozialbetrugsgesetz werde, wenn auch in wichtigen Bereichen, nur teilweise Abhilfe schaffen können.
Eine der für 2005 ebenfalls geplanten Maßnahmen ist eine Modifizierung und Aktualisierung der Wettbewerbsausschreibung für den Stadterneuerungspreis der Landesinnung Bau Wien. Anlass dafür war nicht nur die nötige Modernisierung des Konzeptes, sondern auch ein Jubiläum, kündigte Grüner an. Im kommenden Jahr wird der Stadterneuerungspreis 20 Jahre alt und soll in Zukunft vermehrt die Qualitäts-Positionierung bzw. das positive Image des traditionsreichen und gleichzeitig modernen Wiener Baugewerbes, das maßgeblichen Anteil an der Lebens- und Wohnqualität Wiens hat, transportieren. So soll der erneuerte Stadterneuerungspreis die von Klein- und Mittelbetrieben der Wiener Baubranche entwickelten Revitalisierungs- und Sanierungstechniken und das weltweit anerkannte Know-how beispielhaft bewerben und einer breiten Öffentlichkeit vor Augen führen.

Vorsichtiger Optimismus
Das Wiener Baugewerbe sei derzeit von vorsichtigem Optimismus geprägt, fasste Grüner die Konjunktursituation zusammen. Der Auftragsbestand in Wien ist im Vergleich zum 2. Vorjahresquartal wieder um 3,8 auf insgesamt 22,4 Wochen gestiegen. Damit zählt Wien vor Kärnten, der Steiermark und Niederösterreich zu den Gewinnern des aktuellen Positivtrends, den man, so Grüner jedoch nicht überschätzen dürfe: „Im öffentlichen Bereich befürchten viele Unternehmen einen Rückgang der Aufträge.“ Wie jedes Jahr wurden im Rahmen der Fachgruppentagung verdiente und langjährige Mitglieder der Landesinnung Bau Wien geehrt. U. a. feierten 2004 die Fa. Eduard Frauenhofer & Berghof 125-jähriges und die Fa. Stadtbaumeister Ing. Hans Hofer 135-jähriges Berufsjubiläum.
Physiker Anton Zeilinger gab mit seinem Vortrag „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ Einblicke in nicht alltägliche Themen rund um die Bausteine, aus denen unsere Welt besteht, und fand einen gebührenden, visionsreichen wie auch sehr unterhaltsamen Abschluss für den Wiener Tag der Bauwirtschaft. Die Baumeister entführte er auf einen Ausflug in die Geschichte der Physik- und Naturphilosophie und in die Welt der Quantenphysik, die zu seinen bevorzugten Spezialdisziplinen zählt. Ebenso wie die Teleportation von Quanten-Zuständen. So gelang Zeilinger als erstem Menschen die Übertragung des Zustandes eines Lichtteilchens unter Überwindung von Zeit und Raum, ohne dass die Information den Weg von A nach B tatsächlich physisch zurücklegte. Bis die Teleportation allerdings auch in der Bauwirtschaft Einzug hält und Beton oder Baustoffe einfach auf die Baustellen gebeamt werden können, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen. Und so werden die Bauunternehmen auch in Zukunft auf den konventionellen Transport mit LKW und Bahn angewiesen sein.
Gisela Gary, Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

VÖB-Präsident Franz Josef Eder ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, kritisiert aber, dass im aktuellen Plan der Bundesregierung kein Förderungen massiver Bauweisen vorsieht.
Aktuelles
04.08.2020

Die aktuell stabile Auftragslage lassen die Beton- und Fertigteilbranche positiv in die Zukunft blicken. Gleichzeitig fordert man eine gerechte Streuung der Fördermaßnahmen.

Thomas Löckinger (r.) übernimmt mit 1.8.2020 die Baumarkt-Vertriebsleitung für die Baumit GmbH in Österreich. Er folgt Johann Holy (l.), der nach 21 Jahren als erfolgreicher Vertriebsleiter seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Aktuelles
29.07.2020

Baumit hat eine neue Baumarkt-Vertriebsleitung Österreich. Wer auf Johann Holy folgt, lesen Sie hier.

Aktuelles
27.07.2020

Die Zugriffszahlen der E-Baulehre in Wien haben sich von rund 1.100 Zertifizierungen im März auf rund 8.400 Zertifizierungen bis Anfang Juli knapp versiebenfacht. 

Josef Muchitsch und Erwin Soravia haben eine gemeinsame Agenda, um Baugenehmigungen zu beschleunigen und Arbeitsplätze zu sichern.
Aktuelles
23.07.2020

Baugenehmigungen müssen dringend beschleunigt werden, sind sich die Gewerkschaft Bau-Holz und Österreichs Projektentwickler einig. Aktuell warten rund 25 Milliarden Euro warten darauf, auf ...

Aktuelles
29.07.2020
Werbung