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Bauwirtschaft

16.03.2005

Laut Ministerium sind von der Sockel-arbeitslosigkeit im Sommer 20.000 Bauarbeiter betroffen. Pöchhacker und Haselsteiner widerlegen diese Aussage und stellen die Zahlen richtig.

Österreichs Bauwirtschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe des Wirtschaftsministeriums, die Bauwirtschaft würde systematisch das AMS-Budget durch die Freisetzung von Mitarbeitern im Winter in Verbindung mit sogenannten „Wiedereinstellungszusagen“ belasten. „Die Bauarbeiter sind keine Sozialschmarotzer, sie zahlen in den AMS-Topf so viel ein wie sie herausnehmen“, betont Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner in seiner Funktion als Fachverbands-obmann im Einklang mit VIBÖ-Präsident und Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker. Das Wirtschaftsministerium geht einfach von falschen Arbeitsmarkt-Statistiken aus.
Von öffentlichen Investitionen als wirkungsvollste Maßnahme im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit am Bau habe man beim Arbeitsmarktgipfel Mitte Februar wenig gehört, kritisierten die Baumanager. Laut Berechnungen des Wirtschaftsministeriums sind von der Sockelarbeitslosigkeit im Sommer rund 20.000 Bauarbeiter betroffen, wodurch das AMS-Budget mit rund 75 Millionen Euro jährlich belastet wird. Diese Statistik, so Haselsteiner, ist falsch, da in etwa 10.000 der Betroffenen nicht tatsächlich der Bauwirtschaft zuzurechnen sind, sondern lediglich zufällig zuletzt am Bau gearbeitet und keinen Bau-Job angestrebt haben. Berücksichtigt man, dass die Hälfte der Sockelarbeitslosen eigentlich nicht der Bauwirtschaft zugerechnet werden können, wird die Baubranche, das AMS-Budget betreffend, ausgeglichen bilanzieren.
Relativiert werden müssen laut Haselsteiner auch die Vorwürfe, dass es sich die Baubranche mit „Wiedereinstellungszusagen“ auf Kosten der Allgemeinheit richte. Laut Statistik der Bauarbeiterurlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) seien lediglich rund 1.000 Arbeitnehmer mit einer Wiedereinstellungzusage abgesichert. Alle übrigen Bauarbeiter müssten zu Saisonende mit mehr oder weniger unverbindlichen Prognosen freigestellt werden. Die Einführung eines Jahresarbeitszeitmodells zur Reduktion der Winterarbeitslosigkeit kann sich Haselsteiner vorstellen – allerdings dürfe es für die Einführung keinen Stichtag geben. Dies müsste sozialverträglich und langfristig geschehen. Winterarbeitslosigkeit am Bau werde es aber trotzdem immer geben, da viele Tätigkeiten bei Kälte nicht zumutbar seien. Es bestehe die Bereitschaft der Arbeitnehmer, mit den KV-Partnern über weitere Flexibilisierung zu diskutieren. Dies sei nicht hoch genug zu schätzen, da Flexibilisierung Lohn- und Einkommensverlust bedeute.
Eine nachhaltige Verbesserung der Beschäftigung am Bau ist nur durch Ausweitung der Baunachfrage vor allem durch öffentliche Investitionen zu erreichen, betont auch Pöchhacker. Wichtige Projekte seien z. B. die Umfahrung von Wien und die Einbindung mit Prag und Bratislava.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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