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Bauwirtschaft: Weniger Insolvenzen

14.01.2011

Der KSV1870 präsentierte zum Ende des Jahres die Insolvenzstatistik 2010 und resümiert, dass es sich an der Unternehmensfront um ein Jahr der Entspannung handelt.

 „In Österreich wurden im Jahr 2010 insgesamt 6.366 Unternehmen insolvent, was einem Rückgang gegenüber 2009 von fast acht Prozent entspricht. In 3.529 Fällen wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet (rund minus sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr), und in nur 2.837 Fällen konnte mangels Vermögens das Insolvenzverfahren nicht eröffnet werden“, so Georg Kantner vom KSV. Der Rückgang der Fälle, die mangels Vermögen nicht eröffnet wurden, entspricht einem Minus von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt waren 23.600 Dienstnehmer von den Insolvenzverfahren betroffen. Das ist ein Minus von 16 Prozent. „Die Insolvenzverbindlichkeiten allerdings gingen um 15 Prozent auf insgesamt 4,6 Milliarden Euro in die Höhe. Dies ist nicht zuletzt auf drei Großinsolvenzen aus dem A-Tec Konzern zurückzuführen, die zusammen ca. 1,2 Milliarden Euro an Passiva repräsentieren“, erklärt Kantner.

Insolvenzen im Detail
Die Insolvenzverfahren sind in allen Bundesländern 2010 rückläufig. Bundesweit ergibt sich für 2010 ein durchschnittliches Minus von 7,8 Prozent. Einziger Ausreißer ist Vorarlberg, das ein Plus von 9.5 Prozent zu verzeichnen hat. Mit 977 Verfahren und 449,2 Millionen Euro Passiva rangiert die österreichische Bauwirtschaft nach Fällen an zweiter Stelle.

Das neue Insolvenzrecht
Seit 1. Juli 2010 ist das „neue Insolvenzrecht“ in Kraft. Dieses kennt nur mehr ein einheitliches Verfahren, das sowohl der Unternehmenssanierung als auch der Liquidation bzw. Schuldenregulierung dienen kann. Besonderes Interesse gilt in diesem Zusammenhang den Fragen, ob dieses Verfahren von der Praxis angenommen wird und welche Effekte es in der Sanierungspraxis hat. Der KSV1870 hat diesbezüglich eine Analyse vorgenommen. „Die Auswertung der Eröffnungen seit dem 1. Juli 2010 zeigt, dass sowohl das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eine wichtige Rolle spielt als auch das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung.

Es wurden seit dem 1. Juli 2010 insgesamt 340 Sanierungsverfahren eröffnet, wovon 129 mit Eigenverwaltung und 211 ohne Eigenverwaltung ausgestaltet waren“, erläutert Georg Kantner. „Diese 129 eigenverwalteten Sanierungsverfahren zogen in 33 Fällen den Entzug der Eigenverwaltung nach sich, was dann in weiterer Folge entweder zu einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung oder zu einem Konkurs führen kann“, so Kantner.

Ausblick auf 2011
Trotz der positiven Entwicklungen mahnt der KSV davor zu glauben, dass jetzt eine nachhaltige Trendwende eingetreten ist. „Mit insgesamt ca. 6.370 Insolvenzfällen pro Jahr liegt Österreich, gemessen an der Zahl der aktiven Unternehmen, auf einem verhältnismäßig hohen Niveau. Es war 2010 daher ein Rückgang von einem bereits sehr hohen Wert“, so Kantner. In diesem Zusammenhang rechnet der KSV  damit, dass 2011 die Insolvenzzahlen noch einmal leicht steigen werden. „Dies hat vor allem damit zu tun, dass Insolvenz ein Phänomen ist, das der Konjunktur hinterherläuft“, so Kantner. Es wird ein Plus von drei bis fünf Prozent im Vergleich zu 2010 erwartet.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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